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Sport-Tracking: Fitness-Uhr Polar Vantage V im Test: Ein neuer Maßstab - aber nicht perfekt

Lange war es ruhig um den Pulsuhren-Hersteller Polar. Nun haben die Finnen mit der Vantage V ein neues Topmodell auf den Markt gebracht, das mit einem echten Novum aufwartet. Was genau das ist, was die Uhr noch so kann und für wen sie sich eignet, erfahren Sie in unserem ausführlichen Test.

Wer sportlich Gas geben möchte, für den ist die Profi-Multisportuhr von Vantage V von Polar genau das richtige Geschenk. Diese innovative Sportuhr ist der beste Begleiter für das Triathlon- und Marathontraining und bereitet den Beschenkten professionell auf den Wettkampf vor. Mit rund 500 Euro ist die Polar Vantage V schon ein etwas größeres Geschenk, das aber einem passionierten Sportler jede Menge Freude bereiten wird. Hier gibt es die Uhr zu bestellen: polar.de

Die Polar Vantage V richtet sich vor allem an sehr ambitionierte Amateure und Profisportler

Fitnesstracker, Schrittzähler, Pulsuhren oder auch per Smartwatch: Für viele Menschen gehört es zum Alltag, den eigenen Aktivitätsgrad zu messen und/oder zu kontrollieren. Die Nachfrage nach solchen Geräten ist groß. Umso mehr verwunderte es, dass der finnische Anbieter Polar, einer der Pioniere in Sachen mobile Herzfrequenzmessung, zuletzt mit Neuerscheinungen im Highend-Bereich geizte.

Mitte September hatte das Warten ein Ende. Pünktlich zum Frankfurt Marathon brachten die Finnen ihre neue Vantage-Serie an den Start und dürften damit allein schon wegen der Verkaufspreise für erhöhten Pulsschlag gesorgt haben. Rund 450 Euro sind für das Topmodell Vantage V fällig, die technisch abgespeckte M-Version geht bei knapp 230 Euro los. Was man für sein Geld bekommt, ob und für wen sich der Kauf lohnt, erfahren Sie hier.

Polars Vantage V: Leistungsmessung in Watt 

Rein optisch macht die von uns getestete Vantage V, die es in den Farben Schwarz, Weiß und Orange gibt, dank des Edelstahlgehäuses und seiner hervorragenden Verarbeitung einen sehr hochwertigen Eindruck. Die Multisportuhr ist auch für schmale Handgelenke nicht zu groß und mit ihrem unauffälligen Design durchaus alltagstauglich. Bedienen kann sie der Nutzer über fünf seitlich angebrachte Tasten sowie über ein farbiges Touchdisplay, das horizontale und seitliche Wischbewegungen erlaubt. Die günstigeren Vantage-Modelle müssen aber ohne den Touchscreen auskommen.

Touchdisplays sind bei den Konkurrenten Garmin, Suunto und Co. schon länger im Einsatz. Für ambitionierte Amateure und Profisportler, an die sich die Vantage-Serie vorrangig richtet, dürften aber ohnehin mehr die inneren Werte, sprich die technische Ausstattung zählen. Und da holt Polar nicht nur zu anderen Anbietern auf, das Unternehmen setzt in einem Punkt die neue Benchmark: So bietet die Vantage V als erste Uhr eine Messung der aktuellen Laufleistung in Watt – und das ganz ohne externe Sensoren. Möglich macht dies ein eingebautes Barometer, das zur Berechnung der absoluten, beziehungsweise relativen Werte (Watt pro Kilogramm Körpergewicht) das aktuelle Tempo, die Beschleunigung sowie Anstieg oder Gefälle auswertet. Zum Nutzen später mehr. 

Pulsmessung per LED

Die Pulsmessung selbst erfolgt am Handgelenk, also ohne Brustgurt, der jedoch zugekauft werden kann (Preis: 50 Euro) und EKG-genaue Werte liefern soll. Trägt man die Uhr ohne Gurt, messen insgesamt neun an der Unterseite angebrachte LED-Lichter den Blutstrom unter der Haut und rechnen diesen in die aktuelle Herzfrequenz um. Vier ebenfalls dort platzierte Metallsensoren analysieren die Qualität des Hautkontakts. Sie dienen zudem als Kontakte für die Ladeschale, die per USB-Anschluss die Verbindung zum Computer und damit auch zur browserbasierten Trainingsplattform Polar Flow herstellt. 

Wie die Konkurrenzprodukte verfügt die Vantage V über GPS zur Messung der zurückgelegten Strecke und Geschwindigkeit. Eine Navigationsfunktion gibt es derzeit noch nicht, soll aber per Softwareupdate nachgeliefert werden. Ebenso werden der Kalorienverbrauch beim Training bestimmt und die im Alltag absolvierten Schritte gezählt. Wer die Uhr auch nachts trägt, kann sogar den eigenen Schlaf analysieren. So misst die Vantage V automatisch die Schlafzeit und ebenso nächtliche Unruhephase und Wachzeiten.

Generell versorgt Polars neues Flaggschiff seinen Nutzer – oder dessen Trainer – mit allerhand Daten. Ein besonderes Augenmerk legt Polar dabei auf die fortwährende Messung der Balance von Trainingsbelastung und Erholung. Dazu wird nicht nur das absolvierte Training mehrerer Monate miteinander verglichen. Auch errechnet die Uhr auf Basis der Herzfrequenz (Cardio Load), der Leistung in Watt (Muscle Load) sowie der individuellen Einschätzung der Einheit (Perceived Load), wie intensiv die letzte Trainingseinheit war und gibt Empfehlungen, wann das nächste Workout stattfinden, beziehungsweise wie lang die Erholungsphase ausfallen sollte.

