Charles Lindbergh Der Atlantik-Überquerer


Als erster Pilot bewältigte er die Strecke über den Atlantik nonstop und ebnete der internationalen Luftfahrt den Weg: Für seinen Pionierflug benötigte Charles Lindbergh 33 Stunden und 32 Minuten.

Als erster Pilot bewältigte er die Strecke über den Atlantik von New York nach Paris nonstop und ebnete der internationalen Luftfahrt den Weg: Für seinen Pionierflug am 21. Mai 1927 benötigte Charles Lindbergh (1902-1974 33 Stunden und 32 Minuten. "Er war ein ungewöhnlich seriöser Mann", meint der Heidelberger Pilot Dieter Schmitt (77), der dem legendären Flugpionier in den 70er Jahren auf Hawaii begegnete. "Er war im Gegensatz zu manchen Piloten unserer Zeit, die nur schlagzeilenträchtige Abenteuer suchen, ganz zurückhaltend und immer auf sein großes Ziel konzentriert."

Finanziell benachteiligt

Als "Ferry-Pilot" - Flieger, die ein- oder zweimotorige Flugzeuge von Amerika nach Europa oder Asien überführen - hat Schmitt den Atlantik 357 Mal überquert und die Erde mit einem Reiseflugzeug zwei Mal in Rekordzeit umrundet. "Er hat konsequent an seinem Konzept gearbeitet", urteilt Schmitt über den berühmten Kollegen. "Charles Lindbergh kam ohne die großen Sponsoren aus, die schon vor 75 Jahren riesige Summen in zwei- und dreimotorige Flugzeuge steckten, die dann mit mehreren Piloten den Atlantik meistern sollten. Ihm stand letztlich vielleicht nur ein Zehntel der Summe zur Verfügung, über die seine Konkurrenten verfügen konnten."

Allein im "fliegenden Treibstofftank"

Der einstige Jagd- und Segelflieger Schmitt wurde 1977 als bis heute einziger Nicht-Amerikaner mit der Lindbergh-Memorial-Medaille für seinen Lindbergh-Gedächtnisflug vor 25 Jahren geehrt. Er ist voller Respekt für den Amerikaner, der am 4. Februar 1902 zur Welt kam: "Es war eine unglaubliche Leistung für die damalige Zeit. Er hat doch sogar Mühe gehabt, mit seinem 'fliegenden Treibstofftank' überhaupt abzuheben. Ein Aufschlagbrand und das wär’s gewesen."

Triumphaler Empfang

Die Atlantik-Überquerung im Alleinflug wurde zu einem der größten Triumphe der zivilen Luftfahrt. 100.000 begeisterte empfingen den jungen Postflieger auf dem Flugplatz in Paris. Die Belohnung: 25.000 Dollar und ewiger Ruhm. Mit vier Butterbroten, zwei Wasserflaschen und 1600 Litern Treibstoff an Bord war Lindbergh in den USA gestartet. Auf seinem Flug trotzte er Nebel, Graupel und Kälte. Manchmal flog er nur wenige Meter über den Wellen. Als Fischerboote in Sicht kamen, wusste Lindbergh, dass er Kurs gehalten hatte. Nach der Rückkehr per Schiff bereiteten ihm vier Millionen Menschen einen triumphalen Empfang. Als eine Art "Botschafter der Fliegerei" warb Lindbergh fortan für seinen Beruf.

Auf die Frage, ob er 1927 mit der einmotorigen zerbrechlichen "Spirit of St. Louis" auch über den Atlantik geflogen wäre, zögert Schmitt und bekennt dann: "Ich glaube schon, dass ich mich getraut hätte, aber vielleicht hätte ich das Flugzeug doch etwas anders gebaut." Er weiß, dass er mit dem Wissen von heute über die Pioniertat des Anwaltssohnes aus Detroit spricht. Ob er bei seinen langen einsamen Atlantikflügen einmal an Charles Lindbergh gedacht hat? "Um ehrlich zu sein, nein. Wenn man einmotorig über den Atlantik fliegt, hat man zu viel zu tun, um an andere Dinge zu denken."

Schnelle Fortschritte

Ähnlich wie Schmitt denken viele erfahrene Piloten unserer Zeit über Lindbergh. "Ohne die beispiellose Risikobereitschaft dieses Pioniers hätten wir den unglaublichen Fortschritt, den wir heute in der Luftfahrt erlangt haben, sicherlich nicht so schnell erreicht", urteilt Robert Salzl, der mehrere Jahre lang Chefpilot der Deutschen Lufthansa war. Der Lübecker Weltrekord-Segelflieger Hans-Werner Grosse bringt es auf den Punkt: Lindbergh habe "die Begeisterung der Menschen für die Fliegerei geweckt".


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