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Foto-Reportage Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet

Elissavet Patrikiou ist Fotografin aus Hamburg und Autorin mehrerer Koch- und Reisebücher
Elissavet Patrikiou ist Fotografin aus Hamburg und Autorin mehrerer Koch- und Reisebücher
© privat
Ob Magazin-Reportage oder Kochbuch: Elissavet Patrikiou fotografiert seit Jahren ausschließlich mit dem iPhone. Für den stern hat sie das neue iPhone 12 ausprobiert - bei Tageslicht und in einer schummrigen Bar.

Wenn Elissavet Patrikiou zu einem Fototermin auftaucht, gibt es in der Regel erst einmal verdutzte Gesichter. "Haben Sie ihre Ausrüstung vergessen?" ist einer der Klassiker ihrer Kund*innen. Denn die 44-jährige Wahl-Hamburgerin mit griechischen Wurzeln ist gelernte Fotografin - doch vor einigen Jahren hat sie ihre Spiegelreflexkamera an den Nagel gehängt und gegen ein iPhone getauscht. Sie porträtiert Menschen für Reportagen, die unter anderem im "Effilee" und dem "Chrismon"-Magazin gedruckt wurden, zudem hat sie bereits mehrere Kochbücher veröffentlicht.

Vor einem Jahr hat Patrikiou ein Buch über das moderne Athen ("Athen - Das Kochbuch") herausgebracht. Um Aufnahmen für das geplante Kochbuch anzufertigen, reiste sie für mehrere Monate in die griechische Hauptstadt - am Ende entstand ein Buch, welches Rezeptsammlung, Reiseführer und Reportage in einem ist. Alle Bilder darin wurden ausschließlich mit dem iPhone aufgenommen.

Für die Fotos im Buch "Athen - Das Kochbuch" nutzte Elissavet Patrikiou ausschließlich ein iPhone
Für die Fotos im Buch "Athen - Das Kochbuch" nutzte Elissavet Patrikiou ausschließlich ein iPhone
© Südwest Verlag

"Der Verlag konnte sich das erst gar nicht vorstellen. Doch ich will gerade nicht mehr anders fotografieren, vielleicht ändert sich das auch wieder. Ich mache den Job jetzt seit 27 Jahren, habe ihn in der Dunkelkammer gelernt. Ich finde es spannend, immer wieder andere Stilmittel zu nutzen, das was gerade für mich passt."

"Jedes Gramm weniger ist eine Entlastung"

Als ich Patrikiou frage, ob sie das neue iPhone 12 und das iPhone 12 Pro testen will, sagt sie sofort zu. Denn als iPhone-Fotografin möchte sie natürlich wissen, ob sich die vollmundigen Versprechen von Apple bewahrheiten. Das neue iPhone bringe die Low-Light-Fotografie "auf das nächste Level", behauptet der Hersteller. Selbstbewusst heißt es auf der Homepage der Kalifornier: "Davon träumen andere Smartphones nachts." Alle im Folgenden gezeigten Bilder wurden ausnahmslos mit dem iPhone 12 und iPhone 12 Pro aufgenommen. 

Elissavet Patrikiou testet unter Einhaltung der Hygieneauflagen das neue iPhone 12 Pro in einem Restaurant
Elissavet Patrikiou testet unter Einhaltung der Hygieneauflagen das neue iPhone 12 Pro in einem Restaurant
© Elissavet Patrikiou/stern

Als die Hamburger Fotografin das Gerät zum ersten Mal in der Hand hält, ist sie vom neuen Formfaktor angetan. Statt weicher Rundungen dominieren nun klare Kanten das Design. "Dadurch liegt es besser in der Hand." Auch das geringere Gewicht sei ein Pluspunkt: "30 Gramm weniger klingen nach nicht viel, aber das macht einen Riesenunterschied. Mein Smartphone hängt den ganzen Tag um den Hals, und wenn ich viel fotografiere, merke ich das am Ende des Tages an meinem Nacken und in der Hand. Jedes Gramm weniger ist eine Entlastung."

