Musik-CD Die Single wird zur Ringle


Seit Jahren sind CD-Verkäufe rückläufig, vor allem Singles werden lieber online gekauft statt als Tonträger. Neben einzelnen Songs interessieren sich viele Käufer für Klingeltöne. Genau das will sich die Musikindustrie nun zunutze machen - und setzt auf die "Ringle"-CD.
Von Björn Maatz

Die geplante "Ringle" soll im Gegensatz zur bisherigen Single neben dem eigentlichen Song und einem Remix sowie vielleicht einem älteren Track noch den passenden Klingelton enthalten. So soll auch der Einzelhandel am florierenden Klingeltongeschäft partizipieren können.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll Sony BMG Music Entertainment die Idee zu den Ringles gehabt haben. Doch auch die konkurrierende Universal Music Group will den Angaben nach noch im Vorweihnachtsgeschäft versuchsweise bis zu 20 Titel als Ringle anbieten. Bei Sony BMG sollen es rund 50 Lieder sein, die gleichzeitig als Klingelton auf einer CD erscheinen. Die Musikkonzerne wollen die Ringles zunächst auf dem US-Markt verkaufen. Wann und ob Ringles auch in Deutschland erhältlich sein werden, ist derzeit noch offen. Beide Unternehmen wollten die Single-Aufwertung durch einen Klingelton nicht kommentieren.

CD-Verkäufe seit Jahren rückläufig

CD-Verkäufe befinden sich weltweit seit mittlerweile sieben Jahren im Sinkflug - auch im wichtigsten Markt USA. Nach Angaben des US-Branchenverbandes RIAA fielen die Umsätze 2006 um 13 Prozent. Alle großen Musikkonzerne - Sony/BMG, Warner Music, EMI und Universal - kämpfen gegen sinkende Umsätze.

Vor allem Single-CDs verkommen zu Ladenhütern: Nach RIAA-Angaben ging die Zahl der Single-Verkäufe in den USA zwischen 1996 und 2006 von 113,2 auf 2,9 Millionen zurück. Dabei versucht die Musikindustrie schon seit Jahren, ihre CDs aufzupeppen: Erst gab es Videotracks, später folgten Codes, die erweiterte Zugriffsrechte auf Künstler-Homepages gestatteten. Der beigefügte Klingelton stellt nun eine weitere Variante dar, physische Tonträger aufzuwerten.

Eine CD soll zwischen 6 und 7 US-Dollar kosten. Dieser Preis dürfte für viele User zu teuer sein, denn online bezahlen sie für den gewünschten Track plus den zusätzlichen Klingelton weniger als die Hälfte. "Der Preis ist natürlich viel zu hoch", sagt Mark Mulligan, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Jupiter Research. Dennoch sei die Ringle ein Signal der Musikindustrie, dass sie die Käufer von mobilen Inhalten wie etwa Musik-Downloads und Klingeltönen nicht aus den Augen verliert.

Zudem ist die Musikindustrie mit dieser Erfindung laut Experten spät dran: Nach Erkenntnissen des Marktforschungsunternehmens M:Metrics flaut das Interesse an Klingeltönen zumindest in Europa ab. Im Jahr 2006 luden sich laut einer Erhebung der auf Mobilfunk spezialisierten Marktforscher durchschnittlich nur fünf bis sechs Prozent der Mobilfunkkunden kostenpflichtige Klingeltöne herunter. Der Prozentsatz sank im Jahresverlauf von 7,5 auf 4,7 Prozent. In den USA kaufte dagegen jeder zehnte Mobilfunknutzer einen Klingelton.

An Bedeutung gewännen dagegen so genannte Ringback-Services: Damit wird den Anrufern statt des herkömmlichen Freizeichens in der Zeit bis zum Abheben Musik vorgespielt. Auch würden sich viele Menschen zunehmend lieber ganze Musiktitel als polyphone Klingeltöne auf ihr Handy laden.

Die Ringles werden wohl kaum die Musikindustrie retten können, heißt es in Branchenkreisen. Sie seien nur eine von vielen Möglichkeiten in einem komplexen Markt, für den einige Experten schon das baldige Ende der CD prognostizieren.

Glaubt man den Einträgen in Weblogs, wird sich die Ringle am Markt schwer tun. Im renommierten Silicon-Valley-Blog Techcrunch beispielsweise hat sich eine rege Diskussion entfaltet. Die Überschrift dazu lautet: "Die Musikindustrie stellt erneut unter Beweis, wie sehr sie den Plan verloren hat."

FTD

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