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Bildung: Elite-Hochschulen: Vision braucht Kapital

Die SPD hat ein ehrgeiziges Ziel: Sie will in Deutschland Spitzenhochschulen etablieren, die mit internationalen Elite-Unis konkurrieren können. Ein forsches Vorhaben, jedoch das Geld fehlt noch.

Die SPD hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie will in Deutschland Spitzenhochschulen und Forschungszentren etablieren, die mit internationalen Elite-Hochschulen wie Harvard und Stanford konkurrieren können. Ein forsches Vorhaben, jedoch das Geld fehlt noch. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will mit Hilfe von Bund, Ländern und der Wirtschaft den Aufbau von staatlichen Top-Universitäten vorantreiben. Doch hier steht ihr noch massive Überzeugungsarbeit bevor, denn die Spendenkultur deutscher Unternehmen unterscheidet sich deutlich von der in den USA. So zählt die schon immer wohlhabende private Harvard-University inzwischen zu den reichsten Non-Profit-Organisationen der Welt.

Sollten neue Elite-Universitäten geschaffen werden?

Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, geht davon aus, dass jährlich 60 bis 100 Millionen Euro notwendig wären, um einen Teil der deutschen Hochschulen in die Weltliga zu bringen. Dabei gestaltete sich schon der Aufbau der privaten Elitehochschule für den Managernachwuchs der deutschen Wirtschaft in Berlin schwierig. Das Stiftungskapital von 100 Millionen Euro kam nur mühsam zusammen. Und der Start der International University Bremen (IUB) 1999 benötigte einen Anschub des Landes Bremen in Höhe von 118 Millionen Euro.

Yale gehört zu den reichsten Universitäten der USA

Zugegeben - die im Jahr 1636 gegründete Havard University in Cambridge/Massachusetts hatte auch über dreieinhalb Jahrhunderte Zeit, mit Hilfe von gut situierten Ehemaligen und anderen Wohltätern ihre Kapitalausstattung bis 2001 auf knapp 18 Milliarden Dollar zu erhöhen - Gebäude, Landbesitz und eine Kunstsammlung nicht eingerechnet. Auch die 1746 gegründete Princeton Universität leidet nicht an Geldmangel. Sie verfügte vor etwa fünf Jahren über ein Kapital von 4,7 Milliarden Dollar, die Immobilien exklusive. Jährlich steht der Hochschule ein Budget von mehreren hundert Millionen Dollar zur Verfügung. Sie schickte Agenten für Fund Raising aus, um ehemalige Absolventen auf- und bei ihnen Geld einzutreiben.

Anregungen für ein Verständnis von Elite, das über fachliche Spitzenleistungen und Spitzeneinkommen hinausgeht, bietet die 1701 ins Leben gerufene Universität Yale in New Haven/Connecticut. An den Campus grenzen Elendsviertel. Die Universität gehört zu den reichsten der USA, und New Haven gehört zu den ärmsten Kommunen des Landes. Viele Studenten engagieren sich in karitativen Organisationen. Sie geben Schülern kostenlos Nachhilfe, betreuen Rentner oder Behinderte. Die Jura-Fakultät von Yale gilt als eine der besten in den USA.

Vision von zehn Elitehochschulen

Ausgesprochen großen Wert auf sozial- und gesellschaftspolitisches Engagement der künftigen Führungskräfte legt die private Bucerius Law School in Hamburg. Ein solches Engagement zählt sogar zu den Auswahlkriterien für die Studierenden an der Hochschule, wie Geschäftsführer Markus Baumanns betont. Auch während des Studiums werde Gelegenheit zu sozialen Aktivitäten gegeben.

Neben diesen Aspekten stellt sich auch die Frage: Wird eine Vision von zehn Elitehochschulen, wie sie Bulmahn vorschwebt, der Wirklichkeit der deutschen Hochschullandschaft gerecht? Denn wie die Verteilung der Forschungsgelder der DFG je Hochschule und Wissenschaftsgebiet zeigt, ragen einige Hochschulen mit ganz bestimmten Fachgebieten als Leuchttürme heraus. So fordern denn auch Wissenschaftsminister, die Bundes-Grünen und Hochschulrektoren, nicht einzelne Hochschulen zu protegieren, sondern bereits erfolgreich arbeitende Forschungsbereiche und Fakultäten.

Ursula Mommsen-Henneberger, dpa

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