Spielwarenmesse Nürnberg Hightech im Kinderzimmer


Software, Sensoren und Motoren: In Nürnberg präsentieren derzeit 2.800 Aussteller aus 60 Ländern, was die Kids künftig spielen. Selbst die gute alte Barbie-Puppe hat der Hightech-Trend erfasst.

"Pleo" rollt seine Kulleraugen und wackelt mit dem Schwänzchen, wenn er gestreichelt wird. Mit "Pleo" kommt Hightech ins Kinderzimmer. Der kleine Spielzeugdinosaurier verkörpert einen der diesjährigen Trends, die die Neuheitenschau auf der Nürnberger Spielwarenmesse aufzeigen will: Kinder und Hightech gehören zusammen. "Pleo" ist nur so groß wie eine Katze. Doch unter seiner weichen, grünen Haut versteckt er 2.000 Einzelteile. Software, Sensoren und Motoren sorgen dafür, dass der Dinosaurier weint, niest oder seinen Kopf dreht, wenn er gestreichelt wird. Seine Persönlichkeit kann durch Software verändert werden. Die Herstellerfirma Joker wurde für "Pleo" mit dem Sonderpreis Innovation der Spielwarenmesse ausgezeichnet. Sie verspricht, dass der Dino auch robuste Spielweisen übersteht. Immerhin kostet "Pleo" knapp 400 Euro.

Kuschelige Plüschtiere sind Geschichte

Auch die Firmen Meccano und Sablon wollen Kinder und Eltern mit Technik begeistern. Fliegende Riesen-Insekten und Roboter lassen sich per Fernsteuerung fortbewegen. Mit "Robopanda" will Sablon schon Kinder ab vier Jahre ansprechen. Der Pandabär hat keine Fernbedienung, sondern reagiert auf Berührungen und erzählt sogar Gute-Nacht-Geschichten. Kuschelig ist der Plastik-Roboterbär für 130 Euro allerdings nicht. Darum hat er einen Plüsch-Panda als Gefährten dabei.

Der Trend zu Hightech hat auch die Spielwaren-Klassiker erfasst. Sogar Barbie präsentiert sich nicht mehr einfach nur als Puppe. Mit der "Regenbogenfee Elina" hat die Herstellerfirma Mattel eine Barbie entwickelt, die mit Hilfe einer Infrarot-Schnittstelle wie eine Fernbedienung funktioniert und Fernseher und DVD-Player zum Spielen benötigt. Dabei liegt der Puppe eine Spiele-DVD bei, die in eine Elfenwelt entführt und über die Barbiepuppe gesteuert wird: Wenn die Kinder vor dem Fernseher die Infrarot-Barbie nach rechts oder links bewegen, macht die Puppe auf dem Bildschirm die Bewegung nach. Doch nicht nur den Hightech-Trend hat Mattel entdeckt. Mit der Feen-Barbie folgt der Spielwarenhersteller noch einer weiteren Mode, nämlich den Elfen und Prinzessinnen in rosarot.

Wichtel, Einhörner und zarte Flügelwesen

Beim Spielwaren-Hersteller Simba tummeln sich beispielsweise etwa 30 Zentimeter große Plastikpüppchen in rosa Rüschenkleidern und mit kleinen Kronen auf dem Kopf. Playmobil hat ebenfalls eine eigene Feenwelt geschaffen, die kleine Mädchen mit Wichteln, Einhörnern und zarten Flügelwesen begeistern soll. Auch BIG, der Hersteller der Bobby-Cars, hat sich ganz auf die weibliche Zielgruppe in rosa eingestellt: Die Schiebeautos gibt es inzwischen nicht mehr nur in feuerrot, sondern als pinkfarbene Variante mit Kronen- und Juwelenaufdruck. Sogar den passenden rosa Einachsenanhänger für das Gepäck der Prinzessinnen gibt es zu kaufen. Ravensburger setzt indes mehr auf stil- und modebewusste Mädchen. Mit einem Bastelset können sie ihre eigenen Handtaschen aus Papierstreifen entwerfen und herstellen. Bei den Trends für die Jungs orientieren sich die Hersteller gerne an Kinofilmen. Dickie präsentierte die batteriebetriebene Autorennbahn "Kraken Attack" mit Krake und Piratenschiff als Zubehör. Die Macher orientierten sich beim Design am Kinofilm "Fluch der Karibik". Für das Tischfußball-Spiel Kick-O-Mania bildete der Hersteller die Figuren den Darstellern aus den "Wilde-Kerle"-Filmen nach.

Spielwarenindustrie entdeckt über 40-Jährige

Wegen der niedrigen Geburtenrate hat die Spielebranche inzwischen noch eine ganz andere Zielgruppe entdeckt, nämlich die der Älteren. Ravensburger möchte den Erwachsenen mit Patience-Karten die Zeit vertreiben. Beim Spiel "Weißt du noch...?" ist dagegen Erinnerungsvermögen gefragt, wenn Ereignisse aus der Vergangenheit in die richtige Reihenfolge gebracht werden sollen. Die französische Firma PolyPoly geht noch weiter und richtet sich mit ihren neuen Spielkarten speziell an Senioren: Die Karten sind doppelt so groß wie herkömmliche Karten und mit extra großen Symbolen bedruckt. Außerdem ist am unteren Ende der Karten ein Loch eingestanzt, durch das der Spieler einen Finger stecken kann. "Damit die Karten auch bei heftigem Zittern nicht auf den Boden fallen", erklärt Ronald Bergier von Polypoly. Die weltweit größte Fachmesse für Spielwaren läuft noch bis zum 6. Februar. Rund 2.800 Aussteller aus 60 Ländern zeigen in Nürnberg ihre Neuheiten. Die Veranstalter rechnen mit etwa 79.000 Besucher aus dem In- und Ausland.

Maria Marquart/AP AP

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