Brandschutztechnik Töne, die aus dem Inferno locken


Auf dem Flughafen Hannover ist ein System getestet worden, mit dem Menschen im Falle eines Brandes schnell in Sicherheit geleitet werden sollen: Es lockt mit speziellen Tonfolgen in die richtige Richtung.

Binnen Sekunden ist das Flughafen-Terminal verraucht. Beißender Qualm steigt den Fluggästen in die Augen, sie verlieren die Orientierung. Ein solches Schreckensszenario kann Menschenleben kosten - die größte Brandkatastrophe an einem deutschen Passagierflughafen hatte sich 1996 in Düsseldorf ereignet mit 17 Toten und 88 Verletzten. Seitdem wurden Millionen in Brandschutz- Konzepte investiert, immer wieder tüfteln Flughafen-Feuerwehren an neuen Verfahren. Um die Rettung bei Bränden zu verbessern, erprobte der Flughafen Hannover am Donnerstagabend ein System zur Evakuierung mit Hilfe eines neuartigen speziellen Tonsignals.

Die Testpersonen im Abflugterminal A sind von Nebelschwaden eingehüllt, die Durchsage zum Verlassen des Gebäudes auf Russisch können sie nicht verstehen. Dann setzt eine spezielle und ungewöhnliche Tonfolge ein, die aus einem Lautsprecher über einem Notausgang kommt. "Wir wollen herausfinden, wie die Menschen darauf reagieren", erklärt Armin Schneider, der Marketingleiter der Firma AirIT Systems, dem IT-Dienstleister des Flughafens Hannover. Das Evakuierungs-Konzept entstand beim Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI).

Ganz auf die Töne konzentriert

Die Testteilnehmer, die im dicken Nebel nichts mehr sehen können, finden schnell heraus, woher das akustische Signal kommt und folgen ihm. Das Geräusch weist ihnen so den Fluchtweg in die Freiheit und lotst sie aus dem brennenden Flughafen-Terminal. "Ich habe mich ganz auf das Tonsignal konzentriert", sagt einer von insgesamt 36 Probanden, ein freiwilliger Feuerwehrmann, beeindruckt.

Eine britische Professorin hatte das Spezialgeräusch nach Angaben der deutschen Projektleiter mit bestimmten Tonfolgen entwickelt. Auf Schiffen in England werde es bereits eingesetzt, erzählt Bernd Ammelung vom ZVEI, der für das Evakuierungssystem verantwortlich ist. Auf andere Alarmtöne von Klingeln oder Hupen reagierten die Menschen dagegen im Notfall kaum, das hätten Untersuchungen bewiesen.

Weit von der Marktreife entfernt

Aus Sicht der Unternehmen, die das Konzept testen, kann es auch in Krankenhäusern, Kinos und Discotheken eingesetzt werden. Allerdings ist das System von der "Marktreife" weit entfernt. "Wir müssen noch andere Testszenarien aufbauen", meint Schneider. Der Flughafen Hannover wolle hier aber "Vorreiter in der deutschen Flughafenlandschaft" sein.

Düsseldorf setzt auf andere Konzepte

Der Düsseldorfer Airport scheint sich von dem Test wenig beeindrucken zu lassen. "Wir haben eines der weit reichendsten Brandschutz-Systeme, die es an deutschen Airports gibt", sagt Flughafen-Sprecher Torsten Hiermann. Das verheerende Feuer 1996 hatte zu einer Neuausrichtung der Sicherheitskonzepte an Flughäfen geführt. "Wir haben heute eine Evakuierungszeit von 7 Minuten. Dann ist das Terminal wirklich leer", meint Hiermann. Technik allein reiche aber nie aus. Wichtig sei die Schulung aller Flughafenmitarbeiter, damit diese bei einem Brand Fluggäste aus dem Terminal lotsen können.

Der Leiter der Brandschutzes am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main, Karl-Christian Hahn, sagt: "Es ist gut, wenn viele Flughäfen verschiedene neuartige Systeme testen." Auch in Frankfurt werden seit längerem mehrere Fluchtwege-Modelle erprobt. Ein Flughafen sei aber im Brandfall nicht gefährlicher als etwa eine Messehalle oder ein großes Shopping-Center, betont er. Doch seit dem Feuer in Düsseldorf, das durch Schweißarbeiten ausgelöst worden war, stünden sie immer noch besonders stark im Blickpunkt.

Monika Wendel/DPA DPA

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