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Hellofresh und Marley Spoon im Test Kochbox im Homeoffice – so rette ich meine Familie über den Winter

Das steckt in der Box von Marley Spoon, bei Hellofresh sieht es genauso aus.
Das steckt in der Box von Marley Spoon, bei Hellofresh sieht es genauso aus.
© stern-online
Jeden Tag Homeoffice, Einkauf und Kochen – irgendwann ist das zu viel. Die gesunde Alternative zum Pizza-Dienst sind Kochboxen von Hellofresh und Marley Spoon.

"Du kochst sonst aber besser!" – "Das schmeckt ja wie Kantine." – "Das ist doch nicht frisch!"

Der erste Versuch mit einem leckeren Abendmahl aus der Kochbox lief nicht ganz so, wie ich es erwartet hatte. Glücklicherweise blieb es bei dem einem Ausrutscher. Rezepte der Rubrik "alles in einem Topf" meide ich seitdem.

Kochboxen sind kein neues Thema. Einige der einst hoffnungsvollen Anbieter mussten bereits aufgeben. Doch wer wie ich,jeden Tag in der Kantine, wenn auch nicht fürstlich, so aber doch solide verköstigt wurde, für den stellte sich die Boxfrage nicht. Bis Corona, Lockdown und "Homeoffice Forever" kamen. Kochen macht Spaß, aber sieben Mal in der Woche kreativ zu sein, Rezepte rauszusuchen und Einkäufe abzuwickeln fand ich nach etwa sechs Monaten neben der Arbeit zu stressig.

Dauerwerbung zeigt Wirkung

Und wer einmal neugierig nach den Boxen gesurft hat, wird heutzutage nicht mehr in Ruhe gelassen und mit allen denkbaren Angeboten von Festtagsmenüs, Ernährungspülverchen für Veganer bis hin zu Fleischkonserven nach originalem UdSSR-Rezept (!) zugespammt. Bei der zehnten Kochbox-Anzeige war ich dann weichgeklopft, zumal es einen Coupon gab, der das Ganze zum Start billiger machte.

Fertigmahlzeiten wollte ich nicht und auch keine Obst-, Gemüse- oder Fleischkiste, sondern alle Zutaten für ein hoffentlich leckeres Essen. Die beiden großen Anbieter Marley Spoon und Hellofresh bieten ein ähnliches Angebot an. Zu den Unterschieden komme ich später.

Das Kochbox-Modell von Hellofresh und Marley Spoon

Für jede Woche kann man aus einer doch großen Auswahl an Rezepten auswählen, die Zusammenstellung wird dann in einem Karton geliefert. Jedes Rezept befindet einzeln in einem Pappbeutel. In einer weiteren Tüte liegen die Zutaten, die gekühlt werden müssen. Für jedes Rezept gibt es einen ausgedruckten Bogen, auf dem Zubereitung verständlich und bebildert erklärt wird. Auf den Bogen kann man auch verzichten, dann muss man aber mit dem Handy beim Kochen hantieren.

Preislich liegen die beiden Anbieter Hellofresh und Marley Spoon weitgehend auf einer Höhe – wenn man mehr Rezepte oder mehr Portionen pro Rezept abnimmt, wird das Paket pro Portion bei beiden deutlich billiger. Die Zutaten sind durchweg von guter Qualität – auch das Fleisch. Zumindest wenn man einen Supermarkt als Standard nimmt. Wer nur in ausgesuchten Fachgeschäften einkauft, ist sicher Besseres gewohnt. Angesichts der Preise gibt es nichts zu meckern. Aber es muss klar sein: Für vier bis fünf Euro pro Portion bekommt man kein 300 Gramm Dry Aged Steak. Gelegentlich könnte das Gemüse etwas frischer sein. Je nachdem, wann man es in der kommenden Woche verzehrt, kann es schon etwas angrauen. Aber weil ich die zarten Gemüse und Salate vorziehe und die robusteren Zutaten nach hinten lege, konnte ich das Problem umschiffen.

Große Auswahl an Rezepten bei Hellofresh und Marley Spoon

Bei vielen Mahlzeiten wird Lagerung allerdings zum Problem – in molliger Wohnungstemperatur sollten die Lebensmittel nicht aufbewahrt werden. Wenn man Platz für alles im Kühlschrank hat, dann können die Zutaten schön beisammenbleiben. Ideal ist ein kühler Raum, in dem Rezeptbeutel abgestellt werden.

Die Auswahl an Rezepten ist bei beiden Anbietern für meinen Geschmack groß genug. Wenn man wählerisch ist, schrumpft das Angebot. Etwa dann, wenn man sich ausschließlich vegetarisch ernähren will oder partout nie etwas Vegetarisches zu sich nehmen möchte oder aber Standartzutaten von seinem Speisezettel verbannt.

Wo sind die Probleme?

Kochbox und Homeoffice passt für mich prima. Als Zweitmahlzeit am Abend wäre mir das Kochboxessen zu üppig und auch zu teuer. In den ersten Wochen ist man von dem riesigen Angebot geblendet. Dann durchschaut man irgendwann, welches System dahintersteckt. Es ist eine international angehauchte schnelle Küche für Berufstätige.

