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High Definition: Eine Frage des Formats

Im Nachfolgestreit um die DVD hat HD-DVD verloren. Aber ist Blu-Ray dadurch wirklich der Sieger? Inzwischen konkurrieren Filme auf Datenträgern auch gegen Video-Downloads und Pay-TV. stern.de verrät, ob alle Filme noch einmal gekauft werden müssen.

Von Gerd Blank

Ein kleiner Datenträger in Form eines Würfels soll in "Men in Black" der Nachfolger der CD sein. Als Agent Kay dies von Agent Jay erfährt, platzt es aus ihm raus: "Verdammt, dann muss ich mir das 'Weiße Album' noch einmal kaufen!" Den witzigen Science-Fiction-Film gibt es schon seit längerer Zeit auf DVD - und er wird sicher in absehbarer Zeit auch als Blu-Ray-Disc in den Regalen stehen. Oder als Download erhältlich sein. In welchem Format muss er denn jetzt gekauft werden?

Die Vielzahl der Videoformate, die alle das Fernsehen revolutionieren und die DVD ablösen sollen, verunsichert die Filmfans. Für welches System sollen mehrere Hundert Euro ausgegeben werden - den Neuerwerb der Lieblingsfilme nicht mitgerechnet? Eine Entscheidung wurde den Konsumenten nun abgenommen: Toshiba beendet Ende März die Produktion der HD-DVD-Player, womit dieses System wohl Geschichte ist.

Film-Datenträger mussten sich bislang immer gegen Konkurrenten durchsetzen. In den 80er-Jahren gab es zeitweise drei verschieden Arten von Videokassetten: VHS, Video 2000 und Betamax. Damals konnte sich das VHS-Format behaupten, nicht zuletzt durch die Unterstützung der Pornoindustrie, die ihre Filme auf diesen Kassetten verkaufte. Ein paar Jahre später wurde Filme auf Scheiben gebrannt, aber weder Laser- noch Videodiscs hatten - zumindest in Europa - eine Chance gegen die kurz darauf eingeführte DVD.

Zwei wesentliche Faktoren sorgten im Jahr 2000 für den endgültigen Durchbruch der DVD: Sony brachte mit der Playstation 2 eine Spielkonsole in den Handel, die einen vollwertigen DVD-Player an Bord hatte, und Warner veröffentlichte den Blockbuster "Matrix" auf dem Silberling, der sich als Systemseller entpuppte. In der Folge wurden DVD-Laufwerke in unzählige Computer eingebaut. Und da sich Filme so fast ohne Qualitätsverlust kopieren ließen, setzte sich das Format schnell durch.

Die Konkurrenten

Diesmal ging es schneller. Die Untenehmen Sony, Philips, LG Electronics, Matsushita, Pioneer, Thomson, Hitachi, Sharp und Samsung gründeten 2002 die Blu-Ray-Disc-Association, es folgten Mitsubishi, Dell, HP und TDK. Das HD-Format wurde Ende 2003 vom DVD-Forum beschlossen und wurde von Unternehmen wie NEC, Microsoft, Toshiba, Intel, IBM und Hewlett Packard unterstützt. Erst im März 2006 brachte Toshiba den ersten HD-DVD-Player in den Handel. Genau zwei Jahre später, am 31. März 2008, stellt Toshiba die Produktion und den Vertrieb von den Abspielgeräten wieder ein.

Die Konsumenten waren diesmal zögerlicher und legten sich nicht auf eines der Formate fest, sondern warteten ab, welches Medium wohl das Rennen machen würde. Außerdem waren die Abspielgeräte noch zu teuer und die Auswahl an Filmen zu gering. Nun hat Blu-Ray den Wettstreit um die Gunst der Industrie gewonnen, doch kann der DVD-Nachfolger auch die Herzen der Nutzer erobern? Wie wichtig ist es für Konsumenten überhaupt, die Videos in High Definition zu schauen? Filme werden nicht mehr nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch unterwegs geschaut - auf den kleinen Displays von iPhone und Playstation Portable, aber auch auf Laptops oder tragbaren DVD-Playern mit eingebauten Displays. Selbst moderne Navigationssysteme sind in der Lage, Filme abzuspielen.

Obwohl nur noch ein Diskformat als DVD-Nachfolger übrig bleibt, werden also die Möglichkeiten für den Filmgenuss immer vielfältiger - wenn auch nicht immer in High Definition. Soll es aber Video in HD-Optik sein, erklärt stern.de, was jetzt schon geht und was die Zukunft bringt.

Fernsehen in High Definition

Um Filme in HD schauen zu können, wird ein entsprechendes Fernsehgerät benötigt. Erst seit kurzen sind die Preise für entsprechende Geräte in bezahlbaren Regionen angekommen. Käufer haben die Qual der Wahl und müssen sich zwischen HD-Ready und Full-HD entscheiden. Das Problem: Nur wenige Fernsehsendungen werden überhaupt in HD-Qualität ausgestrahlt, und für diese wenigen wird ein spezieller Dekoder benötigt. Erst vor wenigen Tagen hat sich ProSiebenSat1 entschieden, bis auf Weiteres keine hochauflösenden Sendungen mehr auszustrahlen.

Also müssen die Inhalte von einem speziellen Abspielgerät wie der Playstation 3 oder von der Computerfestplatte kommen. Während in anderen Ländern teilweise schon Filme und TV-Serien aus dem Internet in HD-Qualität heruntergeladen werden können, hinkt Deutschland auch hier hinterher. So gibt es im iTunes Store von Apple bislang lediglich ein paar Filmchen. Microsoft experimentiert gerade mit Film-Downloads für die Xbox 360, allerdings ist das Angebot noch sehr überschaubar.

