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Hologramm-Disk: Die Daten-Goliaths

Während HD-DVD und Blu Ray-Disk gerade um die DVD-Nachfolge streiten, bereitet die Industrie schon den nächsten Coup vor: die Hologramm-Disk. Bereits in diesem Jahr sollen die Speichermonster auf den Markt kommen.

Von Matthias Lauerer

Die Informationsgesellschaft schreitet schnell voran. Und mit ihr der Hunger nach mehr Platz für all ihre Daten. Zunächst genügte ihr die DVD mit einer Speicherkapazität von 4,7 Gigabyte. Dann kamen HD-DVDs und Bluy Ray Speicher-Medien auf den Markt. Ihr jeweiliges Fassungsvermögen: 25 GB bei einer HD-DVD und bis zu 50 GB bei einer Blu-Ray-Disk. Doch während die Formatschlacht beider DVD-Erben noch in den Elektronikmärkten tobt, bereitet sich die Branche auf den nächsten Coup vor: die Hologramm-Disk, kurz Holo-Disk genannt. Die Idee, Informationen mittels Bildern zu speichern, kam dem ungarisch-britischen Forscher Dennis Gabor bereits 1948. Doch erst die Erfindung des Lasers 1960 und jahrzehntelange Forschung ermöglichte den heutigen, neuen Speicher-Einsatz.

Nach mehrmaliger verschobener Markteinführung sollen die Holo-Speicher inklusive passender Brenner und Medien noch im Jahr 2007 auf den deutschen Markt kommen. Bereits im Juli startet der Verkauf in den Staaten. Die Einführungs-Preise sind happig. So liegt der Preis einmal beschreibbarer 300-GB-Disk bei 180 Dollar. Das dazugehörige Tapestry HDS-300R-Laufwerk schlägt mit stolzen 18.000 US-Dollar ins Kontor.

Langjährige Erfahrung

Hersteller ist das amerikanische Unternehmen "InPhase" aus Longmont, Colorado. Mit im Team: das japanische Unternehmen Hitachi Maxell, das schon seit Jahrzehnten im Speicher-Bereich mitmischt. Doch wie funktioniert die Technik? Die Entwickler verwenden bei der Daten-Speicherung statt der bisher üblichen Pits (Einkerbungen) auf der Scheibe viele holographische Bilder. Das Computerlaufwerk schreibt mittels Laser diese kleinen Hologramme auf eine transparente 5,25 Zoll große Plastikscheibe. Nur so gelingt es, die Daten von 64 herkömmlichen DVDs auf nur einer großen Diskette abzulegen. Die Disk nutzt also die tatsächliche Tiefe des Materials. Dies ist umso mehr verwunderlich, da die Speicherschicht nur einen Millimeter dick ist. Möglich wird das Speichern durch die Verwendung fotoaktiven Polymer-Materials. Die wichtige dünne Polymer-Schicht liegt dabei gut geschützt zwischen zwei durchsichtigen Kunststoffscheiben. Sie ist zugleich der Klebstoff, der die 1,5 Millimeter dicke Scheibe zusammenhält. Dies erweist sich als großer Vorteil gegenüber allen bisherigen CDs und DVDs, die schon durch Kratzer sehr leicht alle Daten verloren.

Das fotoempfindliche Material der Scheibe liefert die Bayer AG. Dr. Thomas Fäcke, der im Bereich Material Science in der Forschung und Entwicklung arbeitet, erklärt: "Vergleichbar ist das Verfahren mit einem Bild, wie sie es zum Beispiel beim Ausdruck einer Fahrkarte der Bahn erhalten. In diesem Bild stecken alle ihre Informationen."

Rüstungshersteller Lockheed erster Kunde

Die Anwendungsbereiche der neuartigen Technologie sind vielfältig. Unternehmen wie Banken oder Behörden, die ihre Daten heute noch auf Magnetbändern speichern, könnten die neuen Laufwerke nutzen. Laut Angaben des Herstellers haben in den USA bereits der Rüstungshersteller Lockheed Martin und die National Geographic Society Laufwerke und Disks geordert. Auch ein deutsches Unternehmen will die Holo-Disk verwenden. "Wir wollen die Laufwerke in professionellen Jukeboxen benutzen. Und besonders für Anbieter von Podcasts ist das Thema interessant". So sagt es Johann Peters, der als Geschäftsführer bei der Westersteder Tesco GmbH arbeitet. Seit zwei Jahren beschäftigt sich sein Unternehmen mit der Technologie. Und nur wenige haben bereits wie Peters, ein Laufwerk in Aktion erlebt. "Es ist faszinierend, was dort an Daten draufpasst!"

Auch die anderen Spezifikationen erscheinen massenmarkttauglich. So soll die die Disk bei Umgebungs-Temperaturen von zehn bis 40 Grad beschreibbar sein. Gebrannt werden die Daten dann mit einer Geschwindigkeit von 20 MB pro Sekunde. Später soll diese Daten-Rate auf 120 MB pro Sekunde erhöht werden. Damit dürfte das Brennen einer Disk in der ersten Generation also über vier Stunden dauern. Zweiter Haken: Nach dem Kauf des Rohlings muss die Disk innerhalb von drei Jahren beschrieben werden. Sonst zerfallen die Polymere, und die Disk wandert ungebrannt in den Abfall. Immerhin garantiert "InPhase" die Sicherheit der Daten nach dem Brennen über einen Zeitraum von 50 Jahren.

1,6 Terrabyte-Riese in Planung

Das Unternehmen will es jedoch nicht bei einer 300 GB-Disk belassen. Schon Ende 2008 soll die 800 GB Disk folgen. Und schon 2010 plant man einen Daten-Riesen, der unglaubliche 1,6 Terabyte pro Disk speichern soll. Auf nur einer großen Diskette fänden sich dann die gesammelten Informationen von mehr als 340 DVDs wieder.

Ein echter Nachteil bleibt bei all der Speicher-Euphorie jedoch für alle Heim-Anwender bestehen. Durch die hohen Preise ist die Technologie zunächst nur für den professionellen Anwender-Bereich interessant. Doch alle echten Technik-Nerds kennen das Spiel schon zur Genüge. Denn auch diese Mond-Preise werden nach der Einführung wieder schnell in endverbraucherfreundliche Sphären absinken.