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Smarthome: Ich habe ein smartes Schloss getestet - jetzt habe ich Angst vor Einbrechern

Nie wieder Schlüssel? Eine Superidee, fand ich. Und probierte ein digitales Schloss aus. Im Alltag brachte es einige Erleichterungen - und eine nagende Unsicherheit.

Nuki Test Smartes Schloss

Das smarte Türschloss Nuki wird einfach auf ein reguläres Schloss aufgesetzt. 

Hersteller

Ich habe mir nie Sorgen um Einbrecher gemacht. Klar, die Tür wurde trotzdem routiniert abgeschlossen, auch die Fenster sind stets geschlossen, wenn ich das Haus verlasse. Aber irgendwie habe ich nie ernsthaft darüber nachgedacht, dass jemand in meine Wohnung eindringen könnte. Trotz Brecheisenspuren am Türrahmen meiner alten WG, trotz der durchwühlten Schränke der ehemaligen Nachbarin, der sie das Fenster aufgehebelt hatten. Doch dann kam ein digitales Schloss in mein Leben. Und ich begann mich zu fragen: Ist meine Wohnung wirklich sicher?

Das Schloss selbst gab mir eigentlich keinen Grund dafür. Das Nuki getaufte Smartschloss wird einfach auf den herkömmlichen Zylinder samt Schlüssel aufgesetzt und dreht den dann per Motor, man ersetzt also nur das manuelle Aufschließen durch einen Befehl über ein gekoppeltes Smartphone, die Smartwatch oder Alexa. Die Funk-Verbindung taugt auch nicht als Angriffsfläche für Einbrecher. Im Gegenteil: Sie ist bei Nuki besonders sicher, lobten die Experten von AV-Test gerade erst. Doch das mulmige Gefühl blieb.

Aus Begeisterung wird Sorge

Der Grund dafür ist eine Eigenheit unserer Wohnungstür, die mir vorher nie aufgefallen war: Öffnet man den Schnappriegel, springt die Tür einen Spalt auf. Wenn man selbst den Schlüssel dreht, ist das kein Problem - schließlich will man die Tür dann ja auch öffnen. Wenn aber das smarte Schloss mit seinem brummenden Motor den Zylinder öffnet, während ich noch die Treppe hinaufsteige, ist es schon etwas unheimlich, bei der bereits offen stehenden Tür anzukommen. Obwohl ich das Aufschließen ja selbst per Smartphone veranlasst habe.

Am Anfang überwog noch die Begeisterung. Natürlich ist es schon enorm praktisch, nicht erst den Schlüssel hervorkramen zu müssen, sondern per Smartphone oder gar der Apple Watch schon auf dem Weg im Treppenhaus aufschließen zu können. Auch die waren begeistert. "Mach die Tür auf, Papa", hieß es immer schon auf dem Weg nach oben mit leuchtenden Augen. Dann freuten sie sich am schnell vertrauten Brummen beim Öffnen. 

Den Nuki Fob, eine Art Schloss-Fernbedienung für den Schlüsselbund, hatten sie noch nicht bekommen. Für einen eigenen Schlüssel sind beide noch zu klein. Über einen Sprachbefehl an Alexa oder Google Home hätten sie theoretisch die Tür selbst öffnen können, die Verbindung hatte ich aber nie eingerichtet - mit gutem Grund: Der Sprachbefehl "Alexa, sag Nuki dass es aufschließen soll" ist zwar per Pin gesichert, den Code laut durch das Treppenhaus rufen zu müssen, macht die Funktion in einem Mehrfamilienhaus aber ziemlich unsicher. Immerhin taugt er dafür, die Tür zu öffnen, wenn man gerade noch mit etwas in der Küche beschäftigt ist.