Auch das Angebot an Blu-Ray-Discs ist noch sehr klein. Der Grund: Die Filmstudios wollen erst ganz langsam auch ältere Filme im neuen Format anbieten. Denn um für Kunden ein Kaufargument zu haben, müssten alle Filme digital überarbeitet werden - denn sonst genügt weiterhin der Film auf DVD. Erst, wenn genügend Geräte in den Haushalten stehen, lohnt sich diese Investition für die Unternehmen.

Das braucht man für High Definition

Um in den vollen HD-Genuss zu kommen, muss einiges in die technische Ausstattung investiert werden. Neben einem HD-Fernseher sollte auch ein Verstärker her, der für Raumklang sorgt - schließlich ist auch der Ton in HD. Natürlich darf ein Abspielgerät nicht fehlen. Als Motor für die HD-Industrie dient die Playstation 3 von Sony, es gibt aber auch immer mehr sogenannte Stand-alone-Player. Da die Produktion der Laser für die Blu-Ray-Player kosteneffektiver ausgeführt werden kann, sinken auch die Preise der Geräte. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis die Preise das Niveau von DVD-Playern erreicht haben.

Vorteile von Blu-Ray

Auf einer Blu-Ray-Disc passen viel mehr Daten als auf eine DVD, so kann ein Film in bester Qualität auf die Scheibe gebrannt werden. Im direkten Vergleich mit einer DVD bietet derselbe Film auf einer Blu-Ray-Disc mehr Detail-Schärfe, bessere Kontraste und insgesamt of ein viel plastischeres Bild. Auch der Ton wird nicht komprimiert. Zudem erlaubt eine Verbindung zum Internet den direkten Zugriff auf exklusive und extra für den Film produzierte Inhalte. Und da diese nicht auf die Scheibe gebrannt wurden, können Studios die Inhalte bei Bedarf aktualisieren. Ein Making Of ist zwar auch schon von der DVD bekannt, auf einer Blu-Ray kann dieses aber dank Bild-in-Bild-Funktion gleichzeitig mit dem Film abgespielt werden.

Besitzer großer Filmsammlungen befürchten häufig, dass sie mit Einführung des neuen Formats auch alle Filme neu kaufen müssen. Da Blu-Ray-Player abwärtskompatibel sind und somit auch DVDs abspielen, ist dies nicht nötig. Mehr noch: Die aktuellen Player rechnen die Bilder hoch, wodurch die Filme meistens viel besser aussehen. Fallen die Preise von Blu-Ray-Playern weiter und ist ein neues Abspielgerät fällig, macht man mit dem Kauf eines Blu-Ray-Geräts nichts verkehrt.

Zukunft des Home-Videos

Wahrscheinlich wird Blu-Ray das letzte auf einen Rohling gebrannte Format sein. Der Trend geht schon jetzt zu immer größeren Festplatten oder zu Flashspeichern. Auch wenn Blu-Ray den Format-Krieg gegen HD-DVD gewonnen hat: In der Zukunft wird der Download von Inhalten immer wichtiger werden, allerdings dauert das wohl noch ein paar Jahre. Noch verfügt nicht jeder Haushalt über die notwendigen schnellen Internetverbindungen, um Filme schnell auf die Festplatte zu kopieren.

Derzeit lassen sich zwar Fernsehprogramme in mehr oder weniger guter Qualität direkt auf den Bildschirm übertragen, für Film in HD-Qualität gilt das noch nicht. So muss der Filmabend weit im Voraus geplant werden. Da geht es sogar schneller, sich den Film in der Videothek zu leihen. Derzeit gibt es noch keinen einheitlichen Standard für Download-Filme, auch die Rechte für die Nutzung sind sehr beschränkt. So lassen sich Filme meist weder brennen, auf verschiedenen Geräten abspielen noch unbegrenzt anschauen. Erst wenn der Film übers Netz genauso einfach zu konsumieren ist wie per Disc, wird sich diese Art der Videodistribution durchsetzen.

Während die jüngere Generation kaum Berührungsängste bei neuen Technologien hat, werden gerade ältere Filmfreunde weiterhin auf Medien setzen, die sie sammeln, anfassen und ins Regal stellen können. Die Marktdurchdringung der Blu-Ray wird aber bei weitem nicht so schnell ablaufen, wie es seinerzeit bei der DVD war - auch deshalb, weil die Filme in diesem HD-Format viel teurer als DVDs sind. Daher werden Blu-Rays DVDs nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Alternativen

Viele Wege führen zum Filmgenuss, der gängigste ist immer noch der direkt übers Fernsehprogramm. Kabelgesellschaften und Pay-TV ermöglichen den Zugriff auf die unterschiedlichsten Fernsehsender. Premiere bietet in einem speziellen Kanal auch Spielfilme und Dokumentationen in HD-Qualität an.

In Kürze werden immer mehr Anbieter auch in Deutschland Filme auch als Download anbieten, Amazon und Apple, in den USA schon mit diesen Diensten aktiv, stehen bereits in den Startlöchern. Auch die Telekom und andere Netzanbieter wollen mit Filmabrufen an Profil gewinnen. Und bei Online-Videothek Videobuster können sich Kunden aussuchen, ob sie den Film als Disc oder als Download leihen wollen.