Als Food-Fotografin zieht es Eli, wie sie von allen genannt wird, in ein Restaurant in der Nähe der Reeperbahn. In der XO Seafoodbar testet sie zunächst, wie sich die Kamera bei Tageslicht schlägt. Das Lokal des Hamburger Gastronomen Fabio Haebel ist hell und mit seiner offenen Küche die ideale Location für Porträts mit Tiefenunschärfe.

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet
© Elissavet Patrikiou/stern

Im direkten Vergleich zeigt sich: Bei Tageslicht sind die Unterschiede bei der Weitwinkellinse, also der Standard-Kamera, zwischen dem iPhone 11 Pro und der 12er-Generation marginal. Beide Smartphones lösen schnell aus, wodurch scharfe, detailreiche Bilder mit einer hohen Zeichnung gelingen.

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet

Erst beim Hineinzoomen, bei dreifacher Vergrößerung und mehr, erkennt man Unterschiede. Haarsträhnen wirken strukturierter, Ohrringe zeigen mehr Details. Ein Quantensprung ist das nicht.

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet
© Elissavet Patrikiou/stern

 

"Bei Reportagen kommt es auf Schnelligkeit an"

Auffällig sind die Unterschiede im Porträtmodus: Beim Fotografieren von Objekten - in unserem Fall eine Fischsuppe - kommt man mit dem iPhone 12 Pro näher an das Objekt heran als mit dem 11 Pro Max. "Dadurch sind Fotos mit noch mehr Tiefenunschärfe möglich", so Patrikiou. Sie selbst nutzt den bei vielen Nutzern beliebten Portraitmodus jedoch nie, sondern ausschließlich die "normale" Fotofunktion. Dennoch: "Die Grenzen zum Profi mit einer Spiegelreflexkamera verschwimmen immer mehr. Wenn man Tiefenunschärfe will, ist das krass, was nur mit einem Telefon möglich ist." 

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet
© Elissavet Patrikiou/stern

Patrikiou hat einen speziellen Blick auf die Menschen und versucht sie authentisch darzustellen - "so, wie ich sie eben sehe". Für ihre tägliche Arbeit nutzt sie ein iPhone 11 Pro Max. Ihr Freund, ebenfalls gelernter Fotograf, nutzt eine Leica-Kamera. Das kommt für sie nicht mehr infrage: "Ich schätze beim iPhone die Flexibilität, die es mir ermöglicht. Gerade bei Porträts und Reportagen kommt es auf Schnelligkeit an. Das ist der einzige Grund, warum ich ein Smartphone benutze."

Ihrer Erfahrung nach reagieren Menschen auch lockerer, wenn man sie mit einem Smartphone fotografiert und nicht mit einer wuchtigen Spiegelreflexkamera vor ihrem Gesicht herumhantiert. Häufig werde sie gefragt, was sie anders mache beim Fotografieren mit dem Smartphone. "Ich beschäftige mich nicht mit der Technik, sondern versuche, das Bild zu fühlen. Nicht die Technik macht das Bild, sondern der Mensch. Klar braucht man eine gewisse Qualität, die aber heutzutage mit den neuesten Smartphones auch gegeben ist."

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet
© Elissavet Patrikiou/stern

Die Dunkelheit macht den Unterschied

Grundsätzlich sei sie mit ihrem Telefon zufrieden, "nur vom Nachtmodus hatte ich mir mehr versprochen. Die Belichtung dauert mir bei Porträts zu lange." Wie sich das iPhone 12 und das dazugehörige Pro-Modell bei schwierigem Licht schlagen, wollen wir in der Bar Chug Club herausfinden. Die schummrigen Separees, dunklen Gänge und die indirekte Beleuchtung bringen jedes Smartphone ans Limit. Und auch hier zeigt sich zunächst das gleiche Bild: Obwohl die Weitwinkellinse des iPhone 12 lichtstärker ist, erkennt man Unterschiede nur in Details.

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet
© Elissavet Patrikiou/stern

Bemerkenswert sind jedoch die neuen Porträts im Nachtmodus. Bei einer Foto-Session in einem spärlich beleuchteten Gang sind die Unterschiede offenkundig: Während das iPhone 11 Probleme bei der Fokussierung hat und flaue Farben produziert, verrichtet das iPhone 12 Pro mühelos seinen Dienst. Das Motiv setzt sich klar vom Hintergrund ab. Hier profitiert das iPhone 12 Pro vom schnelleren Prozessor und dem integrierten Lidar-Sensor, der automatisch räumliche Tiefeninformationen erfasst. 

