HOME

TV-Fernbedienungen: Daten für die liebe Betty

"Betty" ist eine Fernbedienung, die nicht nur am TV-Gerät die Kanäle wechselt, sondern dem Nutzer auch Teilnahmemöglichkeiten am laufenden Programm bieten soll. Und ganz nebenbei sammelt Betty auch noch Daten.

Von Matthias Lauerer

Früher war alles ganz einfach. Da ruhten alle Couch-Potatoes auf dem Sofa, stopften Chips und Bier vor dem Fernseher in sich hinein und ließen sich doch eher passiv von der TV-Werbung berieseln. War man vom all abendlichen Werbeangriff entnervt und half schließlich auch kein Umschalten mehr, so ging man entweder zum Kühlschrank oder aufs WC. Und entkam so der Werbung.

Doch jetzt gibt es Betty. Mit dieser intelligenten TV-Fernbedienung sollen sich die TV-Gewohnheiten der Zuschauer ändern. Nach dem Willen des Herstellers, der Betty TV AG, hinter dem die Swisscom Fixnet AG aus Bern steckt, kann der Zuschauer damit zeitweise aktiv am TV-Geschehen teilnehmen. Sichtbar wird dies durch einen kleinen LCD-Bildschirm, der in die neue Fernbedienung eingebaut ist. Das Ganze funktioniert so: Während des Programms meldet sich das interaktive Gerät mit einem vielstimmigen Tusch. Jetzt kann der Zuschauer entweder an einem Gewinnspiel teilnehmen, einkaufen oder sich über Produkte informieren. Auf der Homepage lässt sich Betty probehalber ausprobieren: Am Samstagabend läuft "Nur die Liebe zählt" auf Sat.1. Hier lässt sich nun mittels der 39,90 Euro teuren Fernbedienung die Doppel-CD "Kuschelrock Special Edition" bestellen. Angekündigt wird die Kauf-Option mit einem kurzen Plieng-Geräusch. Für 12,90 Euro besteht jetzt die Kauf-Option. Entschieden wird der Kauf dann mit einem Druck auf eine der beiden blinkenden Tasten, A oder B. Wer A drückt, kauft die Doppel-CD. Wer B drückt nicht.

Zusätzlich sammelt der Käufer bei diesem Beispiel auch 200 so genannte "Sofameilen". Diese lassen sich später in Prämien eintauschen, wie bei so vielen anderen Bonus-Programmen auch. Doch 14 Sofameilen müssen erst in einen "Happy Digit" umgetauscht werden. Dann kann damit aus dem Waren-Sortiment gewählt werden.

Doch nicht immer ist Bettys Angebot auch kostenlos. Ein schneller Anruf bei der Betty TV Hotline klärt auf: "70 Prozent unserer Aktionen sind kostenlos, bei 30 Prozent, also den Betty-Events, da kostet es Sie meistens um die 50 Cent." So sagt es die nette Telefon-Dame. Spannend auch die Vertragsklauseln. Wer 50 Euro gewinnt, bekommt diese nicht auf seinem Girokonto vergütet, sondern auf dem "Betty Gewinnkonto" verwahrt. Erst höhere Gewinne werden vollständig auf das Girokonto überwiesen. Das steht in Paragraf 4, Absatz 3. Eingesetzt wird diese Regelung jedoch nach Unternehmensaussage erst, wenn auch ein Lottospiel damit möglich ist. Heutige Gewinne würden sofort auf das Girokonto überwiesen.

Adressabgleich als Service

Interessant auch ein anderer Service unter § 2, 2: "Betty TV bietet dem Kunden ebenfalls einen Adressservice an, der mit der Einwilligung in diesen Vertrag bestätigt wird. Die Funktionen dieses Adressservice sind der Abgleich der Kundendaten mit Daten von Betty TV beauftragten Dienstleistern. Dem Kunden wird die mehrfache Eingabe seiner Daten damit erspart."

Immerhin ist der Anschluss an das TV-Gerät mittels Scart-Kabel schnell erledigt. Weitergegeben werden die für den Kauf nötigen Daten schließlich per Funkmodem an die Telefonleitung.

