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Aufrüstung Leopard 3 – der deutsch-französischer Kanonenstreit beim neuen Kampfpanzer

Nexter präsentierte die modernere Kanone.
Nexter präsentierte die modernere Kanone.
© Nexter / PR
Wer baut Hauptwaffe und Turm des nächsten europäischen Kampfpanzers? Rheinmetall und Nexter verfolgen ganz unterschiedliche Ziele – wer sich durchsetzt, dominiert das Gemeinschaftsprojekt.

Internationale Rüstungskooperationen sollen die Kosten senken und die Zusammenarbeit soll die Freundschaft zwischen den Verbündeten stärken. Tatsächlich setzt immer ein Hauen und Stechen zwischen den "Partnern" um die attraktivsten Module des Projekts ein. So geschieht es beim europäischen Kampfjet der sechsten Generation, dem Future Combat Air System, kurz FCAS. Hier argwöhnen die Partner, dass sich Paris die komplette Herrschaft über die Entwicklung sichern will und Länder wie Deutschland vor allem als Beitragszahler willkommen sind.

Und auch beim Leopard-Nachfolger Main Ground Combat System – MGCS – wird gerungen. Der jüngste Streit dreht sich um Turm und Hauptwaffe. Da die komplette Elektronik mit Turm und Kanone verbunden sind, ist er technisch das Filet-Stück des Panzers. Antrieb, Panzerung und Rumpf kommen weitgehend ohne Elektronik aus.

Im Juli 2020 hatte Rheinmetall seinen Prototypen enthüllt. Der Turm war mit der schon zuvor gezeigten 130-mm / L51-Kanone ausgestattet. Anders als beim Leopard 2 wird der Turm mit einem automatischen Lader ausgerüstet. Nur so können der exponierte Turm und die explosive Bewaffnung von der Besatzung getrennt werden. Auch für einen Drohnen- oder Roboterbetrieb ist ein Auto-Lader eine Grundvoraussetzung.

Evolutione oder Revolution

Doch der französischen Partner Nexter machte klar, dass er Rheinmetall nicht kampflos das Feld überlassen wird. Nexter stellte eine gewaltige Kanone im Kaliber 140 mm vor und montiert sie auf einen Lerclerc-Panzer. Das französische Konzept heißt " Ascalon " [Autoloaded and SCALable OutperformingguN] und ist weit ambitionierter als das deutsche Modell. Abgesehen von dem Lader folgt die Kanone von Rheinmetall den bekannten Baureihen aus dem Leopard 2 und ist nur eine Nummer Größer als die Rh-120 L44 120-mm-Kanone. Ascalon ist dagegen eine Waffe der nächsten Generation.

Die Franzosen benutzen Teleskopmunition, um so die Länge der Munition im Panzer zu begrenzen und dennoch einen langen Flugkörper zu ermöglichen. Das heißt: Die Treibladung sitzt nicht hinter dem Geschoss, sie packt das Projektil rundum ein. Die Masse der Munition bleibt gleich, sie kann aber sehr viel kompakter gebaut werden. Auch Russland arbeitet an einer 150-mm-Kampfwagenkanone für den T-14 Armata. Die Erweiterung auf 140 mm von Nexter macht es eher möglich, intelligente Munition zu verwenden. Lenkwaffen, die ihr Ziel selbst suchen und ihren Kurs verändern können. Weil sie nicht der ballistischen Bahn folgen müssen, machen immer größere Reichweiten Sinn, außerdem kann der Panzer beim Feuern in einer verborgenen Stellung bleiben. Ascalon schafft das Kunststück, durch die Teleskopmunition die kinetische Energie des Geschosses stark zu erhöhen, ohne den belastenden Innendruck des Rohrs zu vergrößern. Außerdem soll ein reduzierter Rückstoß es ermöglichen, die Waffe auch auf Panzern mit einem Gewicht von weniger als 50 Tonnen zu montieren. So kann das Problem des Übergewichts der westlichen Kampfpanzer beseitigt werden.

Kaum vor 2040  bei der Truppe 

Zwischen 2025 und 2028 soll ein erster Demonstrator vorgestellt werden, die ersten Serienmodell sollen ab 2035 ausgeliefert werden. Zumindest wenn keine Verzögerungen eintreten, mit denen bei europäischen Rüstungsprojekten immer gerechnet werden muss. Der "Leopard 3" käme dann etwa 20 Jahre später zur Truppe als der russische T-14 Armata. Der Armata wird nur in sehr kleinen Stückzahlen ausgeliefert. Die russischen Streitkräfte werden sich – wie der Westen auch – hauptsächlich auf modernisierte Kampfpanzer aus dem Kalten Krieg stützen. Dennoch wird der russische Panzerbau 20 Jahre Zeit haben, den T-14 weiterzuentwickeln, bevor der erste Leopard 3 ausgeliefert wird.

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