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet
© Elissavet Patrikiou/stern

"Nun wollen wir den Porträtmodus an seine Grenzen bringen", sagt Elissavet Patrikiou. Der Raum wird soweit abgedunkelt, dass man kaum noch etwas erkennen kann. Das iPhone 11 Pro Max macht im Porträtmodus direkt schlapp: Der Bildschirm bleibt schwarz, oben prangt der Hinweis "Mehr Licht erforderlich. Möglicherweise hilft der Blitz".

Nun die große Überraschung: Das iPhone 12 Pro zeigt ein Vorschaubild, denn es kann im Gegensatz zum normalen 12er Porträts im Dunkeln aufnehmen. Beim Fotografieren beansprucht es die maximalen drei Sekunden Belichtungszeit, die aus der Hand möglich sind. Zwar ist das Bild bei so wenig Licht am Ende nicht knackscharf, der Portraiteffekt ist jedoch erkennbar. Und am Ende gilt: Besser ein leicht unscharfes Foto als gar keins. "Das hat mich jetzt wirklich überrascht, immerhin habe ich mit meinen eigenen Augen kaum etwas gesehen", so Patrikiou. Wunder sollte man aber auch hier nicht erwarten: Für inszenierte Portraits ist der Portrait-Modus des iPhone 12 Pro ein Schritt nach vorne, bei Bewegungen ist die Belichtungszeit aber immer noch zu hoch. Eltern und Hundebesitzer dürften wissen, was gemeint ist.  

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet
© Elissavet Patrikiou/stern

An der Bar wird der Nachtmodus der Ultraweitwinkellinse getestet. Schnelle Bewegungen wie das Schütteln eines Shakers lassen sich nicht ohne Unschärfen einfangen. Wunder vollbringt nun einmal auch das iPhone 12 nicht. Zoomt man jedoch tief in ein Bild, erkennt man mehr Details als beim Vorgänger.

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet
© Elissavet Patrikiou/stern

"Das iPhone 12 merzt mehr Fehler aus"

Patrikious Fazit: "Wer häufig im schummrigen Licht oder gar im Dunkeln fotografiert, der profitiert von dem verbesserten Nachtmodus des iPhone 12. Ich bleibe jedoch erst einmal bei meinem iPhone 11 Pro, da ich kaum in dunklen Umgebungen fotografiere und bei Tageslicht die Unterschiede nicht groß genug sind, um einen Neukauf zu rechtfertigen."

Der Trend zu computergestützter Fotografie mache vieles einfacher: "Das iPhone 12 merzt mehr Fehler aus. Das Telefon erkennt etwa, ob die Haut oder das Gesicht besser ausgeleuchtet werden muss. Die meisten Menschen empfinden solche Bilder als schöner. Mir fehlt jedoch gelegentlich der harte Kontrast, die Ecken und Kanten."

Foto-Reportage: Elissavet Patrikiou ist Profi-Fotografin und hat das neue iPhone 12 getestet
© Elissavet Patrikiou/stern

Für die nächste iPhone-Generation wünscht sie sich einen besseren Zoom. "Der Zoom ist derzeit eher mäßig. Die Vergrößerung ist minimal, außerdem gefällt mir dort das Licht nicht. Deshalb nutze ich den Zoom nie. Wäre das iPhone hier besser aufgestellt, würde sich das womöglich ändern."

Dass das iPhone 12 immer noch mit 12 Megapixeln knipst, hält Patrikiou für mehr als ausreichend. "Selbst bei großformatigen Bildern in meinen Büchern bin ich noch nie an die Grenzen gestoßen. Wer keine hochhausgroßen Plakate drucken möchte, benötigt keine höhere Auflösung."

Vor wenigen Monaten zog sie übrigens wieder in die Ferne, wieder für ein Buch, diesmal nach Kreta - nur mit ihrem Smartphone im Gepäck.

Hier finden Sie den ausführlichen Test zum iPhone 12

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