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Falt-Smartphone Samsung Galaxy Z Flip3 im Test: Die Zukunft kann kommen

Falt-Smartphone: Einmal falten, bitte: Das Galaxy Z Flip3 lässt sich auch halb zugeklappt nutzen
Einmal falten, bitte: Das Galaxy Z Flip3 lässt sich auch halb zugeklappt nutzen
© Malte Mansholt / stern.de
Seit einigen Jahren gelten faltbare Smartphones als das nächste große Ding. Doch die bisherigen Versuche, den Mainstream zu erobern, sind gescheitert. Mit dem neuen Galaxy Z Flip3 will Samsung es nun schaffen. Im Test zeigte sich: Die Chancen stehen gut.

Klapp und weg: Im Handy-Zeitalter war die Wegklapp-Geste von Razr und Co. der Epitom der Coolness. Seit zwei Jahren versuchen nun Samsung, Huawei und andere die Magie der Klapp-Phones auch auf das Smartphone zu übertragen. Und scheiterten bislang daran, in den Massenmarkt vorzustoßen. Der jüngste Versuch ist das neue Galaxy Z Flip3. Ich habe es bereits getestet und glaube: Dieses Gerät könnte es nun erstmals schaffen. 

Denn das neue Flip macht sehr vieles richtig, was vorher noch einem Erfolg im Weg stand. Zum einen fühlt es sich wirklich wie das Highend-Smartphone an, das es ja unleugbar ist. Waren bisherige Faltsmartphones von Kompromissen geprägt, wirkt dieses wirklich rund. Und auch der Preis rutscht endlich in einen annehmbaren Bereich. Doch der Reihe nach.

Klapp-Wahn

Als ich das Flip3 zum ersten Mal aufklappe, ist da sofort dieses Gefühl des Staunens. Und das obwohl ich bereits mehrere Klapp-Smartphones benutzt habe. Das Gefühl, den 6,7 Zoll großen Touchscreen auf und wieder zu zuklappen, nutzt sich auch nach mehreren Tagen kaum ab. Immer wieder, wenn ich es zuklappe und wegstecke, muss ich mir das Grinsen verkneifen. Es ist einfach cool. Auch meine sonst wenig technikbegeisterte Tochter versteht das sofort. Und will das Gerät ständig ihren Freundinnen vorführen. 

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Da spielt es kaum eine Rolle, dass der Formfaktor für mich persönlich erst einmal wenige Vorteile bringt. Ich hatte nie Probleme, selbst größte klassische Smartphones unterzubringen, trage jeden Tag das größte iPhone-Modell in der Hosentasche herum. Der kleine, etwas dickere Formfaktor des zusammengeklappten Flip3 bringt mir also genau genommen gar keinen Platzvorteil.

Auf hellen Bildschirminhalten ist die Faltnaht im Display quasi nicht zu sehen
Auf hellen Bildschirminhalten ist die Faltnaht im Display quasi nicht zu sehen
© Malte Mansholt / stern.de

Aber: Er verändert die Art, wie ich das Smartphone nutze. Nimmt man ein klassisches Smartphone in die Hand, ist es schnell entsperrt, man dadelt nach dem eigentlichen Öffnungsgrund noch ein bisschen darauf herum. Beim Faltgerät passiert das seltener, fällt mir irgendwann auf. Habe ich meine Mail gelesen, klappe ich es schnell zu. Und komme gar nicht mehr auf die Idee, noch eine andere App zu starten.

Segen und Fluch

Das ist allerdings Fluch und Segen. Denn auch wenn das instinktive Tippen auf das Instagram-Symbol ruhig etwas seltener vorkommen kann: Kommen zahlreiche Nachrichten herein und man hat zwischendurch zugeklappt, muss man immer erst einmal wieder das Gerät aufmachen. Es aufgeklappt hinzulegen, ist zwar möglich, fühlt sich aber falsch an. Und so werden die Arbeits-Chats bei Teams oder die privaten bei Signal gelegentlich etwas nerviger, als man es sich eigentlich wünscht.

Das liegt auch daran, dass Samsung einen der entscheidenden Faktoren des klassischen Flip-Smartphones nicht übernommen hat: Das Display "flippt" nicht auf und zu, sondern muss immer von Hand ganz geöffnet oder geschlossen werden. Ob man sich auf Dauer daran gewöhnt, kann ich noch nicht beurteilen. In einer Woche Nutzung hat es mich aber immer noch ab und zu gestört.

