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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Der Sohn meines Freundes nimmt Drogen, dealt und macht uns das Leben zur Hölle!"

Katja ist ratlos: Der Sohn ihres Freundes gammelt nur rum, schwänzt die Schule, kifft und verkauft inzwischen auch selbst Drogen. Das Familienleben funktioniert kaum noch. Auch die Beziehung von Katja leidet. Was kann sie tun?

Sohn nimmt Drogen

Der Sohn des Freundes ist die Hölle - was rät Julia Peirano?

Liebe Frau Peirano,

ich (45) bin vor zwei Jahren mit meinem neuen Freund und seinem Sohn Niklas (16) zusammen gezogen. Niklas war damals schon ziemlich schwierig, hat sich aber in den letzten zwei Jahren schlecht entwickelt. Er schwänzt die Schule, liegt im Bett und spielt Computerspiele. Damals hatte er schon schlechten Umgang, nun hat er Freunde, die nur herumhängen und Marihuana rauchen (Niklas raucht natürlich mit). Malte und ich haben gerade von der Polizei erfahren, dass Niklas auch dealt. Malte ist damit völlig überfordert. Es gibt täglich Streit zwischen Niklas und ihm. Die beiden schreien sich an, Türen knallen, dann ist Malte geknickt und Niklas läuft erst einmal weg. Manchmal bleibt er nächtelang weg.
Als Malte und ich zusammen zogen, war Niklas noch meistens bei seiner Mutter (bis auf Donnerstag bis Montag alle zwei Wochen). Vor einem guten Jahr hat die Mutter (und ich kann sie verstehen!) sich geweigert, Niklas weiter zu sehen. Sie hat Malte gesagt, er soll sich um ihn kümmern, sie selbst hätte einen Burn-Out.


Jetzt sind wir dran, und es ist die Hölle. Ich lade kaum noch Besuch ein, weil ich mich- ich sage das hier mal so offen- für Niklas schäme. Ich verstehe mich einigermaßen mit ihm, aber ich erziehe ihn auch nicht und schlucke vieles runter, was mich stört.
Malte ist dauernd am Ende, macht sich Vorwürfe und weiß nicht mehr weiter.

Und ehrlich gesagt finde ich meinen Platz nicht mehr. Ich rede mit meinen Freundinnen nur noch über dieses Problem, und ich merke, dass sie mich mitleidig und verständnislos angucken. Aber ich kann noch nicht gehen. Ich finde bei Malte auch viel Liebe, und er sagt immer wieder, dass er mich braucht. Ich bin sein einziger Rückhalt.
Was soll ich machen? Das wächst mir über den Kopf?

Viele Grüße, Katja W.

Liebe Katja W.,

es ist nicht einfach, mit den Kindern des Partners zusammen zu leben, wenn man sich mit ihnen nicht besonders gut versteht. Und so wie es klingt, ist das Zusammenleben mit Niklas für Sie eine große Belastung. Ich würde gerne mit Ihnen zusammen einen Schritt zurückgehen und die Situation von zwei Zeitpunkten in der Vergangenheit her betrachten.

Erstens: Denken Sie bitte an die Zeit zurück, in der Sie sich mit der Frage der Familienplanung auseinander gesetzt haben. Gab es einen Zeitpunkt in Ihrem Leben, an dem Sie gerne eigene Kinder wollten – oder waren Kinder für Sie nie ein Thema? Wenn Sie keine Kinder wollten: Was waren die Gründe, die damals dagegen sprachen (z.B. zu viel Verantwortung, Sorgen, Einschränkung der persönlichen Freiheit…). Wenn Sie Kinder wollten: Wie haben Sie sich in Ihren Träumen eigene Kinder vorgestellt? Welche Werte hätten Sie versucht, eigenen Kindern zu vermitteln? Wie gut oder schlecht passt Niklas zu diesen Vorstellungen? Wie haben Sie ihn gesehen, als Sie ihn kennengelernt haben?