Laut Aussage der Homepage lässt sich mit der Neuerung fleißig "mitraten und bei mehr als 1.000 Gewinnspielen pro Monat mitspielen." Möglich machen dies die Kooperationen mit bislang fünf TV-Stationen. Dazu gehören: Sat.1, ProSieben, RTL, Kabel eins und Tele 5. Wer will, der kann am Dienstag so beispielsweise bei "Britt" um 13 Uhr auf Sat.1 Geld gewinnen, während bei den "Simpsons" auf Pro Sieben um 18.10 Uhr Sofameilen warten. Soweit, so gut. Doch was soll das Ganze eigentlich?

Kritisch zu betrachten ist der Kundenbindungsdienst aus verschiedenen Gründen. Zum einen gibt er nicht nur bei der Erstanmeldung die persönlichen Daten des Konsumenten weiter, sondern berichtet nachts auch über die Beteiligung an allen Aktionen. Gesendet werden diese dann an die Zentrale. Diese im Sinne des Datenschutzes schon fast abenteuerliche Aktivität wird im Datenschutzcodex des Unternehmens so relativiert: "Die Betty TV AG hat weder ein Interesse daran, noch ist sie technisch in der Lage, das Fernsehverhalten der Betty-Zuschauer zu messen oder gar zu protokollieren." Und weiter: "Einzig in Fällen, in denen der Nutzer es ausdrücklich wünscht, beispielsweise für den Versand von Informationsmaterial oder Warenproben, übermittelt Betty zur einmaligen Verwendung die Daten, die zur Erfüllung dieses einen Kundenwunsches notwendig sind (z. B. Postanschrift für Postversand, Email-Adresse für Email-Versand)." Doch wer will überprüfen, ob es bei der einmaligen Weitergabe bleibt?

Immerhin besteht die Möglichkeit, auch anonym mit Betty zu agieren. Das bestätigt auf stern.de-Anfrage der Gründer und Vorstand Jens Gloede, 38. Und fügt noch hinzu: "Wenn man es genau nimmt, dann habe ich mir das System ausgedacht." Damit ist Gloede nach eigenen Angaben auch der Betty-Erfinder. Doch wie immer, wenn etwas Innovatives eingeführt wird, gibt es auch hier Zustimmung und Ablehnung. Beim Berliner Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) äußert man sich so zum Thema: "Man muss sich darüber im Klaren sein, welche teilweise sehr persönlichen Daten man hier preisgibt.", sagt Christian Thorun, der dort als Referent für den Handel zuständig ist.

Hinter den Erwartungen zurück

Sehr Großes plante das Unternehmen noch zum Start des Angebotes vor sechs Monaten: 500.000 bis zu einer Million Kunden wollte man nach eigenen Angaben bis Ende 2007 in Deutschland gewinnen. Am 25. Juli 2007, also sechs Monate nach dem Start, wurden nach eigenen Angaben jedoch bislang nur 100.000 Bettys abgesetzt. Wenig, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland vor zwei Jahren immerhin 37,3 Millionen analoge oder digitale TV-Haushalte gab, wie Satellitenkanalbetreiber SES Astra vermeldete. Ein Tropfen auf den heißen (TV)-Stein also.

Und doch wünscht man sich als Kunde nur eine kurze Atempause, in der über Sinn und Unsinn von Kundenbindungs-Instrumenten nachgedacht wird. Denn nicht alles was technisch machbar ist, ist für die Konsumenten auch wirtschaftlich sinnvoll. Oder wie es die Zeitschrift "Finanztest" schon bei einem Test von ähnlich gelagerten Rabattprogrammen im Februar 2005 ermittelte: Damals lag das Sparpotential bei stolzen 0,25 Prozent bis zu sagenhaften drei Prozent. "Finanztest" berichtet weiter: "Apropos Anonymität: Nur bei zwei der 36 untersuchten Kundenbindungs-Systemen kann der Kunde anonym bleiben, bei Aral/BP und Esso. Wer woanders eine Kundenkarte beantragt, muss persönliche Daten preisgeben. Für ein reines Rabattprogramm ist das unnötig, wie das System einfacher Treuekarten mit Stempeln oder Klebepunkten zeigt. Sie funktionieren auch ohne Kundendaten." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.