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Technologie Künstliche Intelligenz: Erstes unbemanntes Schiff soll den Atlantik überqueren

Die "Mayflower 400" auf dem Wasser
Die "Mayflower 400" soll Mitte Mai zu ihrer spektakulären Fahrt aufbrechen
© Ben Stansall / AFP
Die "Mayflower 400" könnte bald als erstes Schiff ohne Besatzung fahren. Das durch künstliche Intelligenz gesteuerte Schiff hat bei seiner Jungfernfahrt von England nach Amerika statt Passagieren nur Technik an Bord.

Wenn das Wetter stimmt, wird am 15. Mai im englischen Plymouth Schifffahrtsgeschichte geschrieben: Ein autonom fahrendes Schiff soll dann von England Richtung Amerika zu seiner Jungfernfahrt über den Atlantik aufbrechen.

Das Forschungsschiff trägt den Namen "Mayflower 400", eine Anspielung an jenes berühmte Auswanderer-Segelschiff, das 1620 die "Pilgrim Fathers" nach Amerika brachte. Mit dem Zweimaster aus dem 17. Jahrhundert hat das durch künstliche Intelligenz betriebene High-Tech-Schiff jedoch nur noch den Namen und die Route gemein.

Keine Menschen mehr an Bord

Kein Passagier wird an Bord sein, wenn die "Mayflower 400" den Hafen von Plymouth verlässt. Denn anstelle einer Besatzung hat der Trimaran eine ganze Menge Technik unter Deck verbaut. Die Rolle des Kapitäns übernimmt bei der Fahrt eine künstliche Intelligenz. Auf seiner dreiwöchigen Reise von England nach Amerika untersucht das mit Sonnenkollektoren und Roboterruder ausgestattete Schiff die Verschmutzung des Meeres, analysiert Plastik im Wasser und spürt Meeressäuger auf.

Was der Vorteile eines Schiffs ohne Besatzung ist, erklärt Rosie Lickorish vom IT-Konzern IBM, der am Bau des Projekts beteiligt war: "Ein Schiff ohne Menschen an Bord ermöglicht es Wissenschaftlern, ihr Beobachtungsgebiet zu erweitern". Brett Phaneuf von der Organisation ProMare, einer der Initiatoren des Projekts, betont hingegen den ungemeinen Nutzen des Schiffs zur Bekämpfung der globalen Klimaerwärmung. Schließlich hätten die Ozeane den "stärksten Einfluss" auf das weltweite Klima.

Unbemannte Seefahrt hat einige Vorteile

Ob das Schiff am 15. Mai tatsächlich ablegt, ist noch nicht sicher. Schon einmal wurde der Start aufgrund schlechter Wetterbedingungen verschoben. Falls das Schiff dieses Mal trotz starken Wellengangs ablegt, gibt es im Vergleich zur bemannten Schifffahrt einen entscheidenden Vorteil: "Auf der Reise wird sich niemand an Bord langweilen, müde oder krank werden. Sie kann also so lange dauern, wie es für die Wissenschaft nötig ist", sagt Phaneuf im Hafen des Abfahrtsortes.

Obwohl die "Mayflower 400" als erstes unbemanntes Schiff in der Geschichte völlig autonom seinen Weg über den Atlantik finden soll, wird sicherheitshalber ein Team vom Festland aus das Schiff rund um die Uhr bei seiner Arbeit überwachen.

Künstliche Intelligenz braucht Training

Das international von Ländern wie Indien, der Schweiz und den USA geförderte Projekt kostete rund eine Million Dollar (820.000 Euro). Insgesamt ein Jahr Bauzeit benötigten die Bootsbauer, um das 15 Meter lange und neun Tonnen schwere Boot fertigzustellen. Wesentlich länger brauchte die Techniker für die Entwicklung des sogenannten "Smart Captain", der künstlichen Intelligenz an Bord. Anhand tausender Fotos musste der Computer unter Deck lernen, Hindernisse auf dem Meer zu erkennen. Bei seinen ersten Einsätzen auf See trainierten die Entwickler das Schiff zudem darauf, Zusammenstöße zu vermeiden. 

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Inzwischen ist die Entwicklung des Schiffes so weit, dass es zwischen "sicheren und unsicheren" Manövern unterscheiden kann, sagt der Softwareingenieur Ollie Thompson. Es sei sogar dazu fähig, aus seinen eigenen Fehlern zu lernen und diese zu korrigieren. Allerdings wurde die "Mayflower 400" noch nicht in rauer See getestet. Bei Simulationen meisterte sie bisher jedoch bis zu 50 Meter hohe Wellen.

"Mayflower 400" untersucht Mikroplastik im Atlantischen Ozean

Die im Boot verbaute Künstliche Intelligenz ist vor allem für die wissenschaftlichen Experimente der "Mayflower 400" entscheidend. "Sie wurde hunderte Stunden mit Audiodaten darauf trainiert, Meeressäuger zu erkennen", sagt Lickorish. Dadurch könnten Informationen über die Verteilung der Population im offenen Ozean gewonnen werden. Auch Analysen zur chemischen Zusammensetzung des Wassers, Messungen des Meeresspiegels und das Sammeln von Mikroplastik-Proben gehören zu den Aufgaben des unbemannten Schiffes. 

ldh AFP

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