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hamburg: Vom Leben eines Hauptgebäudes

Das Aushängeschild der Uni wird 90

Das Aushängeschild der Uni wird 90

Grammatikalisch gesehen sind sie nur drei Artikel und drei Substantive. Symbolisch gesehen aber sind sie die Uni Hamburg, genauer gesagt: das Hauptgebäude an der Edmund-Siemers-Allee. Sie: Das sind die sechs über dem Portal des Gebäudes prangenden Wörter: »Der Forschung, Der Lehre, Der Bildung«. Seit fast auf den Tag genau 90 Jahren erinnern sie stumm daran, welch hehren Zielen das Studium gewidmet ist.

So mancherlei hat der Schriftzug gesehen seit jenem 13. Mai 1911, an dem das heutige Hauptgebäude an der Moorweide eingeweiht wurde: Krieg und Zerstörung, Wiederaufbau und Improvisation, Proteste und Demonstrationen und schließlich eben auch Forschung, Lehre und Bildung.

Doch von Anfang an: Bereits 1909 gelang es Edmund Siemers, dem Namensgeber besagter Allee vor dem Hauptgebäude, den Senat der Stadt davon zu überzeugen, wie elementar eine Hochschule für Hamburg sei. Fertig gestellt 1911, realisierten sich Siemers Pläne jedoch erst acht Jahre später. Das dunkelste Kapitel des neuen Universitätsgebäudes ließ nicht lange auf sich warten: Am 1. Mai 1933 bekannten sich die Professoren im Hörsaal A des Kuppelbaus zur »Nationalen Revolution«. Als der von Hitler und seinen Helfern angezettelte Krieg schließlich zu Ende und verloren war, glich der neoklassizistische Bau einer Ruine. Erst zum Wintersemester 1945/1946 konnte die Universität ihren Studienbetrieb erneut aufnehmen. Die Not machte erfinderisch: Auf den brach liegenden Flächen rund um das Hauptgebäude wurde Ackerbau betrieben, Studenten mussten bei der Beschaffung von häufig nur auf dem Schwarzmarkt zu ergatterndem Baumaterial ihre Beziehungen spielen lassen und auch selbst tatkräftig mit Hand anlegen.

Die nächste Krise erschütterte die Feste des Gebäudes in den Jahren 1968/1969. Eine Welle von Protest brandete durch die Universität, als neue Zwischenprüfungen eingeführt wurden. Der Philosophenturm, heute Sitz der Sprachwissenschaftler, wurde besetzt und schließlich von der Polizei zwangsgeräumt. Auch Scheiben des Hauptgebäudes gingen im Steinhagel der Studenten zu Bruch. 1981 kletterten gar RAF-Sympathisanten auf das bis dahin nur provisorisch wieder hergestellte Dach des Kuppelbaus und schrieben Parolen auf die Dachpappe.

Erst 1985 wurde das ursprüngliche Kupferdach wieder aufgelegt. Noch heute ist die imposante, inzwischen von Patina überzogene Kuppel das erste, was von dem Hauptgebäude im Blickfeld des Studenten erscheint, wenn er vom Bahnhof Dammtor kommend in Richtung Uni geht. Nähert er sich, so kann er den Schriftzug über dem Eingang entziffern: Die sechs Wörter, die die Uni bedeuten. (cp)

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