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bochum: Nie wieder Magister?!

Gestufte Studiengänge an der RUB sind beschlossene Sache

Gestufte Studiengänge an der RUB sind beschlossene Sache

Jetzt ist es endgültig beschlossen - die Ruhr-Universität Bochum (RUB) führt als erste Universität in Deutschland zum kommenden Wintersemester für alle geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer die gestuften BA-/MA-Studiengänge (Bachelor/Master) ein. Ende letzter Woche beschloss der Senat der RUB die Ablösung der alten Magisterstudiengänge, obwohl besonders von studentischer Seite die Einführung des zweigeteilten Studiums mit dem neuen berufsqualifizierenden Abschluss »BA« stark kritisiert wird. Als konsequente Reform der geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge versteht die Universität den Beschluss, die Studierenden hingegen befürchten, dass der freie Zugang zum neuen Masterstudium in Zukunft erschwert wird.

Die RUB bewertet die Einführung des neuen Modells als Erfolg. Daher soll auf dieser Grundlage auch bald das Problem der Lehrerausbildung in Bochum gelöst werden: ebenso wie die Geistes- und Sozialwissenschaften sollen so die Lehramtsstudiengänge in Zukunft nur noch mit BA und MA abgeschlossen werden können. Damit entspricht die RUB den Forderungen des Expertenrates und des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums. Damit auch bei konsekutiven Studiengängen zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften und der Lehrerausbildung alles glatt läuft, habe die Universität besonders auf Kompatibilität mit dem neuen Lehramt geachtet, heißt es in einer Pressemitteilung der RUB. Der Beschluss sei »ein Meilenstein zur überfälligen Reform der Lehrerausbildung«.

Die BA/MA-Einführung soll vor allem die positiven Erkenntnisse aus dem seit 1993 laufenden Versuch des Magister-Reformmodells aufnehmen - die Studierenden belegen nur noch zwei gleichberechtigte Fächer und erwerben mit einer Reihe von Kursen im »Optionalbereich« unterschiedliche Schlüsselqualifikationen. Diese »soft skills« sind frei wählbar und gelten als integraler Bestandteil des Studiums. Als besonderen Vorteil dieses Optionalbereichs sieht die RUB, dass er flexibel und individuell kombinierbar ist - die Studierenden sollen sich ihr Qualifikationsprofil exakt nach den Erfordernissen des Arbeitsmarktes zusammenstellen. Mindestens drei Bereiche aus fünf angebotenen müssen dabei abgedeckt werden.

Zusätzlich zu neuen Abschlüssen und dem Augenmerk auf Schlüsselqualifikationen legt die RUB Wert auf eine europäische Annäherung. Die Reform führt das so genannte European Credit Transfer System (ECTS) ein, das die Kompatibilität verspricht, wie die europäischen Kultusminister sie fordern. Beim ECTS wird das Gewicht der Abschlussprüfung reduziert, stattdessen sollen die Ergebnisse studienbegleitender Prüfungen in die Abschlussnote einfließen.

Die Fakultät für Philosophie, Pädagogik und Publizistik, die Fakultät für Geschichtswissenschaft, die Fakultät für Philologie und die Fakultät für Sozialwissenschaft werden die gestuften Studiengänge zum Wintersemester einführen. Einzig Sozialwissenschaft bleibt auch als Diplomstudiengang erhalten. Die RUB erwartet zudem in Kürze die Ergebnisse zu den Anträgen der Fakultät für Ostasienwissenschaften und der Katholisch-Theologischen Fakultät. Und auch die naturwissenschaftlichen Fakultäten der RUB reformieren ihre Studiengänge nach dem konsekutiven Modell. Es scheint tatsächlich, als sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis der gute alte Magister endgültig ausgedient hat. (ts)

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