Großer Haken: kleiner Haken

Nach dem Einschalten erwartet den Nutzer ein großer, gut ablesbarer Bildschirm, der sich in den Einstellungen eigenen Vorlieben zumindest leicht anpassen lässt. Per Wischbewegung kann zwischen verschiedenen Anzeigen gewechselt werden. Neben der reinen Uhrzeit und Datumsangabe lassen sich hier entweder Tagesaktivität, Trainingsstatus, aktuelle Herzfrequenz oder eine Übersicht der letzten Trainingseinheit anzeigen. Letztere beiden werden per Antippen aktiviert. Push-Notifications vom Smartphone kann die Uhr derzeit noch nicht empfangen, obwohl es eine entsprechenden Bildschirmanzeige dafür gibt. Die Akkudauer gibt Polar im Trainingsmodus mit 40 Stunden an. 

Etwas nervig ist das Anziehen der Uhr. Grund dafür ist ein kleiner Metallhaken in einer der beiden Armbandlaschen. Dieser soll garantieren, dass die Vantage V beim Training nicht verrutscht. Letztlich verhindert er aber auch, dass sich das Armband einfach durchschieben lässt. So muss man teilweise länger herumfrickeln, bis es endlich klappt.

Der Tragekomfort der Uhr ist dafür auch beim Lauftraining sehr hoch. Die von Polar empfohlene Platzierung hinter dem Handgelenkshöcker fühlte sich nur anfangs etwas ungewohnt an. Im Test fand die Uhr schnell das GPS-Signal, Strecke und Geschwindigkeit zeichnete sie präzise und ohne Unterbrechungen auf. Die Messung der Herzfrequenz funktionierte einwandfrei, auch wenn die Werte teilweise etwas zu niedrig anmuteten. Als sehr nützlich erwies sich, dass die Uhr aufleuchtet, wenn man sie anhebt, um darauf zu schauen. Obwohl das Licht heller sein könnte, ließen sich die aktuellen Werte auch beim Laufen im Dunkeln gut ablesen. Leider schaltet die Vantage V das Licht bei jeder Bewegung an, im Alltag kann das auf Dauer stören.

In der App lassen sich die Messungen im Detail auswerten

In der App lassen sich die Messungen im Detail auswerten

stern.de

Leistungsmessung und Verletzungsprophylaxe

Der größte Vorteil gegenüber Konkurrenzprodukten liegt sicher in der bereits erwähnten Laufleistungsmessung in Watt. Während die angezeigte Herzfrequenz auf Tempowechsel immer etwas zeitversetzt reagierte, passten sich die Leistungswerte parallel an. Das macht vor allem für die gezielte Steuerung der Leistung Sinn, zum Beispiel bei Bergläufen und Intervallen. Oder wenn eine Belastung sehr gleichmäßig ausfallen soll. Darüber hinaus ermöglicht die Funktion laut Hersteller, die Belastung auf Muskeln, Gelenke und das Skelettsystem zu berechnen und so Überlastungen vorzubeugen.

Wie von Polar gewohnt, erfolgte die Kopplung mit der Flow-Trainingsplattform meist ohne Probleme. Die Synchronisation dort bereits hinterlegter Sportartenprofile sowie persönlicher Körperdaten klappte im Test ebenfalls reibungslos. Wer von einer anderen Polar-Uhr wechselt, kann also sofort loslegen. Insgesamt stehen dem Nutzer rund 130 fertig konfigurierte Profile (Indoor- und Outdoor) zur Verfügung, die sich ins eigene Portfolio aufnehmen lassen und individuellen Leistungswerten angepasst werden können. Hier dürfte also so ziemlich jeder seine Sportarten wiederfinden. Die Ansicht der Trainingseinheiten im Web-Browser oder in der Flow-App ist übersichtlich und optisch ansprechend.

Fazit: Mehr als nur Aufholen

Nach Jahren ohne neues Topmodell hat Polar mit der Multisport- und Triathlonuhr Vantage V nicht nur nachgelegt und zur Konkurrenz aufgeholt. Die Finnen haben durch die integrierte Messung der Laufleistung ohne Zusatzgeräte auch einen draufgesetzt. Vor allem all jene, die ihr Training bis ins Detail analysieren wollen, werden mit der Uhr ihre Freude haben. Wer nur eine Uhr fürs Laufen sucht, für den ist die Vantage V daher sicher übertrieben. Auf diese Zielgruppe dürfte es Polar aber auch nicht abgesehen haben. Vielmehr richtet sich die unter Profi-Sportlern weit verbreitete Uhr an eben jene oder sehr ambitionierte (Ausdauer-)Athleten, die mehrere Sportarten leistungsorientiert betreiben. Mit einem Preis von 500 Euro liegt die Vantage V teilweise deutlich unter den Verkaufspreisen der direkten Konkurrenzmodelle, ihr fehlen aber auch Features (z.B. Navigation), die woanders Standard sind. Immerhin hat Polar versprochen, an mehreren Stellen mit Softwareupdates nachzulegen. Hält das Unternehmen das ein, lässt die Vantage V kaum Wünsche offen. Trainieren gehen muss man allerdings immer noch selbst.

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