Vorteil: Die Zubereitung müsste jedem gelingen, niemand steht lange in der Küche – aber dafür sind die Rezepte auch auf "schnell und einfach" hin optimiert. Viele Dinge in der Küche gewinnen an Geschmack, wenn mehr Zeit investiert wird - den Unterschied merkt man schon an einer Bolognese. Auf lange Schmoraromen muss man verzichten. 

Nach wenigen Wochen merkt man, dass die Rezepte aus einem bestimmten und begrenzten Baukasten kombiniert werden. Die scheinbare Vielfalt findet in einem begrenzten Segment statt. Die ganze Küche der weiten Welt lerne ich so dann doch nicht kennen. Die Boxen werden von Menschen gepackt und sie werden auch transportiert. Es ist besser, man nimmt es locker, wenn ein Becher Joghurt einmal ausläuft oder eine Zutat verwechselt wurde. Empfindliche Zutaten wie Eier werden möglichst vermieden.

Demgegenüber stehen die Vorteile. Für mich gibt es neben dem fehlenden Einkaufsaufwand zwei schlagende Vorteile. Es ist ganz einfach, etwas Neues auszuprobieren – auch wenn es aus einem Repertoirebaukasten kommt. Sonst finde ich mich plötzlich vor dem Einkaufsthresen und mache dann doch etwas, was ich schon kenne. Und auch bei einem breiten Repertoire wiederhole ich mich häufig. Und dann sind hier jedes Mal exotische Zutaten, Gewürze und Kräuter dabei. Es gibt daher frischen Thymian und ich weiche nicht wie sonst einfach auf Getrocknetes aus.

Rezept von Marley Spoon - zum Normalpreis. Die Mahlzeiten sehen selbst zubereitet übrigens genau so lecker aus wie auf den Fotos.
Rezept von Marley Spoon - zum Normalpreis. Die Mahlzeiten sehen selbst zubereitet übrigens genau so lecker aus wie auf den Fotos.

Was lernt man von Hellofresh und Marley Spoon?

Um das Kochen mit der Box zu optimieren, sollte man sich die Rezepte vor dem Kochen genau durchlesen. Wenn zum Beispiel eine Gurke gehobelt und eingelegt wird, gelingt das Weitem besser, wenn man es schon ein paar Stunden vorher erledigt, als wenn die arme Gurke nur 20 Minuten Zeit bekommt, Geschmack zu ziehen. Bei vielen Dingen und vor allem beim Schmoren im Backofen sind die angegebenen Zeiten regelmäßig sportlich – da gebe ich meist Zeit dazu. Durch die geringe Garzeit mangelt es Soßen an Volumen, was man durch weitere Zutaten oder eigene Basisfonds anreichern kann. Kommt der Geschmack aus einer Brühmischung, gebe ich die nur sehr vorsichtig hinzu, um einen Maggi-Effekt zu vermeiden.

Manche Rezepte sind für meinen Geschmack etwas zu sehr auf möglichst einfach getrimmt. Immer dann, wenn viele Zutaten in nur einem Topf zusammengegart werden, sollte man den eigenen Kochverstand anschalten. Manchmal ist es besser, die Garzeiten der einzelnen Bestandteile noch einmal kritisch anzusehen. Hackfleisch und Fisch friere ich wegen der Haltbarkeit durchaus ein. Frische Kräuter sollte man aus dem Beutel befreien und mit ein paar Wasserspritzern zusammen in einem verschlossenen Glas im Kühlschrank lagern. Leichte Salate lassen sich mit einfachen Tricks wieder revitalisieren, wenn sie die Blätter hängen lassen.

Bessere Ausrüstung für die Kochbox

Alle Rezepte lassen sich mit Standardküchengeschirr bewältigen. Weil wenig Geschirr benutzt wird, sollte man aber eine gute, große und hohe Pfanne besitzen. Ein zweites Backblech schadet auch nicht. Wegen der kurzen Garzeiten wird Gemüse fast immer gehobelt. Für dünne Streifen passt eine japanische Mandoline von Benriner. Zusätzlich ist ein Kartoffelschneider sinnvoll, ein robustes Gerät wie jenes von Zelsius kostet aber auch fast 100 Euro. Eine gute Küchenreibe und ein Wiegemesser etwa von WMF sind auch nicht verkehrt.

Kuriosa

Die Mengen sind gut bis ausreichend. Bei mehreren starken (Fleisch-)Essern am Tisch muss man eine Portion mehr bestellen. Die Rezepte sind jedes für sich finanziell kalkuliert und sie sind bis auf zwei Ausnahmen gleich teuer. Das führt dazu, dass ein Gericht mit teurem Fisch oder Fleisch übersichtlich ausfällt – da wird dann selbst an den Kartoffeln gespart. Kommen nach dem knusprig gebratenen Lachs am nächsten Tag aber Tortillas mit vegetarischer Füllung auf den Tisch, ist die Menge so groß, dass sie auch an zwei Tagen nicht verzehrt werden kann.

