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Speichermedien: Die Eiweiß-Scheibe

Speichern mit Eiweiß: Die "PCD" soll das 20-fache der Blu-ray-Speicher fassen können. Nach der Vorstellung des neuen Mediums ist es jedoch ruhig geworden - die Entwickler halten sich nach wie vor mit dem Termin zur Markteinführung bedeckt.

Von Matthias Lauerer

Links die konventionelle DVD, rechts die Protein-coated disc, kurz PCD - sie soll bis zu 50 Terabyte speichern können

Links die konventionelle DVD, rechts die Protein-coated disc, kurz PCD - sie soll bis zu 50 Terabyte speichern können

Zunächst war es nur eine fixe Idee gewesen: Wäre es nicht möglich, Informationen innerhalb einer dünnen Eiweißschicht auf einer wie eine DVD aussehenden Scheibe zu speichern? Einer Eiweißschicht, die in der Lage wäre, unglaubliche 50 Terabyte, also 50.000 Gigabyte an Daten aufzunehmen. Zunächst klang alles wie ferne Zukunftsmusik. Doch dann entwickelte Professor Venkatesan Renugopalakrishnan in Zusammenarbeit mit NEC einen Prototyp dieses revolutionären Speichers. Diesen stellte er im Sommer 2006 im australischen Brisbane dann der Öffentlichkeit vor. Doch wie steht es um die "Protein-coated Disc", also die Eiweiß-beschichtete Disk, kurz PCD wirklich?

Rückblick: Renugopalakrishnan, der an der Florida International University lehrt und forscht, benannte seine Erfindung auf der "International Conference on Nanoscience and Nanotechnology." Entwickelt hat er den Prototypen gemeinsam mit dem Children´s Hospital der amerikanischen Harvard Universität in Boston. Seit 2003, so der Forscher vor einem Jahr, habe er an der neuen Speicherform geforscht, die bereits 2004 als 200-GB-Disc auf den Markt kommen sollte. Doch der damals gewählte Name hätte wie eine Bombe eingeschlagen: "Tsunami 2004." Der Name änderte sich in PCD, und uns versprach der Professor im Juli 2006 die Markteinführung des Produkts in Form einer USB-Disk und einer DVD innerhalb von 18 bis 24 Monaten.

Frage nach dem Stein der Weisen

Doch bei einer PCD-Nachfrage im deutschen Handel erntet man nur erstaunte Blicke und seltsames Stirnrunzeln, ganz so, als ob man gerade nach dem Stein der Weisen gefragt hätte. Denn in den Märkten ist man zurzeit vollends mit der Kunden-Aufklärung über die HD-DVD und die Blu Ray Disk beschäftigt. Beide Speichermedien rangeln um die Vorherrschaft im Milliarden-Euro-Markt der Nachfolgeformate der zehn Jahre alten DVD. Also: Quo vadis, PCD? Die Nachfrage bei der NEC-Pressestelle in Deutschland hilft zunächst nur kurz weiter. Hier erhält man nach einem ersten Telefonat mit der freundlichen Frau Schmidt kurze Zeit später per Mail die E-Mail-Adresse des Chris Shimizu, seines Zeichen verantwortlich für die Pressearbeit von NEC Europe. Nach dem Versand der E-Mail an Shimizu geschieht: Nichts. Auch der Versuch eines Telefon-Interviews scheitert an der im Netz verbreiteten Nummer.

Nun will der Autor dieses Textes keinen bösen Willen unterstellen, doch es wundert schon, dass man keine Informationen zur PCD erhält. Warum erfährt man 2007 nichts mehr über die bahn-brechende Erfindung? Möglichkeit 1: Liegt NEC nicht im Zeitplan? Denn schließlich sollte das erste Produkt bereits im Regal liegen und auf dem Markt sein. Möglichkeit 2: Vielleicht gestaltet sich die Umsetzung doch schwieriger, als zunächst angenommen? Möglichkeit 3: Oder ganz menschlich, weil Chris Shimizu gerne im Urlaub weilt, was ihm niemand verdenken möchte?

Einem Science-Fiction-Movie entsprungen

Denn betrachtet man sich die Technologie, die hinter der PCD steckt, so ist sie unglaublich faszinierend und klingt so, als sei sie geradewegs einem Science-Fiction-B-Movie der 1960er Jahre entsprungen. Was geschieht also genau in der Speicherschicht der PCD? Das Bakterium nennt sich "Halobacterium salinarum", das Protein "Bacteriorhodopsin" (bR). Das Protein fängt und speichert Sonnenlicht, um die photo-elektrische Energie in chemische Energie zu wandeln. Die Moleküle verändern auf diese Art und Weise ihre Struktur. Wenn nun Licht auf die Schicht fällt, so zerfällt das Eiweiß in eine Serie von Molekülen. Jedes dieser hat nun wiederum seine eigene Farbe und sein individuelles Aussehen, bevor es wieder in den Grund-Zustand zurückfällt.

Diese Veränderung hielt bislang nur bis zu ein paar Tagen an. Doch Renugopalakrishnan und sein Team veränderten die Bakterien-DNS so, dass dieser, für die Speicherung so wichtigen Zustand nun sogar jahrelang anhalten könnte. Dies ermöglicht dann die Unterteilung im Binär-System. So könnte der Grundzustand als Null dienen, und der veränderte Zustand dann als Eins. Damit ließen sich Daten abspeichern. Doch so schön der Speicher-Ablauf auch klingt: noch ist leider nicht bekannt, wann die PCD endlich auf den Markt kommen wird. Und bis dahin müssen eben all die kleineren Speicher-Scheiben unsere lieb gewonnenen Daten aufbewahren.

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