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Energiekosten: Dem Ölpreis ein Schnippchen schlagen

Hohe Tankrechnungen, Nachzahlungen für die Heizkosten, Preisaufschläge für Flugreisen: Nicht erst, seit der Ölpreis zum ersten Mal die Marke von 100 Dollar überschritten hat, graust es die Verbraucher. Mit einigen Tricks kann man trotzdem sparen.

Der Ölpreis hat zum ersten Mal die Marke von 100 Dollar überschritten - und ein Ende der Preisspirale ist noch lange nicht absehbar. Laut einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) droht in den kommenden zehn Jahren eine Verdreifachung des Benzinpreises. "Sollte sich der Ölpreis verdoppeln - was nicht unwahrscheinlich ist - und der Dollarkurs normalisieren, würde der Liter Super vier Euro kosten", sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der "Bild-Zeitung". So ein Anstieg würde auch Mieter hart treffen: Der Deutsche Mieterbund schätzt, dass die Kosten für Warmwasser und Heizung um horrende 75 bis 80 Prozent steigen würden.

Dabei spüren die Verbraucher die hohen Preise bereits seit den letzten Erhöhungen an allen Ecken und Enden: Hohe Tankrechnungen, Nachzahlungen für die Heizkosten, Preisaufschläge bei Flugreisen. Doch jeder kann seine persönliche Energierechnung steuern: stern.de beantwortet die zehn wichtigsten Fragen um das Thema, wie man sich vor dem hohen Ölpreis schützen kann.

Kann ich mich vor steigenden Energiepreisen schützen?

Ja, auf zwei Wegen: Den Verbrauch senken und günstige Einkaufsmöglichkeiten nutzen. Beim Verbrauch hilft etwa im Auto eine ruhige Fahrweise - früh hochschalten, bei Stopps den Motor abstellen, nicht Höchstgeschwindigkeit fahren.

Soll ich jetzt noch in Ölaktien investieren?

Lieber nicht, wie Aktienexperte Ingo Schmidt von der Hamburger Sparkasse (Haspa) sagt. Werte wie Exxon oder BP würden von den aktuellen Rekordpreisen beim Öl nicht profitieren, weil die Förderkosten immer höher stiegen. Schmidt rät zu Werten von Versorgern, die in den letzten Jahren kontinuierlich von den steigenden Energiepreisen profitiert hätten.

Kann ich als Kleinanleger auch sogenanntes Papieröl kaufen?

Als Papieröl werden zum Beispiel Optionen auf den Kauf von Öl bezeichnet. So kann man am Ölhandel teilnehmen, ohne tatsächlich Öl kaufen zu müssen. Auch in Deutschland werden solche Papiere inzwischen gehandelt. Haspa-Experte Schmidt rät unerfahrenen Anlegern aber davon ab. Für Geschäfte mit Rohstoffen sei Erfahrung notwendig, sagt Schmidt.

Soll ich jetzt noch Heizöl kaufen?

Heizöl ist zurzeit mit über 70 Cent pro Liter sehr teuer. Der Preis erreichte zum Jahresende 2007 fast Rekordstände. Kein Wunder, dass viele Hausbesitzer nur wenig Heizöl gebunkert haben. Der Nachteil: Sie müssen früher oder später den Händler anrufen. Wer noch genug im Tank hat, sollte jetzt jede Woche die Preise beobachten, denn zum Ende des Winters geht vor allem der Rohölpreis traditionell wegen des sinkenden Verbrauchs zurück. Wer jetzt kaufen muss, kann eine Teilmenge bestellen und dann niedrigere Preise abwarten.

Wie teuer wird Öl noch werden?

Das weiß niemand. DIW-Expertin Claudia Kemfert meint: "In fünf Jahren ist ein Ölpreis von 150 Dollar wahrscheinlich, in zehn Jahren sogar ein Preis von 200 Dollar." Allerdings kann der Preis im laufenden Jahr auch wieder sinken, etwa nach Ende der Heizperiode im Frühjahr.

Wann schlägt der hohe Rohölpreis auf Benzin und Heizöl durch?

Das wird nicht lange dauern. Der Großhandelspreis für Benzin ist in Rotterdam schon auf einen Rekordwert gestiegen, wie der Branchenverband MWV mitteilte. Die Preiswelle erreicht üblicherweise sehr schnell Deutschland. Auswirkungen des Preiskampfes im Dezember wirken aber noch nach und dämpfen den Benzinpreis.

Gehen die Ölvorräte jetzt zu Ende?

Völlig unterschiedlich sind die Ansichten darüber, wie lange das Öl noch reicht. Nach Angaben des Ölkonzernes Esso gibt es 175 Milliarden Tonnen sichere Weltölreserven, jedes Jahr werden neue Funde gemacht. Außerdem gibt es darüber hinaus große sogenannte Öl-Ressourcen. Das sind Lager, die bekannt sind, aber mit heutiger Technik nicht wirtschaftlich zu fördern, etwa unter der Tiefsee. Experten der Industrie erwarten, dass Öl nicht ausgeht, sondern dass der Preis irgendwann so hoch steigt, dass andere Energieformen wirtschaftlicher werden.

Wem nützen die hohen Ölpreise?

Vor allem den Förderländern. Das sind die OPEC-Länder mit Saudi-Arabien an der Spitze, aber auch Russland, Norwegen oder Großbritannien. Auch in den USA wird noch viel Öl gefördert, aber noch mehr verbraucht. Auch die großen Ölkonzern wie Exxon, BP oder Shell fuhren in den letzten Jahren Rekordgewinne ein, weil sie eigene Fördergebiete besitzen. Allerdings werden sie immer mehr in teure Fördergebiete wie die Tiefsee gezwungen, weil die meisten Öllager von staatlichen Gesellschaften ausgebeutet werden. Das aber treibt die Förderkosten hoch.

Wie kann ich meine Nebenkosten für Heizung und Warmwasser niedrig halten?

In Haus oder Wohnung die Heizung herunterdrehen, Duschen statt Baden, zugige Türen und Fenster abdichten, nicht Dauerlüften. Beim Einkauf etwa von Heizöl Einkaufgemeinschaften mit den Nachbarn bilden, um Mengenrabatte beim Händler zu erzielen. Und auf Zeiten niedriger Preise achten und dann kaufen. Bei Strom und Gas nach günstigen Anbietern suchen.

Wie werden wir morgen heizen und unsere Autos antreiben?

Vor allem soll gespart werden: Häuser werden zur Zeit im großen Stil isoliert, damit nicht länger zehn Liter pro Quadratmeter und Jahr an Öl verheizt werden, sondern nur noch sieben oder sogar nur drei. Die Bundesregierung fördert zum Klimaschutz solche Dämm- und Modernisierungsprogramme. Außerdem werden erneuerbare Energien wie Sonne (Solarkollektoren auf dem Dach) oder Erdwärme (Wärmepumpe) eine größere Rolle spielen. Bei den Autos soll auch der Verbrauch sinken, außerdem soll mehr Diesel und Benzin aus Biomasse hergestellt werden. Auch leistungsfähige Stromantriebe werden zurzeit entwickelt.

AP / AP

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