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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Mein Verlobter und ich können nicht über Geld reden"

Eva hat das Gefühl, dass ihr Verlobter Mark deutlich mehr Geld zur Verfügung hat als sie. Ihr Einkommen reicht kaum für den Monat, vor allem seit der gemeinsame Sohn da ist. Wenn sie mit Mark reden will, weicht er aus. Wie bekommt man in Beziehungen Transparenz in die Finanzen?

Verlobter hat mehr Geld

Wie kann man in Beziehungen das heikle Thema Geld ansprechen?

Liebe Frau Peirano,

ich (32) lebe mit meinem Verlobten und unserem 2-jährigen Sohn zusammen. Mein Verlobter (Mark) hat noch eine 9-jährige Tochter mit seiner Ex-Freundin. Sie kommt alle zwei Wochen von Donnerstag bis Dienstag zu uns, was mich sehr belastet, da sie ziemlich laut und fordernd ist. Wir haben eine recht kleine Wohnung und ich kann mich nicht zurückziehen.
Das größte Problem ist aber das Geld. Ich verdiene 1100 Euro brutto als Übersetzerin. Seit unser Kind da ist, habe ich meine Arbeitszeit reduziert und arbeite nur noch halbtags, damit ich nachmittags für ihn Zeit habe. Wir leben in Düsseldorf und das Leben ist teuer. Am Ende des Monats ist nie Geld übrig, und ich wage es gar nicht, an meine Altersvorsorge zu denken. Das kann ich mir gerade nicht leisten.
Mark ist Fotograf, er hat eigene Aufträge, arbeitet aber auch Teilzeit bei einer Agentur.


Mark hat nach meinen Berechnungen viel mehr Geld als ich, nach unserer Steuererklärung müssten es 2300 Euro im Monat sein. Er muss für seine Tochter noch Unterhalt bezahlen, aber er kauft ihr auch öfter große Geschenke. Wenn ich sage, dass ich kein Geld mehr habe, sagt er mir, dass er auch keines hat. Mir ist es unangenehm, zu drängen, aber ich finde die Lage schon unfair. Mark bezahlt von der Miete zwei Drittel und gibt mir auch mal was für den Urlaub dazu. Ich zahle die Lebensmittel. Aber eine Übersicht habe ich nicht, und Mark ist gestresst, wenn ich ihn um Geld bitte. Er jammert dann, wie teuer das Leben ist und zählt auf, was er alles ausgegeben hat. Außerdem sagt er, dass er "was zurücklegt" Ich fühle mich nicht wohl mit der Situation. Ich muss dazu noch sagen, dass ich mich viel mehr um unseren Sohn kümmere. Mark arbeitet auch abends und manchmal am Wochenende, und ich halte ihm den Rücken frei.

Was kann ich machen?

Eva M.

Liebe Eva M.,

in einer Partnerschaft ist es sehr wichtig, dass beide Partner das Gefühl haben, gerecht behandelt zu werden. In Ihrer Partnerschaft ist das nicht der Fall, denn zumindest Sie haben den Eindruck, dass Sie finanziell viel weniger Geld zur Verfügung haben als ihr Partner. Ihre Wahrnehmung ist, dass Sie jeden Cent umdrehen müssen und sich nicht einmal eine Altersvorsorge leisten können, während Mark deutlich mehr zur finanziellen Spielraum hat. So kommt es dazu, dass er Ihnen gelegentlich Dinge spendieren kann (Urlaub), die Sie sich eigentlich selbst erarbeitet haben.

Ihr Partnerschaftsmodell bedeutet: Sie kümmern sich hauptsächlich um Ihren Sohn und halten Mark den Rücken frei. Er hat dafür mehr Zeit, als Fotograf zu arbeiten. In diesem Partnerschaftsmodell der Rollenteilung sollten Sie keine finanziellen Nachteile davon haben, dass Sie mehr zu Hause sind.

