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Skitest im Covid-Jahr Ski werden wieder schneller und noch individueller

Die Test liefen noch gut, doch zu Weihnachten sind die Skigebiete geschlossen.
Die Test liefen noch gut, doch zu Weihnachten sind die Skigebiete geschlossen.
© Skitest 2000 / PR
Schluss mit möglichst einfach. Für schnelle präparierte Pisten werden wieder Ski ohne Rocker angeboten. Fragt sich nur, wer in dieser Saison Ski kaufen wird.

Ein Skitest im Covid-Jahr? Das sei gewiss paradox, sagt Heinrich Sklorz, Skilehrer und Leiter des unabhängigen Skitests Carving 2000, traurig. Die Tests des Materials konnten noch auf Gletscher und in Hallen durchgeführt werden. "So weit ging alles gut." Und alle hätten auf die kommende Saison gehofft. Und die fällt nun weitestgehend aus. "Auch wenn später doch noch geöffnet wird, kann das kein Ausgleich sein." Außerdem würden viele Skifahrer die Pisten auch von sich aus meiden, unabhängig von staatlichen Auflagen. "Machen wir uns nichts vor. Auch wenn man auf der Piste allein fährt, es gibt doch die Schlangen und die Enge im Lift", sagt Sklorz. Außerdem wisse jeder, dass für viele neben dem Sport auch das Aprés Ski, die Geselligkeit, wichtig seien.

Die Folgen der Katastrophen-Saison könne man noch nicht absehen. Doch Sklorz glaubt, dass viele der kleineren Hersteller diesen Winter nicht unbeschadet überleben werden. "Die haben die Lager voll. Aber wer braucht denn in dieser Saison einen Ski? Natürlich werden auch Ski verkauft, aber das übliche Niveau nicht annähernd erreicht." Dazu fehle der wichtige Absatz über die Verleiher.

Schneller und härter

Dabei gibt es auch in dieser Saison tolle Ski. Und einen neuen Trend. Ski werden wieder schneller. Die letzten Jahre standen unter anderen Zeichen. Auf breiter Front hatten sich die sogenannten Rocker durchgesetzt. Mit diesen kleinen, flexiblen Erhebungen konnten sich die Ski bei Belastungen in die Länge strecken und bei weniger Druck ließen sie sich leicht drehen. Das Skifahren wurde müheloser und das Eindrehen in den Schwung fiel leichter. Dazu kam das Leitbild Freerider. Unberührter tiefer Pulverschnee, dazu gekonnt zwischen Bäumen und Steinen kurven. Natürlich sprang nicht jeder aus einem Hubschrauber über einem Gletscher ab, aber das Ideal sah so aus.

"In dieser Saison habe ich das erste Mal wieder Ski ohne Rocker gesehen", sagt Sklorz. Sie bleiben bei hohen Geschwindigkeiten stabil und fangen nicht an zu flattern. Dazu greifen sie stärker in die Oberfläche. Das gibt zusätzliche Sicherheit: "Das Ganze hängt damit zusammen, dass immer mehr die Pisten präpariert sind." In der Oberfläche seien zwar Rillen. "Aber wenn die Sonne das nicht antaut, ist das Eis und entsprechend schnell wird der Ski."

"Die Ski mit Rocker haben auch eine gute Festigkeit, aber wenn jemand auf so einer Piste Tempo macht, dann fangen sie irgendwann doch an zu flattern." Beim Eindrehen sind die Rockerski unproblematisch, dafür verziehen sie auf harten und steilen Grund weniger. Und auch im Skibau gibt es Moden, meint Sklorz. "Der Freerider war ein paar Jahre das Leitbild. Aber der eine oder andere wird wohl doch bemerkt haben, dass er fast nur auf der Piste unterwegs war und seine Freeride-Zeit eher klein ausfiel."

Allrounder durch Technik

Aber in der Masse werden nach wie vor Allround-Ski gebaut. Früher wäre das kaum möglich gewesen. Ein weicher Ski, der für jenseits der Piste gebaut worden ist, hat bei hartem Untergrund und hohen Geschwindigkeiten enorm zu flattern angefangen. Dank des eingesetzten Materials bleibt er heute weiter beherrschbar. "Der Laie täuscht sich. Von außen sieht man dem Ski nicht an, was in ihm steckt. Aber das macht den Unterschied zwischen 200 und 600 Euro. Nicht das Dekor."

Skitest im Covid-Jahr: Ski werden wieder schneller und noch individueller

Und auch in dieser Saison geht das technische Aufrüsten weiter. "Immer mehr Firmen bieten individuell gefertigte Ski an. Sie werden perfekt auf Gewicht und Können abgestimmt und werden wirklich individuell nach Maß angefertigt. Das gibt es natürlich nur in den höheren Klassen. Aber diese Individual-Ski sind nicht teurer als die gleiche Serie aus dem Regal. Das hat mich schon sehr verwundert." Die Industrialisierung 4.0 hat auch die Skihersteller erreicht. Möglich wird das durch moderne Produktionsanlagen, die die einzelnen Paare dann automatisch anfertigen.

Zu den Preisen könne man dieses Jahr gar nichts sagen "In den letzten Jahren sind die Preise sehr moderat gestiegen. Wenn überhaupt." Und das geschah bei höherem Aufwand. "In der kommenden Saison prophezeie ich, dass die Preise im Markt fallen werden."

Das Testteam hat die Neuheiten der Saison ausgiebig getestet und bewertet. Die Entscheidung wird leichter, weil das Team die Skier den jeweiligen Fahrertypen zugeordnet hat. Wenn man seine eigenen Vorlieben, Stärken und Schwächen einordnen kann, findet man so leicht eine Empfehlung für den perfekten Ski.

Den ganzen Ski-Test mit ausführlichen Bewertungen aller getesteten Ski finden Sie unter diesem Link.

Hier können Sie den Test als PDF-Magazin herunterladen.


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