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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe Die Familie meines Freundes ist manipulativ und respektlos

Christianes Freund will es seiner Familie recht machen (Symbolbild)
Christianes Freund will es seiner Familie recht machen (Symbolbild)
© stock-eye
Eigentlich hatte Christina eine harmonische Beziehung - wenn da nicht die Familie ihres Freundes wäre. Mutter und Schwester erwarten quasi Unterordnung - und er macht mit. Gibt einen Weg, die Beziehung zu retten?

Sehr geehrte Frau Dr. Peirano,

bis vor einigen Tagen war ich (31) in einer höchst glücklichen Beziehung mit meinem Partner (32). Die Basis unserer Beziehung war immer Ehrlichkeit und Liebe. Wir haben immer viele gemeinsamen Unternehmungen gehabt und es war immer ein harmonisches Zusammenleben. 

Als wir zusammen gekommen sind, wusste ich bereits, dass mein Freund eine sehr dominante Familie hat und diese für ihn eine große Rolle spielt. Seine Schwester ist verheiratet, hat ein Kind und wohnt nur einige Meter entfernt von der Wohnung meines Freundes. Bevor wir eine Beziehung hatten, hat er seine Freizeit fast ausschließlich mit der Schwester oder den Eltern verbracht. Für seine Nichte war er fast eine Art Ersatzvater, sie nannte ihn sogar manchmal Papa. Die Schwester hat ihn für die Betreuung des Kindes immer fest eingeplant, ohne ihn zu fragen, seine beruflichen Termine musste er danach planen. Sogar bei unserem ersten Date war die Familie seiner Schwester dabei. Wir sind gemeinsam in den Tierpark gegangen und erst abends waren wir alleine zum Abendessen. Er macht immer alles für seine Familie und ist jederzeit abrufbereit. Auch die Urlaube haben sie gemeinsam verbracht, mehrmals im Jahr. 

Ich war mir sicher, dass sich mit unserer Beziehung die Aktivitäten mit der Familie reduzieren würden. Was zunächst einmal auch geschehen war. Ich war erst dreimal zu Besuch im Elternhaus meines Freundes. Jedes Mal gab es merkwürdige Andeutungen bezüglich meiner Person, sei es in Bezug auf meine Herkunft (Italien) oder in Bezug auf meinen Beruf (Lehrerin). Es war immer auffällig, dass ich kaum in Gespräche mit einbezogen wurde und wenn es mal passierte, gab es unentwegt Meinungsverschiedenheiten. 

Das letzte Mal, dass ich bei seinen Eltern zu Besuch war, wurde ich von seiner Mutter wie ein kleines Mädchen angepflaumt. Sie wurde laut und aggressiv. Ich würde mich der Familie nicht anpassen, und würde irgendwelche Entscheidungen alleine treffen ohne Abstimmung meines Freundes. Es sei ja auch ihr Sohn. Meinem Freund war die ganze Situation höchst unangenehm, denn schließlich habe ich mich stets höflich und korrekt verhalten. 

Das besitzergreifende Verhalten der Mutter war sehr eindeutig. Auch mein Freund gab zu, dass es vollkommen egal gewesen wäre, ob ich es bin oder eine andere Frau. Nach der unangenehmen Situation mit seiner Familie hat er zu mir gehalten und mich in Schutz genommen, da er mich liebt und für uns kämpfen möchte. Ich habe ihm gesagt, dass ich mir Abstand zu seiner Familie wünsche und auch Zeit, das Geschehene zu verarbeiten. Dies hat er voller Überzeugung akzeptiert und war der Ansicht, wir würden es schaffen. Er hat sogar selber zugegeben, dass sich einiges ändern muss und er den Kontakt reduzieren möchte. 

Leider hat er nach nur einem Tag ganz plötzlich, nachdem er mit seiner Schwester (und vermutlich auch Mutter) gesprochen hatte, seine Meinung geändert. Plötzlich wollte er von mir hören, dass ich offen bin, seiner Familie wieder sofort entgegen zu gehen und machte mich für die Situation, die entstanden war, mitverantwortlich. Seine Mutter hätte ihre guten Gründen gehabt, so mit mir zu reden. 