Wenn in Partnerschaften einer oder beide Partner das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden, ist Unzufriedenheit die Folge. Der Partner, der sich übervorteilt fühlt, wird in der Folge

  • viel weniger Zärtlichkeit zeigen,
  • kaum noch Interesse an Sexualität haben,
  • wenig Wunsch verspüren, dem Partner zu helfen, 
  • ihm keine Geschenke machen,
  • öfters die Absicht haben, sich zu trennen.

Es sollte also im Interesse von Mark und Ihnen liegen, zu prüfen, ob eine Ungerechtigkeit vorliegt und wenn ja, diese zu beseitigen. Es ist ja nicht gesagt, dass Mark Sie bewusst übervorteilt. Vielleicht bleibt ihm genau so wenig Geld zur freien Verfügung, wenn er den Unterhalt für seine Tochter bezahlt hat. Oder er kann nicht gut mit Geld umgehen und hat den Eindruck, dass sein Geld nie reicht. Spekulieren hilft an der Stelle wenig. Sie beide können die Lage nur klar beurteilen, wenn Sie beide alle Zahlen und Fakten offen auf den Tisch legen.

Zeit für einen Kassensturz

Wie wäre es, wenn Sie Mark bitten, einen gemeinsamen Kassensturz zu machen und genau aufzulisten, was jeder im Monat und mit Zusatzeinnahmen (Urlaubsgeld, zusätzliche Aufträge etc.) einnimmt? Bei Mark wird das ja durch seine privaten Aufträge eher variabel sein, da müssten Sie sich ein System überlegen, um das festzuhalten. Zum Beispiel könnten Sie beide eine gemeinsame Exzel-Tabelle führen, bei der jeder seine Einkünfte genau einträgt. Oder Sie gehen am Ende jeden Monats gemeinsam die Rechnungsbücher oder Kontoauszüge durch. Und schauen Sie auch genau nach, wie viel Geld Mark in den letzten Jahren zurück gelegt hat – eigentlich sollte das Geld Ihnen beiden zustehen.

Außerdem brauchen Sie eine Aufstellung der festen Ausgaben (Miete, Nebenkosten, Handy, Versicherungen etc.) und eine Übersicht darüber, wie viel Geld im Monat für Essen, Kleidung für Ihren Sohn und andere wichtige Posten weggeht (am besten führen Sie drei Monate lang genau Buch darüber).

Rechnen Sie dann bitte aus, wie viel Geld Sie einnehmen und wieviel Sie regelmäßig für die oben genannten Posten ausgeben. Dann wissen Sie, was Ihnen am Ende des Monats übrig bleibt. Ihr Verlobter und Sie erhalten dann je die Hälfte des nicht verplanten Geldes zur persönlichen Verfügung (für persönlichen Bedarf wie Kleidung, Sportverein, Friseur, Pflegeartikel, Geschenke für den anderen, Kino, Essengehen etc.).


Am einfachsten wäre es, dass Sie beide ein gemeinsames Konto haben, auf das das Gehalt fließt. Von diesem Konto werden alle gemeinsamen Dinge bezahlt wie Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Kleidung für das Kind und Familienurlaub. Zusätzlich hat jeder von Ihnen ein privates Konto, auf das die Hälfte des nicht verplanten Geldes zur persönlichen Verfügung überwiesen wird. Über dieses Geld muss keiner Rechenschaft ablegen, und natürlich kann Mark von seinem Geld auch seiner Tochter Geschenke machen.

Aus meiner Sicht wäre es auch wichtig, dass Sie prüfen, wie viel Altersvorsorge jedem im Renteneintrittsalter zusteht. Es wäre fair, wenn Sie durch eine private Altersvorsorge dafür sorgen, dass beide die gleiche Rentenhöhe erhalten. Vielleicht lassen Sie sich beraten?

Ich hoffe, dass es Ihnen gelingt, Klarheit und Übersicht in Ihre Finanzen zu bringen und eine faire Lösung zu finden.

Herzliche Grüße, Julia Peirano  

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