DVD und Video Demnächst nicht im Kino


Immer mehr Spielfilme kommen nie auf die große Leinwand, sondern landen gleich auf DVD und Video. Was durchaus nicht gegen ihre Qualität spricht.

Fangen wir mit den guten Nachrichten an. Es gibt bald einen vierten Teil von "American Pie", Heath Ledger und Orlando Bloom haben einen australischen Western gedreht, der smarte Jake Gyllenhaal aus "The Day After Tomorrow" spielt in einem kultigen Fantasy-Thriller die Hauptrolle. Und bei Disney arbeitet man an einer "Bambi"-Fortsetzung.

Und jetzt die schlechte Nachricht: Alle diese Filme kamen und kommen nie ins Kino. Sollen sie auch gar nicht. "Direct to DVD" nennt sich das im Fachchinesisch, manche sprechen - etwas glamouröser - auch von "DVD-Premieren". Gemeint ist das Gleiche. Da bei einem typischen Hollywood-Streifen rund 50 Prozent der Kosten für die Werbung anfallen (Anzeigen, Poster, TV- und Radiospots), sparen sich das in manchen Fällen die Studios und bringen ihr Produkt ohne Tamtam direkt auf DVD und Video heraus. So geschehen beispielsweise beim "König der Löwen 3", der allein in den USA rund 160 Millionen Dollar einnahm.

Der unangefochtene König

im Reich der DVD-Premieren ist Disney. Fortsetzungen von "Lilo & Stitch", "Mulan" oder "Aladdin" sorgen für dicke Gewinne. Die Kinder stören sich wenig an den oft simpleren Zeichnungen und Drehbüchern. Hauptsache, die vertrauten Helden sind wieder dabei. Ein idealer Weg, der Marke und damit dem Verkauf von Stofftieren oder Spielen wieder auf die Beine zu helfen.

Das funktioniert auch bei Erwachsenen: Zweite Teile der Teen-Erotik "Wild Things" oder des Serienmörder-Dramas "American Psycho", die im Kino nur Verrisse ernten würden, garantieren auf DVD annehmbare Geschäfte. Denn ihr Budget ist geringer, Original-Hauptdarsteller und Regisseur sind durch billigere Nachwuchskräfte ersetzt. Dafür bieten die risikofreien Projekte immerhin eine gute Spielwiese für neue Talente.

In Deutschland würde man gern von dem blühenden "Direct to DVD"-Bereich profitieren. Martin Moszkowicz, Vorstand der Produktion bei Constantin Film ("Der Untergang"): "Noch ist das bei deutschen Filmen extrem selten. Weil unsere Filme grundsätzlich sehr viel weniger kosten." Doch der Markt sei im Umbruch. Moszkowicz: "Geeignet wäre beispielsweise ein dritter Teil des "Sams"".

Daneben gibt es noch Filme, die eigentlich fürs Kino inszeniert wurden, bei uns aber, aus welchem Grund auch immer, nur als DVD herauskamen. Trotz Stars. So stellt Billy Bob Thornton in "Alamo" die legendäre Schlacht zwischen Texanern und Mexikanern nach, und Al Pacino brilliert in der Hollywood-Satire "Simone". Echte Perlen sind der Fantasy-Geniestreich "Donnie Darko" oder der rasante Hongkong-Thriller "Infernal Affairs".

Die Zahlen belegen den Trend: Unter den 566 Filmen, die von Januar bis Oktober 2004 in den Videoverleih gingen, waren fast 55 Prozent DVD-Debüts. Der Gang in die nächste Videothek oder zum DVD-Händler lohnt sich also mehr denn je.

Matthias Schmidt print

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