Ich bin fassungslos und schockiert über seine Worte gewesen, aber gleichzeitig habe ich gemerkt, dass es nicht seine Worte waren und er das auch nicht gedacht hat. Ich bin der Meinung, dass er von seiner Familie emotional unter Druck gesetzt wurde und solange auf ihn eingeredet wurde, bis er es genauso gesehen hat wie die Mutter und die Schwester. Ich bin traurig und zutiefst verletzt, denn unsere Beziehung geht gerade zu Brüche nur wegen seiner Familie. Er wird von seiner Familie manipuliert und ist ihr Knecht. Wie kann ich ihm helfen, sich von dieser emotionalen Erpressung zu befreien, so dass wir unser eigenes Leben leben können ohne Beeinflussung seiner Familie?

Herzliche Grüße

Cristina M.

Liebe Cristina M.,

offensichtlich steht Ihr Freund sehr unter dem Pantoffel seiner Familie, und ich vermute, dass er schon in seiner frühesten Kindheit gelernt hat, alles zu machen, was seine Mutter will. Gibt es eigentlich keinen Vater? Es macht den Eindruck, als wenn in der Familie Ihres Freundes die Frauen das Sagen haben und wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten der anderen Familienmitglieder nehmen. Ein wenig klingt hier das Thema Narzissmus an, obwohl es natürlich schwierig ist, eine Ferndiagnose zu stellen. Aber vielleicht können Sie sich mit dem Thema beschäftigen?

Die Familie hat auf jeden Fall einen überstarken Familienzusammenhalt mit starker Abgrenzung nach außen. Die Spielregeln sind: Die Familie steht an erster Stelle. Und: Fremde müssen sich unterordnen.

Zeichen dafür sind: 

  • Die Schwester ist eindeutig übergriffig, indem sie ihren Bruder einfach in der Kinderbetreuung einplant.
  • Gegenüber dem Mann der Schwester ist des wenig respektvoll, wenn sein eigenes Kind ihren Onkel "Papa" nennt, obwohl das Kind einen Vater hat
  • Die Mutter ist ebenfalls übergriffig, indem sie sich mit der Freundin ihres Sohnes anlegt, ohne dass es es einen triftigen Grund dafür gibt
  • Dazu vergreift sie sich im Ton und wird laut und aggressiv
  • Die Familie respektiert keine Zweisamkeit, sondern schon beim ersten Treffen kommt sie mit
  • Die Familie grenzt sich Ihnen gegenüber trotzdem ab, so dass Sie bisher nur dreimal nach Hause eingeladen wurden

Mich würde interessieren, wie Ihr Freund als Kind dazu erzogen wurde, seine Familie an erste Stelle zu setzen und deren Meinung zu übernehmen. Es wäre möglich, dass seine Mutter (oder beide Eltern) mit Liebesentzug oder Strafen gearbeitet haben, wenn man sich entzogen hat oder nicht gemacht hat, was die Eltern wollten.

Bedenklich ist, dass Ihr Freund heute noch seiner Mutter so wenig entgegenzusetzen hat und sich von ihr - auch gegen Sie - so stark beeinflussen lässt. Letztlich wird ihm klar gewesen sein, dass er Partei ergreifen muss, wenn seine Freundin von der Mutter grundlos angegriffen wird. Jetzt hat er gegen Sie Partei ergriffen und verlangt, dass auch Sie sich der Meinung und Sicht der Mutter unterordnen.

Ich befürchte, dass Sie langfristig in dieser Familie keinen Platz finden würden, der Ihnen gefällt. Ihre Beziehung würde, insbesondere mit einem Kind, immer unter dem Regime der Mutter und der Schwester stehen, und Ihr Freund würde sich nicht genügend dagegen wehren und sich für Sie stark machen. Und Sie wären wahrscheinlich die böse Schwiegertochter.

Insofern sehe ich den Konflikt mit der Mutter als rote Flagge. Ich rate Ihnen, es sehr ernst zu nehmen, was geschehen ist und zu verlangen, dass die Angelegenheit (und Ihre angebliche Schuld) vollständig aufgeklärt wird, bevor Sie mit Ihrem Freund zur Tagesordnung übergeben. Ansonsten wäre zu befürchten, dass die Grenzverletzungen immer extremer werden, wenn Sie dem nicht jetzt Einhalt gebieten und sagen: "Bis hierhin und keinen Schritt weiter. Entweder wir klären es oder wir lassen es."

Letztlich ist Ihr Freund nicht wirklich frei, um eine Beziehung mit Freiraum zu beginnen. Er müsste deutlich zeigen, wie seine Prioritäten sind, damit Sie beide eine reelle Chance auf Zweisamkeit oder ein ungestörtes Familienleben haben.

Herzliche Grüße, Julia Peirano


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