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Atomkraft Dänischer Mini-Reaktor will Atomunfälle nicht vermeiden, sondern beherrschbar machen

Die modularen Reaktoren sollen auf einfache Lastkähne montiert werden.
Die modularen Reaktoren sollen auf einfache Lastkähne montiert werden.
© PR
Seaborg Technologies will Tausende von Minireaktoren bauen. Die Anlagen sollen sehr billig sein und sind so konstruiert, dass selbst Bomben keine nukleare Katastrophe auslösen.

Deutschland dreht den Atomkraftwerken den Saft ab, weltweit erlebt die Nuklearenergie jedoch eine Renaissance. Einer der Haupttrends ist der Bau kleinerer Reaktoren neuen Typs, bei denen bedingt durch die Bauart kein Super-GAU auftreten kann. Diese Anlagen sollen in Fabriken gebaut und vor Ort nur noch endmontiert werden. Einer der bekanntesten Fürsprecher ist Bill Gates, der einen eigenen Reaktortyp entwickeln und bauen lässt.

Mit der Miniaturisierung der Kraftwerke wird eine andere Idee populärer: Wenn die Kraftwerke kleiner werden, warum sollte man sie dann nicht auf eine schwimmende Plattform montieren? So ließen sie sich komplett an einer Werft-Montagehalle bauen und leicht an den Bestimmungsort bringen. Bislang stellt nur Russland schwimmende Atomkraftwerke her, aber nun kündigt ein Start-up aus Kopenhagen entsprechende Pläne an. Anders als Rosatom sind die Dänen allerdings erst am Anfang. "Seaborg Technologies" geht dafür einen Schritt weiter als Rosatom oder auch Rolls Royce (Rolls Royce will Mini-Reaktoren bauen). Die Reaktoren beider Firmen bauen auf Nuklearanlagen auf, die das Militär bereits für Schiffe und U-Boote nutzt.

Die "kompakt Molten Salt Reactors" aus Kopenhagen sollen dagegen nur so groß wie ein Schiffscontainer sein und buchstäblich in Massen produziert werden. Und Massen heißt: zu Tausenden. Wie der Name schon andeutet, werden die Brennstoffe mit Fluoridsalzen gemischt. Dieser Mix verflüssigt sich bei Temperaturen über 500 Grad. Das spaltbare Material wird nicht mit Wasser oder Natrium gekühlt, sondern mit dem Salz. Unter anderem hat das den Vorteil, dass das Kühlmittel bei einer Beschädigung nicht explosionsartig als heißer Wasserdampf austritt, sondern sich bei Kontakt mit der Luft verfestigt. Das Salz wird wie andere Kühlmittel radioaktiv verseucht, es kann aber nicht als Wolke in die Atmosphäre gelangen. Wie bei einem Vulkanausbruch bleiben "Lavabrocken" an Ort und Stelle. 

Am Boden des Reaktors befindet sich ein Salz-Pfropfen. Sollte die Temperatur im Reaktorkern aus irgendeinem Grund unkontrolliert steigen, schmilzt dieses Salz, dann fließt der Inhalt des Reaktorkerns in gekühlte Tanks ab. Die Kernreaktion bricht durch die Trennung ab, der flüssige Inhalt verfestigt sich.

Diese einfachen Maßnahmen, sagt Troels Schönefeldt, Mitbegründer und CEO von Seaborg Technologies, stellen die Frage der nuklearen Sicherheit radikal neu, weg von der totalen Unfallverhütung hin zu einer viel einfacheren Folgenabschwächung. Die Sicherheitsphilosophie hört sich gewagt an. In einem herkömmlichen Kraftwerk sollen Unfälle auf jeden Fall vermieden werden, das treibt die Kosten der Anlagen enorm nach oben. Die "kompakt Molten Salt Reactors" sind dagegen so ausgelegt, dass Unfälle einfach zu beherrschen sind und darum müssen sie nicht um jeden Preis vermieden werden. Troels Schönefeldt, CEO und Mitbegründer von Seaborg. "Wir verfolgen einen anderen Ansatz. Wir reduzieren die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls nicht auf null, es wird Unfälle geben. Wir wollen sie so weit wie möglich vermeiden, aber es wird Unfälle geben."

"Anstatt die Wahrscheinlichkeit des Unfalls zu reduzieren, reduzieren wir die Folgen der schlimmsten Katastrophe." Selbst wenn man den Reaktor vorsätzlich bombardieren würde, würde das Fluoridsalz nur aus dem Reaktor fließen, sich verfestigen und als Brocken herumliegen. "Dann sollten Sie nicht auf dieses Feld gehen. Sie sollten einen Abstand von drei oder sieben Metern einhalten. Aber man dann kann mit einem Geigerzähler hingehen und die Brocken aufräumen. Das verändert das grundlegende Sicherheitsprofil der Technologie. Und damit verändern wir die Kosten, was wiederum das Geschäftsmodell verändert."

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