Zweitens: Was hat Sie dazu bewogen, vor zwei Jahren mit Malte zusammen zu ziehen? Ging es Ihnen in erster Linie um die Partnerschaft mit Malte und den Wunsch nach einem Neustart zu zweit- oder wollten Sie bewusst mit Niklas als Patchwork-Familie zusammen leben? Was haben Sie sich vom Familienleben versprochen?

Dies vorausgeschickt haben sich die Dinge ja anders entwickelt, als Sie es damals absehen konnten. Niklas' Mutter hat ihren Sohn quasi an den Vater abgegeben und betreut ihn nicht mehr regelmäßig. Das heißt, dass diese Verantwortung Malte und indirekt auch Ihnen zufällt. Wie haben Sie sich damals gefühlt, als die Mutter diese Entscheidung getroffen hat? 

Ich möchte auf Folgendes hinaus: Sie haben sich vor zwei Jahren für ein Lebensmodell entschieden, das hieß: Zusammenleben mit dem neuen Partner, und alle zwei Wochen kam der Sohn für ein langes Wochenende. Das ließ Ihnen genug Zeit und Raum für Zweisamkeit und das Leben als Paar. Jetzt hat sich das Blatt gewendet und es heißt: Sie leben 24/7 mit einem Jugendlichen zusammen, der nicht freundlich und entspannt ist, sondern extrem viel negative Aufmerksamkeit auf sich zieht und viele große Probleme mit sich bringt. Ihm Orientierung und Halt zu geben ist eine sehr anstrengende Aufgabe. Falls Sie das unterschätzen: Bitte gucken Sie sich die Mutter von Niklas an, die diese Aufgabe abgegeben hat, und Malte, dem die Situation fast täglich über den Kopf hinaus wächst.

Dann seien Sie mal ganz ehrlich zu sich selbst: Hätten sie sich vor zwei Jahren für dieses Lebensmodell entschieden, wenn Sie gewusst hätten, was auf Sie zukommt? Wahrscheinlich nicht. Deshalb wäre es jetzt auch an der Zeit, dass Sie die Entscheidung, mit Malte und Niklas zusammen zu ziehen, noch einmal neu treffen. Schauen Sie sich Ihre eigenen Kollateralschäden an: Sie fühlen sich zu Hause nicht mehr wohl, haben wenig Energie, laden kaum noch Besuch ein und sind auch außerhalb Ihres Hauses so belastet von der Situation, dass Sie Rat von Freunden suchen.
Ihre Beziehung leidet auch darunter, denn Maltes Kraft wird für den Umgang mit Niklas gebraucht, und Sie stehen hilflos daneben und können nichts ausrichten. Über kurz oder lang geht Ihnen beiden als Paar auch die Puste aus.

Wie wäre es, wenn Sie für die nächsten zwei Jahre eine eigene Wohnung beziehen, in der Sie Ihr eigenes Leben führen können, einen Rückzugsort haben und auch mit Malte ein paar ungestörte Abende verbringen können? Sie könnten sogar vereinbaren, dass Sie in dieser Wohnung nicht über Niklas sprechen, sondern dort als Paar Ihre Zweisamkeit genießen.
In zwei Jahren ist Niklas volljährig und kann ausziehen, dann können Sie und Malte neu planen.
Die Alternative wäre, dass Niklas jetzt auszieht – aber erstens ist die Frage, wohin er als Minderjähriger ziehen kann und zweitens ist damit nicht garantiert, dass sich die Beziehung zwischen ihm und Malte entspannt.

Wenn Sie sich verpflichtet fühlen, weiter bei Malte wohnen zu bleiben, wäre es wichtig, dass Sie Ihre eigenen Beweggründe genau unter die Lupe nehmen und zu bewerten, ob diese Beweggründe für a) Sie, b) Malte c) die Beziehung und d) Niklas gesund sind.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Klarheit, Julia Peirano  

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