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Ukraine-Krieg "Scheiß drauf": Elon Musk will Starlinks Kosten für die Ukraine nun doch übernehmen

Elon Musk
Held oder Antiheld? Bei Elon Musk verschwimmen die Grenzen recht oft.
© Ringo H.W. Chiu / DPA
Erst sollte die US-Regierung die Kosten für Starlink übernehmen, dann hagelte es Kritik und jetzt ist es am Ende doch egal. Elon Musk will die Rechnung auch künftig übernehmen – und arbeitet an einer Spendenfunktion.

Im September hatte sich Elon Musk an die US-Regierung gewandt und forderte, dass seine Kosten für die Unterstützung der Ukraine durch sein Satelliten-Internet Starlink übernommen werden sollen. Das habe, so Musk, bisher über 80 Millionen US-Dollar gekostet und werde weiterhin Millionen verschlingen (hier erfahren Sie mehr). Nachdem der reichste Mensch der Welt für diesen Vorstoß viel Kritik erntete, entschied er sich offenbar nun doch um.

20 Millionen US-Dollar pro Monat

Am Samstag schrieb der Milliardär: "Scheiß drauf ... auch wenn Starlink immer noch Geld verliert und andere Unternehmen Milliarden von Steuergeldern erhalten, werden wir die Ukraine weiterhin kostenlos finanzieren." Konkret heißt das: Rund 20 Millionen US-Dollar jeden Monat, die Starlink nach eigenen Angaben für das Internet an der Front aufbringen muss.

Diese Entscheidung könnte auch ein Tweet des ukrainischen Ministers für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, bestärkt haben. Der Politiker schrieb: "Mit Sicherheit gehört Elon Musk zu den weltweit führenden privaten Spendern, die die Ukraine unterstützen. Starlink ist ein wesentlicher Bestandteil unserer kritischen Infrastruktur."

Die hohen Kosten entschlüsselte Musk in einem weiteren Tweet. Starlink müsse nicht nur die Empfangsstationen bereitstellen, sondern auch Satelliten bauen, warten und ins All schießen, Bodenstationen betreiben und für die Internet-Anschlüsse an den Gateways bezahlen.

In der Ukraine käme besonders erschwerend hinzu, dass die Cyber-Angriffe gegen das freie Internet offenbar immer weiter zunehmen würden, sodass dort extra viel Aufwand nötig sei, um einen Totalausfall zu verhindern. Russland, so führt Musk es aus, versuche aktiv, Starlink den Garaus zu machen. Er sei alles andere als sicher, dass das nicht irgendwann gelingt.

Ukrainer:innen kauften Starlink selbst

Es bleibt die Frage, wie ehrlich Musk bei den Angaben ist, wenn es um seinen persönlichen Anteil – oder den seiner Firma – an den Kosten für Starlink in der Ukraine geht. Denn schon zu Beginn des Krieges wurde bekannt, dass sich zahlreiche Regierungen, darunter Polen, Frankreich und auch die USA, mit hohen Summen an der Bereitstellung von Starlink in der Ukraine beteiligen. 

Der Ukrainer Dimko Zhluktenko schrieb zu den angeblichen Kosten, die Musk und sein Unternehmen nach eigenen Angaben alleine schultern müssten, einen längeren Beitrag auf Twitter. Dort lobte er Starlink in höchsten Tönen und bescheinigte der Technik eine wichtige Rolle für die Verteidigung gegen die russischen Invasoren, warf aber ein gänzlich anderes Licht auf die Finanzierung der benötigten Hardware.

Zhluktenko schreibt, dass alle Starlink-Bodenstationen, die er in der Ukraine bisher gesehen habe, durch private Mittel der jeweiligen Nutzer:innen finanziert worden seien. Über seine Wohltätigkeitsorganisation habe er 50 Starlinks für die Front finanziert und zahle jeden Monat die vollen Gebühren dafür. Er wundere sich, welche Kosten Musk meinen könnte, wenn es doch so viele Selbstzahler zu geben scheint, schreibt Zhluktenko.

Unter seinem Tweet melden sich noch andere Ukrainer:innen, die Rechnungsbelege und Zahlungen an Starlink zeigen. Keine:r von ihnen stellt den enormen Nutzen der Technik in Frage, aber jede:r wünscht sich eine Antwort darauf, welche erdrückenden Kosten der Milliardär meint, wenn er sich als alleinigen Finanzier darstellt und die US-Regierung um Hilfe bittet. Auf diese Tweets antwortete Musk bisher nicht.

Starlink bekommt eine Spendenfunktion

Aktiver ist der Milliardär in einer Diskussion darüber, wie man sein Internet weltweit an abgelegene Orte bringen könnte. Nachdem Ham Serunjogi, ein US-Unternehmer mit afrikanischen Wurzeln, über seine Erfahrung mit der Satelliten-Schüssel schrieb und anbot, Geld für deren Installation in Schulen und Krankenhäusern Ugandas finanziell zu unterstützen, nahm Musk den Faden auf.

Er fragte seine 109 Millionen Follower auf Twitter, ob es noch mehr Menschen gäbe, die für Starlink spenden würden, um Anschlüsse dort zu ermöglichen, wo sie dringend gebraucht würden. Zahllose positive Rückmeldungen später schrieb er: "Okay. Wir werden eine Möglichkeit bieten, Starlink zu spenden." Ob er das auch für die Finanzierung der Terminals in der Ukraine umsetzt, erwähnte er nicht.

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