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Energiekosten: Ran ans Heizöl

Die weltweite Angst vor einer Rezession hat den Ölpreis auf den niedrigsten Stand seit 14 Monaten gedrückt. Nun registrieren die Mineralölkonzerne einen Ansturm auf Heizöl. Doch wer seinen Tank günstig füllen will, braucht derzeit vor allem eines: Geduld.

Die Finanzkrise sorgt endlich auch für einen kleinen Lichtblick beim Verbraucher. Wegen der weltweiten Angst vor einem Wirtschaftsabschwung ist der Ölpreis auf seinen niedrigsten Stand seit 14 Monaten gesunken. Zuletzt kostete am Donnerstag ein Barrel (159 Liter) Rohöl im elektronischen Handel der New Yorker Börse 72,10 Dollar - das sind 2,44 Dollar weniger als am Tag zuvor. Bei einer Rezession würde nach Ansicht von Experten der Ölverbrauch zurückgehen. Benzin, Diesel und Flugtickets werden deshalb billiger. So fiel der Benzinpreis in Deutschland zuletzt deutlich.

Angesichts der sinkenden Ölpreise verzeichnen die Mineralölkonzerne gerade einen Ansturm auf Heizöl. Durch die überdurchschnittlich große Nachfrage kommt es laut einem Zeitungsbericht bei vielen Unternehmen bereits zu Lieferengpässen. "Unsere Kunden müssen jetzt sechs bis acht Wochen auf ihr Heizöl warten", sagte Claudia Braun, Sprecherin vom Mineralölkonzern Aral, dem "Hamburger Abendblatt". In den vergangenen zwei Jahren sei die Nachfrage wegen der hohen Preise eher gering gewesen.

Auch bei großen Heizölhändlern des Mineralölkonzerns Shell betragen die Wartezeiten dem Bericht zufolge vier bis fünf Wochen. Nachdem sich der Rohölpreis in den vergangenen Monaten nach seinem Höchststand von Anfang Juli wieder halbiert hat, ist auch Heizöl billiger geworden. Der Preis ist von fast 100 auf rund 70 Euro je 100 Liter gesunken, berichtet die Zeitung.

Große Vorräte

Händler nannten als Grund für den jüngsten Preisrutsch neue Daten zu den Lagerbeständen der USA. So waren die Vorräte an Rohöl und Benzin in der vergangenen Woche deutlich stärker als erwartet gestiegen. Die Rohölbestände kletterten nach Angaben des US-Energieministeriums um 5,6 Millionen Barrel, während Analysten mit einem geringeren Zuwachs um 1,9 Millionen Barrel gerechnet hatten. Die Benzinbestände stiegen ebenfalls überraschend stark um 7,0 Millionen Barrel. Hier hatten Experten einen Zuwachs um nur 2,9 Millionen Barrel erwartet.

Zocker profitierten

Da sich viele Haushalte bereits mit Heizöl eingedeckt haben, profitieren von den niedrigen Heizölpreisen diesmal die Zocker - also jene, die mit dem Kauf noch gewartet haben. Allerdings sollten auch die nun rasch zuschlagen, denn weiter sinken wird der Ölpreis wahrscheinlich nicht.

Ein Zeichen dafür ist, dass die Organisation Erdöl Exportierender Länder (Opec) ihr für November geplantes Sondertreffen offenbar wegen der Finanzmarktkrise und der fallenden Ölpreise um dreieinhalb Wochen vorverlegt hat. Statt am 18. November werde die Sondersitzung am 24. Oktober stattfinden, teilte die in Wien ansässige Organisation am Donnerstag mit. Beobachter erwarten von dem Treffen die Ankündigung einer Kürzung der Fördermenge, um ein weiteres Abrutschen der Rohölpreis zu verhindern.

DPA/AP/DDP / AP / DPA

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