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500-Millionen-Dollar-Schiff Aus Angst vor Eierdusche: Mega-Jacht von Jeff Bezos hat Probleme, Rotterdam zu verlassen

Jacht "Y721" von Jeff Bezos im Trockdock
Teile der Schiffsmontage fanden bei Oceanco in Zwijndrecht nahe Rotterdam statt.
© Guy Fleury / Picture Alliance
Bei Oceanco nahe Rotterdam entsteht Jeff Bezos' Alterssitz – eine 127-Meter-Segeljacht für eine halbe Milliarde US-Dollar. Doch bis der Amazon-Gründer sein Schiff nutzen kann, sind noch einige Hürden zu nehmen.

Auf dem Werksgelände der Schiffsmanufaktur Oceanco entsteht derzeit die zweitgrößte Segeljacht der Welt. Ihr künftiger Eigner ist Jeff Bezos, der das Schiff für einen Preis von rund einer halben Milliarde US-Dollar in Auftrag gegeben hat. Doch schon bevor der Amazon-Gründer sein Schiff in Empfang nehmen kann, sorgt die aktuell "Y721" genannte Jacht dauernd für Aufsehen. So sehr, dass die Werft aus Angst von ihrem ursprünglichen Plan abgerückt ist, eine Brücke bei Rotterdam demontieren zu wollen.

Jeff Bezos will zu hoch hinaus

Im Februar wurde bekannt, dass die Segeljacht mit ihren drei Masten zu hoch für die Ausfahrt auf das offene Meer wäre. Denn der einzige sinnvolle Weg aus dem Rhein-Maas-Delta Richtung Nordsee führt an Rotterdam vorbei, unter der historischen Hubbrücke "De Hef" hindurch.

Und genau das war das Problem: Die Brücke, offiziell "Koningshavenbrug" genannt, bietet maximal eine Durchfahrtshöhe von rund 40 Metern – viel zu niedrig. Die Gesamthöhe der 127 Meter langen Bezos-Jacht wird auf rund 100 Meter geschätzt, 70 Meter gehen auf das Konto der Masten.

Aus diesem Grund schlug die Werft vor, den Mittelteil der historischen Brücke für kurze Zeit zu demontieren, damit die Jacht passieren kann. Die Kosten, so hieß es, wolle man selbstverständlich übernehmen. Gemessen am Preis des Schiffes ein Klacks – eine Sprecherin der Stadt rechnete dem stern vor, dass es wohl circa 300.000 Euro kosten würde.

Angekündigter Vandalismus

Doch auch wenn laut Aussage des Rotterdamer Bürgermeisters Ahmed Aboutaleb nie ein offizieller Antrag im Rathaus einging, war die Aufregung der Anwohner groß. Tausende verabredeten sich über Facebook, das Schiff am Tag seiner Ausfahrt mit Eiern beschmeißen zu wollen. Unter anderem auch deshalb, weil die Stadt nach einer Brückenrenovierung vor fünf Jahren versprochen hatte, dass "De Hef" nie wieder auseinandergenommen werde.

In der inzwischen nicht mehr auffindbaren Gruppe hieß es zur Begründung: "Rotterdam wurde aus seinen Trümmern wiederaufgebaut und wir werden es nicht für das phallische Symbol eines größenwahnsinnigen Milliardärs wieder zerstören. Nicht ohne Kampf."

Die Message kam offenbar besonders bei den Mitarbeitenden der Werft an. Die niederländische Tageszeitung "Trouw" berichtet, dass Oceanco der Stadt mitgeteilt habe, eine Demontage der Brücke nicht länger in Betracht ziehen zu wollen – Mitarbeitende fühlten sich bedroht und zu groß sei die Angst, dass jemand das Schiff beschädige.

Auch die südliche Route ist versperrt

Es bleibt spannend, wie die Werft das Problem lösen wird. Die südliche Route in die Nordsee entlang der Oude Maas ist ebenfalls gespickt von Hubbrücken, die nicht annähernd hoch genug wären, um die fertige Segeljacht durchlassen zu können. Telefonische Anfragen des stern beim Ocean-Hauptsitz in Monaco wurden abgewiesen, das Unternehmen erklärte, dass man sich zu dem Schiff und weiteren Plänen nicht äußern werde.

Sollten alle Stricke reißen, wird Oceanco das Schiff ohne Masten an einen Standort schleppen müssen, der eine Fahrt auf das offene Meer ohne Hindernisse ermöglicht. 

Quelle: Trouw


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