Wer steckt hinter ... ... Bose?

Keine Massenware, sondern Edel-Elektronik, die alles andere als billig ist - dafür steht einer der bekanntesten Markennamen für Audiogeräte. Die Firma führt immer noch ihr Gründer.
Von Karsten Lemm

Der Kopfhörer, den der ältere Herr trug, sah erbarmungswürdig aus: klobig, zerkratzt, ohne Markennamen. Immer wieder beugte sich der Sitznachbar im Flieger herüber, zeigte stolz auf sein Bose-Headset mit elektronischem Lärmfilter und sagte: "Dies hier sollten Sie kaufen, das war für mich die beste Investition der letzten 30 Jahre!" Das freute den älteren Herrn, aber er zeigte es nicht, sondern lauschte weiter in seine unscheinbaren Kopfhörer hinein - in Wahrheit der Prototyp eines neuen Modells. "Erst kurz vor der Landung habe ich ihm erzählt, wer ich bin", sagt Amar Bose vergnügt. "Da war er doch ziemlich überrascht."

Um neuartige Lautsprecher zu verkaufen, gründete der 77 Jahre alte Amerikaner 1964 seine Firma. Heute gehört sie zu den bekanntesten Marken der Unterhaltungselektronik. Bose-Technik beschallt Autos, Konzertsäle, die Sixtinische Kapelle im Vatikan und die Kabine des Space Shuttle - immer mit ausgefallener Technik. Kein Wunder: Amar Bose, Sohn eines indischen Einwanderers und einer amerikanischen Mutter, sieht sich als Wissenschaftler, nicht als Wirtschaftsmogul. Viele Jahre unterrichtete er noch nebenbei am berühmten Massachusetts Institute of Technology, wo er sich in den 50er Jahren auf Psychoakustik spezialisiert hatte. Das war die Basis für Boses Erkenntnis, dass Konzertsäle oft deshalb so warm und voll klingen, weil ein Großteil des Schalls die Ohren der Zuhörer nur auf Umwegen erreicht - er wird reflektiert. Herkömmliche Lautsprecher dagegen strahlen den Schall direkt ab.

"Es muss immer besser sein"

Bose entwickelte spezielle Boxen, Modellnummer 901, die das Konzertsaal-Prinzip imitieren. Sie kamen 1968 auf den Markt und wurden ein solcher Erfolg, dass sie bis heute erhältlich sind. Beständigkeit gehört bei Bose zum Programm. "Ich hoffe, wir tappen nie in die Falle, etwas Neues zu präsentieren, das nur Kosmetik ist - es muss immer besser sein", fordert der Gründervater, der mit seiner Frau in Sichtweite der Firmenzentrale in Framingham bei Boston wohnt. An guten Tagen, den "interessanten", wie Bose sie nennt, bleibt er daheim, genießt auf seiner Bose-Stereoanlage klassische Musik, schaut vielleicht noch einen Film aus den 40er Jahren. Und immer noch forscht er an neuen Projekten, denn seine Leidenschaft ist es, Dinge zu erfinden, die seinen Mitmenschen Augen und Ohren öffnen. Das geht nur zu Hause: "Im Büro gibt es zu viel Ablenkung."

Dennoch muss er sich ab und zu, an den "notwendigen Tagen", in der Firma blicken lassen. Offiziell ist er Alleininhaber, Aufsichtsratschef und Technischer Direktor, inoffiziell ihr guter Geist. Seine 8000 Mitarbeiter nennen ihn ehrfürchtig "Dr. Bose". Alle Gewinne der Firma steckt er in die Forschung. Seinen Besitz will er einer Stiftung vererben, damit die mehr als 4000 Ingenieure weiter ohne Druck von Aktionären forschen können. "Das, worauf ich stolz bin, hat mit Geld oder der Größe der Firma nichts zu tun", sagt Bose. "Aufregend ist es, Produkte zu entwickeln, die so gut sind, dass die Leute sofort merken, dass sie etwas Besseres benutzen." Das erzählen die Kunden dann auch begeistert weiter, wie Bose aus eigener Anschauung weiß.

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