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LCD: Fernsehen im flüssigen Kristall

Handys, PC-Bildschirme und Fernseher werden heute mit LCD-Technik ausgerüstet. Die organische Verbindung wurde bereits 1888 entdeckt ud läuft heute zur Topform auf.

Die trübe Flüssigkeit im Reagenzglas sieht unauffällig aus, doch sie hat es in sich. Harald Hirschmann hält das Glasröhrchen in seinem Darmstädter Labor stolz gegen das Licht. "Der Stoff ist flüssig, hat aber optische Eigenschaften, die einem festen Kristall ähneln", erklärt er. Je nach elektrischer Spannung schalten die Stäbchenmoleküle der Kristalle dann auf lichtdurchlässig oder dunkel. Mit diesem Phänomen werden Zahlen und Bilder auf Handy-Displays oder moderne Flachmonitore gezaubert.

Sprudelnde Einnahmequelle

Für das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck bedeutet der Trend zu LCD-Fernsehern (liquid crystal display) eine sprudelnde Einnahmequelle, stellt es doch die für solche Geräte nötigen Flüssigkristalle her. "Eine der ganz großen Erfolgsgeschichten des Unternehmens", betont Merck-Chef Bernhard Scheuble. Nach den Zahlen für das erste Quartal 2003 verbesserte sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um fast 15 Prozent auf 84 Millionen Euro.

In diesem Jahr werden nach Schätzungen des Unternehmens drei Millionen LCD-Fernseher weltweit verkauft. In fünf Jahren sollen es zehn Mal so viele sein. Deshalb modernisiert Merck derzeit für 250 Millionen Euro die Produktionsanlage am Darmstädter Stammsitz, um die Kapazität von etwa 50 Tonnen pro Jahr zu verdreifachen.

1888 etdeckt

Die organische Verbindung der Flüssigkristalle ist dabei keineswegs neu. Sie wurde bereits 1888 von dem österreichischen Botaniker Friedrich Rinitzer entdeckt. Aber erst 80 Jahre später begriffen die Forscher, was in diesem Stoff steckt und entwickelten eine erste Kristall-Anzeige. Seit dieser Zeit forscht Merck auf dem Gebiet und hat sich fast unbemerkt zum Weltmarktführer gemausert. Rund 60 Prozent der flüssigen Kristalle kommen aus dem Darmstädter Pharmaunternehmen, das inzwischen mehr als 2.500 Patente hält. "In fast allen LCD-Bildschirmen steckt unsere Technik", sagt Hirschmann.

Filter für Farbe

Forscher von Merck haben maßgeblich so genannte LCD- Flachbildschirme für Fernsehgeräte mit einem Meter Durchmesser entwickelt. Dabei galt es vor allem den großen Nachteil der Flüssigkristallanzeigen auszubügeln: die Trägheit. "So kam es bei schnellen Bewegungen immer zu Verzerrungen, die den Fernsehgenuss eingeschränkt haben", erklärt Hirschmann. Merck gelang es, spezielle Mischungen herzustellen, die gestochen scharfe Bilder ermöglichen. Dafür genügen zwei bis vier Gramm dieses High-Tech-Produktes. Für Farbe sorgen rote, grüne und blaue Filter.

Zukuftsmusik

Insgesamt stellt das Unternehmen 300 verschiedene Flüssigkristalle her. Jedes Jahr werden weitere 5.000 bis 6.000 neue Mischungen für neue Anwendungen getestet. So müssen etwa Flüssigkristalle für ein Auto-Navigationssystem sowohl bei minus 40 Grad wie bei plus 110 Grad Celsius funktionieren. Ein Ziel der Forschung ist es laut Hirschmann, die Schaltzeiten zwischen durchlässig und dunkel noch weiter zu verkürzen: "Das ist eine Voraussetzung für hochauflösende Handy-Displays, auf denen Videos übertragen werden sollen."

Gert Blumenstock / DPA
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