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Quarantäne: Scheidungswelle in China – "Je mehr Zeit sie zusammen verbrachten, desto mehr hassen sie sich"

In China geht der Lockdown vorüber – und die Verwaltungen werden von Scheidungswilligen gestürmt. Viele Paare verbrachten die Isolation nicht in Harmonie, sondern in einem immerwährenden Streit.

Nach zwei Monaten Quarantäne haben viele Paare genug.

Nach zwei Monaten Quarantäne haben viele Paare genug.

Getty Images

Die Quarantäne ist für viele Paare kein zweiter Honeymoon. Der erste Gang in Freiheit führt in China häufig zum Scheidungsanwalt, das berichtet "Bloomberg" unter Berufung auf chinesische Medien. Die offizielle Scheidungsstatistik wird erst im nächsten Jahr veröffentlicht, aber die Medienberichte häufen sich.

Zwei Monate verbrachte Frau Wu in der Isolation - es waren zwei Monate des Streits und der Kämpfe. Besonders ärgerte sie, dass ihr Mann mit den Kindern wilde Spiele anfing, wo sie eigentlich schlafen sollten. "Er ist der Unruhestifter im Haus", klagt sie. "Ich will das nicht mehr ertragen. Wir haben uns auf die Scheidung geeinigt, und als Nächstes müssen wir uns Anwälte suchen."

Schock in der Verwaltung

Die Scheidungswelle traf die Verwaltung mit voller Wucht. Anstatt nach der Isolation einmal durchatmen zu können, "hatten die Mitarbeiter nicht einmal Zeit, Wasser zu trinken", weil so viele Paare Schlange standen, um die Scheidungsanträge einzureichen, hieß es auf der Website einer Stadtverwaltung in der Provinz Miluo. Die Beamten konnten kaum mit der Bearbeitung mithalten, hieß es. "Belanglose Angelegenheiten im Leben führten zur Eskalation von Konflikten, und schlechte Kommunikation hat dazu geführt, dass alle von der Ehe enttäuscht waren und die Entscheidung zur Scheidung getroffen haben", sagte der Direktor des städtischen Meldezentrums, Yi Xiaoyan.

Der Shanghaier Scheidungsanwalt Steve Li sagte zu "Bloomberg", dass die Zahl seiner Klienten deutlich gestiegen sei. Früher war meist Untreue der Grund, warum er aufgesucht wurde, nun ist es die erzwungene Zweisamkeit. "Je mehr Zeit sie zusammen verbrachten, desto mehr hassen sie sich", klagte Li. "Die Menschen brauchen Raum. Nicht nur für Paare - das gilt für alle."

Hören Sie passend zum Thema auch den "Wir und Corona"-Podcast:

Zunahme von Gewalt

Auch Vorfälle häuslicher Gewalt nahmen in China zu. Einzelne Meldungen deuten auf eine Verdreifachung der Anzeigen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hin. Feng Yuan, Mitbegründerin von Equality einer Hilfsorganisation in Peking, sagte: "Die Abriegelung bringt latente Tendenzen zu Gewalt zum Vorschein, die vorher vorhanden waren, aber nicht herausgekommen sind. Die Abriegelung erschwert auch die Suche nach Hilfe." Wegen der Abriegelung sei die Polizei überfordert und das Gerichtswesen lahmgelegt gewesen. Die Erfahrungen der SARS-Epidemie von 2002/2003 lehren, dass die Belastungen durch derartige Seuchen lange nachwirken – noch im Jahr 2004 war die Scheidungsrate in Hongkong um 21 Prozent höher, als zu erwarten gewesen wäre.

30 Tage Bedenkzeit

Die Scheidungsverfahren in China sind normalerweise sehr unkompliziert. Nun soll der Nationale Volkskongress per Gesetzesvorschlag eine Notbremse vorsehen. Dann müssten Paare nach ihrem Antrag zunächst einmal 30 Tage abwarten, bevor die Scheidung rechtskräftig wird. Eine Art erzwungene Bedenkpause. Alte Paare lassen sich selten scheiden, doch jüngere haben ein unkompliziertes Verhältnis zur Ehe, sagte der Scheidungsanwalt Li. "Heute sagt eine Person einfach: 'Ich mag dich nicht mehr', und am nächsten Tag reicht sie die Scheidung ein."

Ob die heimliche Hoffnung des Staates in Erfüllung geht, dass der Lockdown zu einem Babyboom führt, der die Spätfolgen der Ein-Kind-Politik mildern könnte, muss noch abgewartet werden.

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