Wenn man nicht auf die Faltnaht achtet, sieht die Rückseite aus wie die jedes anderen Smartphones. Hier gut zu sehen: die Doppelkamera
Wenn man nicht auf die Faltnaht achtet, sieht die Rückseite aus wie die jedes anderen Smartphones. Hier gut zu sehen: die Doppelkamera
© Malte Mansholt / stern.de

Das ist auch deswegen schade, weil die Klappmechanik sonst wirklich hervorragend umgesetzt ist. Hatte das erste Klapp-Smartphone des Herstellers, das Fold, im zugeklappten Zustand noch einen fetten Spalt zwischen den Bildschirmhälften, ist der kleine Schlitz beim Flip3 kaum noch zu sehen. Einmal aufgeklappt, ist es nur noch bei genauem Hinsehen als Falt-Modell zu erkennen. Auf hellen Hintergründen ist die Faltstelle überhaupt nicht auf dem tollen Display zu sehen. Bei heller Beleuchtung verrät bei dunklen Inhalten eine kleine Reflektion, dass das Display nicht ganz glatt ist. Auch das stört aber nur, wenn man darauf achtet. Etwas spürbar ist die Kante, wenn man mit dem Finger darüber streicht. Auch das ist aber eher Gewohnheitsfrage als echtes Problem.

Technisch top

Beim Display selbst muss man diesmal keine Kompromisse machen. Der Glasbildschirm fühlt sich gut an, ist sehr hell und scharf und bietet eine tolle Farbdarstellung. Und: Er beherrscht die von anderen Top-Smartphones wie dem Galaxy S21 bekannte 120-Hertz-Technologie. Bewegt sich der Inhalt schnell, schaltet das Gerät auf 120 Bilder die Sekunde hoch. So wird etwa das Scrollen butterweich dargestellt. Auch bei der Rechenleistung gibt es diesmal keine Kompromisse. Der verbaute Snapdragon 888 ist der schnellste frei verfügbare Chip auf dem Markt, in Benchmarks stellte das Flip3 sogar Samsungs bisheriges Flagschiff, das Galaxy S21 Ultra in den Schatten. Der Chip wuppte im Test sämtliche Aufgaben mit Leichtigkeit und dürfte noch einige Jahre auch für aufwendige Spiele und ähnliches geeignet sein.

Einen relativ großen Kompromiss gibt es leider bei der Akkuleistung. Mit 3300 Milliamperestunden (mAh) ist das Flip wohl wegen der Bauweise für seine Größe vergleichsweise mager ausgestattet. Im Test hielt es in der Regel den ganzen Tag durch, bei intensiver Nutzung könnte es aber vor dem Abend seine Grenzen erreichen. Zudem lädt es nicht so schnell, wie viele Konkurrenten. Hier ist zu hoffen, dass Samsung bei künftigen Modellen noch etwas Arbeit investiert.

Kamera: Gut, nicht spitze

Auch bei der Kamera ist noch etwas Luft nach oben, verstecken muss sie sich aber wirklich nicht. Die Aufnahmen sind bei Tag scharf und detailliert, auch bei schlechteren Lichtverhältnissen holt das Flip noch beeindruckende Details und Farben heraus. Wie bei Samsung bekannt, wirken die Bilder auf dem Display oft etwas zu poppig, lädt man sie auf einen Computer, erscheinen die Farben aber erheblich realistischer. Bei schlechtem Licht sind dunkle Bereiche etwas stärker aufgehellt, ob das gefällt oder nicht ist aber letztlich Geschmacksache. Eine Übersicht finden Sie in der Fotostrecke.

Etwas schade ist, dass Samsung den Schritt zur vollständigen Highend-Kamera auslässt: Neben der Weitwinkelkamera ist nur noch eine Ultraweitwinkel für größere Bildausschnitte verbaut. Auf die tolle Zoomlinse, die beim Galaxy S21 Ultra bis zu zehnfache Vergrößerung ohne Detailverlust ermöglicht, hat der Konzern leider verzichtet. Das verhindert, dass die Kamera ganz vorne mitspielt. Im vorderen Bereich liegt sie aber allemal.

