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Amateur-Fotografen: Augenzeugen gesucht!

Gute Pressefotos werden immer öfter von Amateuren gemacht: Mit Kleinkameras oder Knips-Handys sind sie oft schneller als Profi-Fotografen. Augenzeuge.de bietet ihnen jetzt einen Anlaufpunkt im Netz.

Augenzeuge.de ist ein neuer Service der stern-Redaktion für Amateurfotografen. Eine Fotoagentur für alle, die zufällig etwas Außergewöhnliches vor die Linse bekommen und die Geistesgegenwart besitzen, auf den Auslöser zu drücken.

Denn Fotos von Amateuren werden für die Presse immer wichtiger. Das U-Bahn-Attentat in London, der Tsunami in Asien Weihnachten 2004, die letzten Tage des Bären Bruno - dokumentiert wurden sie nicht von Profis, sondern von zufällig anwesenden Passanten oder Urlaubern.

Zwar gab es auch früher schon berühmte Amateur-Pressefotos, die zufällig entstanden waren, zum Beispiel von der brennenden Concorde oder von der Landung der Cessna auf dem Roten Platz in Moskau. Doch würde Mathias Rust heute noch mal dort landen, gäbe es wohl 100-mal so viele Bilder.

Nicht nur, dass Digitalkameras so klein geworden sind, dass immer mehr Amateurfotografen sie immer und an jedem Ort dabeihaben - es sind vor allem die Kamera-Handys, die ihre Besitzer zu potenziellen Pressefotografen machen. Alles, was passiert und Zuschauer hat, wird inzwischen auch fotografiert. Was aber, wenn man das womöglich wertvolle Foto auf der Speicherkarte hat, aber keinen Fotoredakteur beim stern oder bei der dpa kennt?

Weil sich immer mehr Amateurfotografen diese Frage stellen, gibt es neuerdings eigens für sie geschaffene Anlaufstellen im Netz. International hat sich das schottische Angebot scoopt.com einen Namen gemacht, in Deutschland will jetzt das stern-Angebot augenzeuge.de erste Adresse für Amateur-Schnappschüsse sein.

Kernstück ist die Kooperation des stern mit der Bildagentur Picture Press, die weltweit einmalig ist. Denn der "augenzeuge" behandelt Hobbyfotografen, als wären sie Profis: Sie können an ihren Schnappschüssen genauso viel verdienen wie Berufsfotografen. "Entscheidend für das Honorar ist nicht der Absender, sondern die Qualität des Bildes", sagt augenzeuge.de-Projektleiter David Heimburger.

Gesucht wird alles, was Chancen hat, veröffentlicht zu werden: Bilder von Naturereignissen etwa, von Prominenten, von Sportereignissen, Naturkatastrophen und Unfällen, auch wenn sie vielleicht nur regional von Interesse sind. Das bedeutet auch, dass alles, was keinen Nachrichtenwert hat, abgelehnt werden muss.

"Wir bekommen zum Teil wunderschöne Aufnahmen, die aber einfach nicht zum augenzeugen passen", sagt stern-Bildchef Andreas Trampe, der gemeinsam mit seinen Kollegen jedes Foto, das hochgeladen wird oder über die MMS-Nummer 21112 (Stichwort: auge) eintrifft, sichtet und bewertet.

Vor der Veröffentlichung kommt die Kontrolle

Soll es für den Abdruck im stern reserviert oder zur Vermarktung durch Picture Press freigegeben werden? Muss eine Absage herausgeschickt oder das Bild gar gelöscht werden, weil es Anstößiges zeigt? In jedem Fall bekommt der Absender eine E-Mail, in der ihm mitgeteilt wird, was mit seinem Bild geschieht.

Erst wenn die Fotos von der stern - Bildredaktion für gut befunden wurden, erscheinen sie für jeden sichtbar auf der Webseite. Die besten Einsendungen speist Picture Press außerdem in die Profi-Datenbank "Apis" ein. Dadurch bekommen die Fotos auch Bildredaktionen zu Gesicht, die den gerade erst gestarteten augenzeugen noch gar nicht kennen, denn alle großen Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland nutzen Apis.

Will dann zum Beispiel eine Lokalzeitung ein augenzeuge-Foto veröffentlichen, muss sie erst über Picture Press die Rechte kaufen - nach branchenüblichen Sätzen. Das Honorar teilen sich der Fotograf und die Agentur zu 50 Prozent. Ein paar Dutzend Euro in der Tageszeitung bis hin zu mehreren hundert Euro bei einer auflagenstarken Illustrierten können sich schnell zu einer ansehnlichen Summe läppern, denn bei jedem Neuabdruck wird wieder bezahlt. Noch mehr Geld gibt es, wenn der stern sich für den Abdruck eines augenzeuge-Fotos entscheidet: Bis zu 1000 Euro Honorar sind drin.

Kostenlos für die Fotografen

Für die Fotografen ist der augenzeuge-Service kostenlos, ausgenommen Internet- oder MMS-Gebühren. Einzige Bedingung: Das Bild muss exklusiv augenzeuge.de zur Verfügung stehen und darf nicht gleichzeitig anderen Agenturen angeboten werden. Außerdem legt der augenzeuge großen Wert auf Seriosität. "Die Persönlichkeitsrechte von Prominenten bleiben bei uns gewahrt", sagt Andreas Trampe.

Hobby-Paparazzi, die heimlich geschossene Aufnahmen aus dem Privatleben von Prominenten regelmäßig an die "Bild"-Zeitung verschachern, hätten beim augenzeugen keine Chance.

Ulf Schönert / print