Wer ist nun besser? Hellofresh odrer Marley Spoon?

Klare Antwort: keiner. In Sachen Qualität, Zutaten und Verständlichkeit der Rezepte liegen die Anbieter mehr oder minder auf der gleichen Stufe. Die Geschmacksausrichtung ist aber nicht identisch. Mir haben die Gerichte von beiden geschmeckt – mal fand ich es ausgezeichnet, mal okay. Tendenziell mochte ich die Essen von Marley Spoon lieber.

Der größere Anbieter Hellofresh bietet Vorteile bei der Auswahl und der Flexibilität, die vor allem dann interessant sind, wenn sehr viele Mahlzeiten abgenommen werden. Marley Spoon liefert für zwei Personen zwischen drei und fünf Mahlzeiten. Die zweite Größe ist für "3-4 Personen" und kann für zwei, drei oder vier Tage bestellt werden. Bei Hellofresh kann man bei den Personen zwischen zwei, drei oder vier wählen und muss entweder 3, 4 oder 5 Tage abnehmen. Beiden Anbietern ist gemein, dass die große Box pro Mahlzeit deutlich billiger ist. Der Preis geht dann auf etwa 4 Euro pro Portion runter, bei kleineren Bestellungen klettert er auf über 5,50 Euro.

Beide Angebote lassen sich einfach wieder kündigen, auch ist es simpel möglich, eine oder mehrere Wochen zu pausieren. Ganz Engagierte – so wie ich – können daher auch bei beiden Anbietern ein Abo abschließen und Woche für Woche neu entscheiden. Dann muss man aber auch beide Konten genau im Blick haben, sonst bekommt man zwei Boxen in einer Woche.

Im Prinzip kann man sich auch jede Woche je eine kleinere Box von beiden Anbietern schicken lassen, dann sind die Portionen aber teurer.  

Das "Meisterstück" von Hellofresh warnt mit dem Hinweis "schwierig" - vier Portionen kosten hier 14 Euro Aufschlag.
Das "Meisterstück" von Hellofresh warnt mit dem Hinweis "schwierig" - vier Portionen kosten hier 14 Euro Aufschlag.
© PR

Besonderheit bei Hellofresh

Als Besonderheit bietet Hellofresh jede Woche zwei Essen an, die "Meisterstück" oder "Premium" genannt werden. "Premium" bedeutet, dass teurere Zutaten verwandt werden, etwa ein edleres Steak. Das "Meisterstück" kombiniert teure Zutaten mit einer aufwendigeren und längeren Zubereitung – also so etwas wie ein "Sonntagsbraten". Ich mag das. So bricht das Diktat der schnellen Küche auf, beim Kochen sollte man dann kein blutiger Anfänger sein, doch der Spaß kostet auch extra. Das Meisterstück ist fast doppelt so teuer wie eine Standardmahlzeit. Außerdem kann man bei Hellofresh sogenanntes Add-ons als Vor- oder Nachspeise bestellen. Das Angebot ist derzeit aber bei Weitem nicht so reizvoll wie die Hauptmahlzeiten.

Viel oder wenig Müll

Müll ist ein Thema. Die Hersteller betonen, dass die Verpackungen allesamt recycelbar sind. Aber ohne Frage fallen ein Karton, eine Handvoll Tüten und weitere Einwegverpackungen bei jeder Lieferung an. Jemand, der immer auf dem Markt einkauft und Verpackungen vermeidet, wird das als viel empfinden, für einen Supermarktkunden, wie ich es bin, gibt es keinen Unterschied.

Außerordentlich positiv ist, dass ich bislang nie Lebensmittel weggeschmissen habe. Die Zutaten werden komplett verkocht und bleibt eine Restmahlzeit übrig, wurde sie bislang immer am nächsten Tag gegessen.

Lieferung muss geklärt sein

Aus den Kundenrezensionen erfährt man, dass es die größten Probleme mit den Lieferdiensten gibt. Den ganzen Service kann man nur bestellen, wenn man hier keine Schwierigkeiten hat. Aber selbst bei einer Abstellerlaubnis kann sich ein Paket mal verzögern. Altkunden bemängeln auch, dass die Mahlzeiten früher besser waren. Richtig ist, dass mit dem spitzen Bleistift gerechnet wird. Hellofresh gibt an, an jeder Lieferung 20 Prozent zu verdienen. Kostet die Box 60 Euro, sind das zwölf Euro Gewinn. Von den übrigen 48 Euro müssen noch Transport und Verpackung bezahlt werden. Bio und regional wird geworben, aber das Hühnerfleisch kommt aus Holland.

Meine Perspektive

Für den Quasi-Lockdown passt die Box perfekt. An einem trüben Tag kann das neue Rezept schon das Highlight sein. Dieser Wow-Effekt wird irgendwann nachlassen. Bleiben die praktischen Vorzüge. Ich werde dabeibleiben – zumindest bis Büro und Kantine wieder öffnen.

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