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Sie war 14, er 47 Jahre alt: Wie die Eltern Josephine in die Psychiatrie steckten, um sie von ihrem Onkel fernzuhalten

Josephine liebt einen deutlich älteren Mann. Als die Beziehung anfing, war sie 14, er 47 Jahre alt. Die Eltern wollten den Kontakt um jeden Preis vermeiden - und griffen zu drastischen Mitteln.

Das ungewöhnliche Paar steht nebeneinander und schaut sich in die Augen

Josephine, 17, und ihr 32 Jahre älterer Onkel Gerrit äußern sich zu ihrer ungewöhnlichen Liebesgeschichte: 2015 waren die beiden nach Spanien und Frankreich geflüchtet, heute leben sie in einer gemeinsamen Wohnung in Berlin

Der Fall Josephine sorgte 2015 für Schlagzeilen und ist auch heute noch ein Streitthema: Die damals 14-Jährige begann eine Liebesbeziehung zu ihrem 32 Jahre älteren angeheirateten Onkel, die bis heute hält. Zwischendurch war das Paar zur europaweiten Fahndung ausgeschrieben, die Eltern und das Jugendamt schritten ein, per Gericht wurde der Kontakt verboten, die Polizei ermittelte gegen Gerrit. Doch die Ermittlungen wurden eingestellt und das Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg hob das Kontaktverbot im März 2016 wieder auf, weil dieses das Kindeswohl gefährde. Josephine habe einen starken Willen und dürfe daher mit dem deutlich älteren Mann eine Beziehung führen.

In der Urteilsbegründung wird auch eine besonders skurrile Episode des zerrütteten Eltern-Kind-Verhältnisses geschildert. Um den Kontakt zwischen Josephine und Gerrit unter allen Umständen zu verhindern, ließen Josephines Eltern den Teenager nach der erzwungenen Rückkehr aus Frankreich 2015 in eine psychiatrische Klinik einweisen. 

Josephine unter dubiosen Umständen eingewiesen

Die Umstände ihrer Einweisung sah das OLG sehr kritisch und zog mehrfach die Diagnose über ihren Gesundheitszustand in Zweifel. So ließen die Eltern Josephine zunächst im Juni 2015 von einem Arzt krankschreiben, mit dem die Mutter verwandt ist. Dieser diagnostizierte dem Teenager eine "akute schizoide Psychose mit Suizidgefährdung". Das OLG wies diese Diagnose entschieden zurück. Dafür habe es "ersichtlich überhaupt keine tragfähigen Anknüpfungstatsachen" gegeben. Die Diagnose sei "ohne irgendeine Untersuchung der Jugendlichen persönlich" und lediglich "auf Zuruf der Eltern" entstanden. Diese wollten nur die zwangsweise Unterbringung in einer Psychiatrie forcieren, so die Richter.

Auch die amtsärztlichen Stellungnahmen des Gesundheitsamtes, die zur gerichtlich angeordneten Unterbringung in der Psychiatrie führten, wurden in dem -Urteil kritisiert. Es lasse sich nicht erkennen, "von wem zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Umständen" die Darstellungen über Josephines angeblich schlechten psychischen Zustand erhoben wurden. Der Verdacht einer Angststörung bei der Jugendlichen sei während ihres Aufenthalts in der Psychiatrie nicht bestätigt worden. Stattdessen wurde dort unter anderem eine "wahnhafte Störung" diagnostiziert, die das Gericht jedoch "nicht ansatzweise schlüssig aus irgendwelchen belastbaren, objektivierbaren Befunden abgeleitet" sah. Es handle sich um eine "nicht tragfähige Diagnose", so das OLG.

OLG: Kontaktverbot gefährdet Kindeswohl

Von August bis September 2014 wurde Josephine vier Wochen in der geschlossenen Abteilung untergebracht. Mangels Wohnalternativen blieb sie anschließend noch knapp zwei Wochen dort, wie die Richter schrieben. Rund ein halbes Jahr nach ihrem Aufenthalt wurde das Kontaktverbot, das seit August 2015 bestand, vom OLG kassiert. Nicht die Beziehung zu Gerrit gefährde das Kindeswohl, wie die Eltern und das Jugendamt argumentiert hatten. Vielmehr sei der drastische Eingriff der Eltern in ihr Liebesleben und das zerrüttete Verhältnis zu Josephine gefährlich für ihre Entwicklung.

Die Beziehung mit dem älteren Mann "mag unerwünscht und sozial geächtet sein", schrieben die Richter. Es sei aber "grundsätzlich nicht (straf-)rechtlich sanktioniert, also nicht schlechthin verboten". Laut Rechtslage können Liebesbeziehungen von 14- oder 15-Jährigen mit Erwachsenen erlaubt sein, wenn dabei nicht ein Abhängigkeitsverhältnis, eine Zwangslage oder die fehlende Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung ausgenutzt wird. Josephine aber wurde von den Richtern ein "entwickelter und verfestigter Wille" attestiert, der "nicht übergangen" werden könne.

Mittlerweile leben die inzwischen 17-Jährige und der 49-Jährige Gerrit in einer gemeinsamen Wohnung in Berlin, wie sie RTL erzählten. "Ich wollte diesen Kontakt und habe aus meinem eigenen Willen die Gefühle entwickelt - auch den Willen eine Beziehung mit ihm zu führen. Ich wurde nicht manipuliert von ihm", schildert Josephine dem Sender. Nächstes Jahr wollen sie im kleinen Kreis heiraten.

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