Halbe Klappe

Beim Knipsen erweist sich der Formfaktor übrigens als überraschender Vorteil. Denn: Weil sich das Flip auch halbzugeklappt nutzen lässt, kann ich es einfach überall abstellen und das Gerät als sein eigenes Stativ benutzen. Vor allem bei Gruppenfotos oder per Selbstauslöser geknipsten Selfies über die Hauptkamera ist das ein netter Bonus.

Dank der Abstellmöglichkeit lassen sich auch riskantere Aufnahmen sicher einfangen
Dank der Abstellmöglichkeit lassen sich auch riskantere Aufnahmen sicher einfangen
© Malte Mansholt / stern.de

Im Allgemeinen hält sich der Nutzen des halb geklappten Modus aber in Grenzen. Zwar wirbt Samsung damit, auf diese Weise Videos zu schauen oder Videotelefonate zu führen. In der Praxis ist das halbe Display dafür dann aber doch zu klein. Es geht, man muss es aber eben auch wollen. Ich persönlich ging irgendwann dazu über, das Gerät doch wie andere Smartphones einfach an irgendetwas anzulehnen. 

Nerviges Entsperren

Etwas schade ist, dass Samsung das Entsperren des Gerätes unnötig unbequem gemacht hat. Der im Powerbutton platzierte Fingerabdrucksensor funktioniert zwar gut, er ist aber leider in der oberen Hälfte des Klappgeräts platziert. Im Klartext heißt das: Ich muss das Gerät erst vollständig aufklappen, um ihn benutzen zu können. Statt es aufzuklappen und sofort nutzen zu können, kommt dann eben ein weiterer Schritt hinzu. Für den Test setzte ich deswegen irgendwann auf die Gesichtserkennung statt des Fingerabdrucks. 

Wirklich empfehlenswert ist das aber nicht. Anders als etwa Apples FaceID scannt Samsung nicht die Gesichtszüge in 3D, sondern nutzt nur das herkömmliche Bild der Frontkamera. Das ist aber erheblich unsicherer und wurde in der Vergangenheit schon häufig mit einem einfachen Foto ausgetrickst. In der nächsten Version sollte Samsung entweder eine sicherere Gesichtserkennung einsetzen oder den Fingerabdrucksensor im unteren Teil verbauen, damit man beim Aufklappen gleich entsperren kann.

Bezahlbar, wenn auch nicht günstig 

Mit einem Listenpreis ab 1050 Euro für die Version mit 128 GB Speicher ist das Galaxy Z Flip3 das erste Falt-Smartphone, das sich im selben Preissegment bewegt wie klassische Premium-Smartphones. Im Netz ist es teilweise auch schon deutlich unter der magischen Marke von 1000 Euro zu bekommen. Damit ist es fast ein Drittel günstiger als die übrigen Faltgeräte und steht plötzlich in direkter Konkurrenz zu klassischen Smartphones wie Samsungs Galaxy S21 oder dem iPhone 12

Fazit: Endlich Mainstream

Trotz der kleinen Mankos ist das Galaxy Z3 Flip ein gelungenes Smartphone, das mit seinem schickem Design, einem coolen und oft nützlichen Alleinstellungsmerkmal punkten kann, aber dafür kaum noch Kompromisse verlangt. In Kombination mit der guten technischen Ausstattung und dem deutlich gesunkenen Preis ist es das erste Falt-Smartphone, bei dem man tatsächlich eine Kaufempfehlung aussprechen kann.

Für jeden ist das Galaxy Z Flip3 aber nicht geeignet. Wer viel Akkuleistung braucht und bei Fotos und Videos das bestmögliche Ergebnis will, sollte noch eine Generation warten. Auch der Preis ist nur für den neuen Formfaktor angemessen. Ist einem egal, ob sich das Smartphone klappt oder nicht, sind klassische Modelle wie das iPhone 12, das Oneplus 9 Pro oder das Galaxy S21 die bessere Wahl.

Trotzdem dürften die Chancen sehr gut stehen, dass sich das Galaxy Z Flip3 so gut verkauft, dass man bald öfter mal ein Faltgerät auf der Straße sieht. Der Klappeffekt ist einfach immer noch wirklich cool.

Das Samsung Galaxy Z Flip3 ist bereits im Handel erhältlich. Samsung bietet sieben verschiedene Farbtöne an, von denen drei jedoch exklusiv auf der eigenen Webseite zu bekommen sind.

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