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Protest-Hochzeit: 60-Jährige heiratet einen 100 Jahre alten Baum

Man kann nicht wirklich sagen, dass es Liebe auf den ersten Blick war. Vielmehr gehört der alte Ficus einfach zu ihrem Leben – und das soll auch so bleiben. Also gab Karen Cooper dem bedrohten Gewächs das Jawort.

Eine Braut und eine zweite Frau stehen vor einem dicken Baumstamm

Karen Cooper (l.) hat einen Baum geheiratet, 50 Menschen können das bezeugen. Viele Frauen kleideten sich dafür in Weiß und es gab sogar eine Hochzeitstorte. Ob Cooper den Ficus damit gerettet hat, ist noch nicht entschieden.

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Manche Leute heiraten ein Flugzeug, andere ein Atomkraftwerk, wieder andere einen Bahnhof. Wo die Liebe hinfällt, lässt sich einfach nicht steuern. Wenn sie sich nicht an einen Menschen, sondern an einen Gegenstand richtet, spricht man von Objektophilie, einer eigenständigen sexuellen Orientierung. Bei Karen Cooper und ihrem frisch Angetrauten war diese Neigung allerdings nicht der Beweggrund für ihre Hochzeit. Karen hat ihrem hölzernen Bräutigam das Jawort gegeben, um sein Leben zu retten.

Zugetragen hat sich das große Ereignis am vergangenen Wochenende im Snell Family Park in Fort Myers, Florida. Dort steht der riesige alte Ficus retusa, der nun mit einer menschlichen Frau verheiratet ist, Karen Cooper. Die 60-Jährige lebt direkt an dem Park, an dessen Wasserseite ihr Angetrauter steht.

Öffentliches Gelände, aber ...

Nun begab es sich aber im vergangenen Jahr, dass das Angebot von der Stadt ausging, dass für eine Million US-Dollar ein Grundstück zu verkaufen sei: Es handelte sich um das Nachbargelände des Ficus', dessen Krone und Wurzelwerk 8000 Quadratmeter einnehmen. Ein Interessent meldete sich und stellte die Gretchenfrage: Wie steht es um den Beschnitt des Baumes? "Ich wollte nicht dafür verantwortlich sein, wenn der Baum auf das Haus des Nachbarn fällt", begründete der potenzielle Käufer die Frage nach seinen Rechten.

Nach einer Begehung des Geländes entschied das Amt für Öffentlichkeitsarbeit, den ausladenden Baum zu fällen und durch mehrere Bäume einer kleineren Art zu ersetzen. Doch als die Nachbarn des wunderschönen alten Gewächses davon Wind bekamen, begannen sie unmittelbar zu protestieren – mit Anrufen, Postern und Flyern. Die Aktionen gipfelten in der Hochzeit am 24. März, in der Karen Cooper als weiß gekleidete Braut vor 50 Zuschauern gelobte, den Baum zu ehren und zu schützen.

Vorbild waren Kampagnen aus Mexiko

Cooper hat ihre Hochzeit nach einem mexikanischen Protest-Modell geplant, mit dem Frauen Anfang März auf die Abholzung von Bäumen aufmerksam gemacht hatten, indem sie mit formvollendetem Ritual einen Baum geheiratet hatten. Auch wenn sich aus solchen Hochzeiten keine rechtlichen Ansprüche ableiten ließen, sorgten sie doch für Aufmerksamkeit und die nötige Berichterstattung, um schützenswerte Exemplare zu retten.

Der Ficus war von einem Fachmann als gesund und robust genug eingestuft worden, einen umsichtigen Beschnitt zu überstehen. Am 27. März stand die Entscheidung um das Schicksal des Baumes an, die von einem Verschönerungsgremium getroffen werden musste. Cooper organisierte ihre Heirat deswegen drei Tage vor dem Termin. Doch obwohl die Chancen inzwischen gut stehen, dass dem Baum nichts passieren wird, machte sich die Frischvermählte noch Sorgen. Für sieht geht es schließlich nicht nur um die Verschönerung einer Grünfläche. "Wenn sie diesen Baum fällen, bin ich eine Witwe", sagte sie dem Onlineportal "news-press".

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