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Fotoapparate: Lohnt der Griff zum Kombi?

Digitale Fotoapparate können oft auch Filme aufnehmen, manche Camcorder machen auch Fotos. Wie gut sind solche Zwittergeräte?

Urlauber, die ihre Ausflüge in den Dschungel oder durch die Wüste multimedial dokumentieren wollen, kennen das Dilemma: Sollen sie zum Filmen den Digital-Camcorder einpacken oder zum Fotografieren die digitale Fotokamera? Weil das Herumtragen von zwei Geräten lästig ist, muss meist einer der beiden Apparate zu Hause beziehungsweise im Hotel bleiben.

Zusatzqualifikation eher bescheiden

Die Hersteller versuchen das Problem seit geraumer Zeit mit kombinierten Geräten zu lösen - so können viele Digitalvideo-Camcorder mittlerweile auch Fotos schießen, und fast alle Digitalfotokameras haben einen "Movie"-Modus. Doch bei den meisten Kombis fällt die jeweilige Zusatzqualifikation bisher bescheiden aus: Camcorder knipsen Standbilder oft gerade mal mit 0,4 Megapixel - also einem Drittel der Auflösung selbst allereinfachster Digitalfotokameras.

Umgekehrt verbirgt sich hinter dem "Movie"-Modus der meisten Digitalfotoapparate lediglich die Möglichkeit, maximal drei Minuten Bewegtbild in der bescheidenen Bildauflösung von 320 mal 240 Bildpunkten aufzunehmen, und dann oft sogar noch ohne Ton. Zudem ruckeln die Filmchen mit 15 Einzelbildern pro Sekunde übers Display - Fernsehen und Video nutzen normalerweise 25 Bilder.

Spezialgeräte für den Brückenschlag

Allerdings wartet die Foto- und Video-Industrie zunehmend mit Spezialgeräten auf, die nun doch Brücken zwischen den Welten von Standbild und Film schlagen sollen: Videokameras mit besonders hoher Auflösung für Fotos. So kann der Camcorder Panasonic MX 500 (ca. 2300 Euro) Fotos mit einer Auflösung von drei Megapixel aufnehmen. Weil sich digitale Bilder aber nur schlecht auf Videoband aufzeichnen lassen, speichert das Multitalent die Daten auf einer Chipkarte im Format "SD-Card". Das Gerät ist für anspruchsvolle Videofilmer gedacht, denen es nicht so sehr auf Preis und Kompaktheit ihres Camcorders ankommt. Die können dann auch von den Fotokünsten des MX 500 profitieren. Allerdings sind die wegen geringer Lichtempfindlichkeit auch nicht ganz überzeugend.

Sony mit eigenem Cassettenformat

In einer ähnlichen Preisklasse ist der Sony DCR-IP 220 angesiedelt. Das für etwa 2400 Euro erhältliche Gerät bietet im Fotomodus zwar nur zwei Megapixel (Bildauflösung: 1600 mal 1200 Pixel). Dafür ist es kompakter und mit 550 Gramm auch deutlich leichter als der Panasonic. Möglich gemacht wird die Miniaturisierung durch das nur von Sony genutzte Cassettenformat "Micro-MV". Im Fotomodus liefert das Gerät recht scharfe und gut belichtete Standbilder. Zum Speichern dient der bei Sony übliche Memory-Stick.

Canon überrascht

Etwas günstiger ist der ebenfalls als Multitalent beworbene Canon-Camcorder MVX2i (ca. 1800 Euro). Das Gerät ist vergleichsweise klein und bietet mit 635 Gramm ein akzeptables Gewicht. Obwohl der MVX2i mit nur 1,3 Megapixeln auskommt, sind seine Fotos überraschend scharf und detailreich. Trotzdem überzeugt auch dieser Film-Foto-Kompromiss nicht völlig.

Gute Bildqualität - teurer Speicher

Doch es gibt ja auch noch digitale Fotoapparate, die filmen können, zum Beispiel den DSC-P92 von Sony (ca. 549 Euro). Die Fünf-Megapixel-Digitalkamera kann bis zu 48 Minuten Bewegtbild aufnehmen - und das bei einer vergleichsweise guten Bildauflösung knapp unterhalb des TV-Standards. Das größte Problem ist allerdings, dass die 48 Minuten Video nur auf den neuen "1 Gigabyte Memory-Stick Pro" passen - und der schlägt mit 720 Euro zu Buche. Für den Preis bekäme man mehr als 50 MiniDV-Videocassetten für einen herkömmlichen Camcorder mit je 60 Minuten Spielzeit.

Sanyo mit Speicherproblemen

Sanyos neue Digicam Xacti VPC-J1 (449 Euro) soll laut Hersteller noch besser für die Aufnahme bewegter Bilder gerüstet sein. Im Fotomodus bietet sie drei Megapixel, die Videoauflösung ist akzeptabel. Doch auch sie kämpft mit dem Speicherproblem: In der besten Qualität passen auf eine 1-Gigabyte-SD-Card nur 22 Minuten. Und eine so große SD-Karte soll erst ab Herbst für 400 Euro erhältlich sein. Kaum anders sieht es bei der dritten Movie-Digitalkamera auf dem Markt aus, der Fuji M603 zum Preis von 699 Euro. Auch diese 3,1-Megapixel-Kamera zeichnet Videos in guter Qualität auf. Zum Speichern stellt die Kamera gleich zwei Chipkarten-Formate zur Auswahl: einerseits die xD-Picture-Card, die derzeit aber nur mit höchstens 256 MB (entspricht dreieinhalb Minuten Video, 149 Euro) erhältlich ist, und andererseits Compact-Flash-Karten, die es schon mit vier Gigabyte Kapazität gibt, auf die dann immerhin knapp eine Stunde Video passt - allerdings zum stolzen Preis von 1200 Euro.

Perfektion nur auf einem Gebiet

Wie man es dreht und wendet: Wirklich brillieren können die Kombis immer nur auf ihrem jeweils angestammten Einsatzgebiet - entweder als Video- oder als Fotokamera. Die zusätzlich gebotenen Zweit-Funktionen sind mit vielen technischen Einschränkungen versehen. Amateur-Medienproduzenten, die bestmögliche Ergebnisse und Handhabung verlangen, sind deshalb mit einem Gespann aus einer Videokamera und einer Fotokamera immer noch besser beraten - auch wenn sie dann mehr schleppen müssen.

Hannes Rügheimer / print
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