Ein Mann mit einer Maske versucht, eine Kamera mit Gesichtserkennung zu überlisten

Begrenzter Nutzen im Mehrfamilienhaus

Allgemein fiel schnell auf, dass ein smartes Schloss in Mehrparteienhäusern deutlich weniger Nutzen hat, als erhofft. Weil ich für die Haus- oder die Kellertür dann doch einen klassischen Schlüssel brauche, musste der Schlüsselbund trotz digitaler Türverriegelung immer mit. In einem Einfamilienhaus mit nur einer Haustür ist das anders. Die Vorstellung, beim Joggen nur die mitnehmen zu müssen, ist tatsächlich ziemlich reizvoll.

Auch die Möglichkeit, die Tür schon beim reinen Annähern an das Haus zu öffnen, ergibt bei einem freistehenden Wohnhaus mehr Sinn. Die Umsetzung erfolgt per GPS. Sobald man einen bestimmten Bereich betritt, sucht die Nuki-App per Bluetooth nach dem Schloss und öffnet es bei einer stabilen Verbindung. In einem offenen Treppenhaus ist die Vorstellung, dass sich meine Wohnung öffnet, wenn ich nur schnell etwas vom Auto ins Treppenhaus bringen will, eher unangenehm. Eine vorhandene Sicherheitsmaßnahme nutzte mir leider nichts: Eigentlich verriegelt sich die Tür nach einigen Sekunden wieder selbst. Weil unsere Wohnungstür dabei aber offen stünde, würde der automatisch vorgeschobene Riegel nur verhindern, dass aufmerksame Nachbarn die Tür wieder zuziehen.

Muss das Schloss ins Internet?

Auch eine weitere, eigentlich praktische Funktion wird durch die Macke unserer Wohnungstür  zum Sorgen-Faktor. Kauft man sich eine sogenannte Bridge dazu, kann man Nuki mit dem Internet verbinden. So lässt man etwa den vor der Tür stehenden Paketboten oder den Besuch auch dann in die Wohnung, wenn man selbst gerade noch im Büro ist. Im Test machte mich das Feature wahnsinnig. Was, wenn ich versehentlich die Türöffnung auslöse - und die Tür den halben Tag lang offen steht? Das Feature war nach kürzester Zeit wieder abgeschaltet, Zugang für Freunde kann man auch temporär per Link auf das Smartphone vergeben. Eine bessere Variante.

Doch obwohl mein Schloss nicht mehr über das Netz erreichbar war: Die Angst blieb. So sehr ich mir auch rational zu erklären versuchte, dass die Technologie als sicher bewertet wird, im Hinterkopf nagte diese Frage: Was, wenn es zu einer dieser klassischen technischen Fehlfunktionen kommt? Computer, Smartphone und Co. haben schließlich immer mal wieder diese kleinen Macken-Phasen, in denen sie genau das nicht tun, was sie sollen. Was also, wenn das Schloss einfach mal so tagsüber die Tür aufschließt? So groß mein Vertrauen in die Technik auch ist, die Sorge plagte weiter. Ich musste es mir eingestehen: Das smarte Schloss, das mir eigentlich Sicherheit verschaffen sollte, machte mich unsicher. Beim Zugang zu meiner Wohnung ist bei mir wohl die Grenze meines digitalen Vertrauens.

Die Angst bleibt

Als ich das Schloss abmontierte, freute sich auch meine Frau. Die beäugte das Experiment Smartschloss von Anfang an eher skeptisch. Und hatte ihr ganz eigenes Problem mit ihm: Beim Betreten der Wohnung landet der Schlüssel immer in der Rückseite des Schlosses. Die war aber plötzlich von Nuki besetzt - und sie musste in der Folge ständig den Schlüssel suchen. Am Ende konnte ein kleiner Haken an der Tür zumindest diese Beschwerde unkompliziert beheben. Wenn es doch nur eine so einfache Lösung für meine Paranoia gäbe. Die Angst vor Einbrechern ist leider geblieben.

Nuki ist bereits im Handel erhältlich und kostet ab 200 Euro.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.