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Mary W. Jackson Sie war eine der "Hidden Figures": Nasa widmet Hauptgebäude erster schwarzer Ingenieurin

Mary Jackson, erste schwarze Ingenieurin der Nasa
Die Nasa benennt ihr Hauptgebäude nach Mary Jackson, der ersten schwarzen Ingenieurin in Diensten der Raumfahrtbehörde.
© Nasa / AFP
Es ist ein Zeichen gegen den Rassismus in den USA: Die Nasa bennent ihr Hauptgebäude in Washington nach der ersten afroamerikanischen Ingenieurin im Dienst der Raumfahrtbehörde, Mary W. Jackson.

Angesichts der seit Wochen anhaltenden landesweiten Anti-Rassismus-Proteste in den USA benennt die Weltraumagentur Nasa ihren Hauptsitz in Washington um - und zwar zu Ehren ihrer ersten schwarzen Ingenieurin Mary W. Jackson. "Mary hat geholfen, Barrieren zu überwinden und Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern Chancen auf dem Gebiet der Technik und Technologie zu eröffnen", erklärte Nasa-Chef Jim Bridenstine aus Anlass der Ehrung. Jackson und die Geschichte mathematisch hochbegabter schwarzer Frauen in Nasa-Diensten in den 1950er-Jahren wurde einem größeren Publikum durch den erfolgreichen Hollywood-Film "Hidden Figures" von 2017 bekannt, der auf dem gleichnamigen Buch von Margot Lee Shetterly beruht. Mary Jackson wird in dem Film von Janelle Monáe dargestellt.

Jackson habe "zu einer Gruppe von sehr wichtigen Frauen gehört, die der Nasa geholfen haben, amerikanische Astronauten ins All zu bringen", sagte Bridenstine weiter. Er kündigte an, dass das neue "Mary W. Jackson"-Hauptquartier am "Hidden Figures Way" liegen werde, der erst im vergangenen Jahr so umbenannt worden war.

Mary Jackson - eine der "menschlichen Computer"

Die 1921 in Hampton, Virginia geborene Mary Winston Jackson wurde 1951 von der Nasa-Vorgängerinstitution Naca als Forschungsmathematikerin rekrutiert. Sie gehörte jener Gruppe schwarzer Frauen an, die dank ihrer mathematischen Fähigkeiten maßgeblich dazu beitrugen, dass Nasa-Astronauten zum Mond fliegen konnten. Die Berufsbezeichnung der jungen Mathematikerinnen lautete seinerzeit tatsächlich "menschliche Computer". In der Frühzeit der Raumfahrt verließ sich so mancher Astronaut lieber auf die Rechenkünstlerinnen als auf die noch sehr großen, klobigen und im Vergleich zu heutigen Geräten wenig leistungsfähigen Rechner dieser Zeit.

Trotzdem reichte die Wertschätzung in Zeiten der Rassentrennung in den USA nicht so weit, dass die Frauen mit ihren weißen Kollegen zusammen arbeiten durften. Ihre Berechnungen stellten sie separat in der sogenannten West Area Computing Unit des Langley Research Instituts, einer auch heute noch existierenden Nasa-Forschungseinrichtung in Mary Jacksons Geburtsstadt Hampton.

Zu der Gruppe, deren Beitrag zum Erfolg der amerikanischen Raumfahrt nie ausreichend gewürdigt wurde, gehörte seinerzeit auch Katherine Johnson, die erst im Februar im Alter von 101 Jahren gestorben ist. Johnson schaffte dank ihrer Berechnungen zu Flugbahnen im All eine entscheidende Voraussetzung für die Apollo-11-Mission zum Mond.

"Ich habe Mathe immer gemocht"

Erste schwarze Ingeneurin der Nasa aber wurde Mary Jackson. Die studierte Mathematikerin und Physikerin arbeitete zunächst als Lehrerin, ehe sie von der Naca wegen ihrer Begabung für das beginnende Raumfahrtprogramm gewonnen wurde. "Ich habe Mathe immer gemocht", berichtete Jackson 1977 der Zeitschrift "Ebony". Nach fünf Jahren als Forschungsmathematikerin bei der Nasa und "nachdem ich Zusatzkurse am Hampton Center der Universität von Virginia genommen hatte, bekam ich dank eines speziellen Programms die Möglichkeit Ingenieurin in Ausbildung zu werden und seither bin ich eine Luft- und Raumfahrtingenieurin." Am Langley Forschungszentrum leitete sie schließlich aeronautische Tests im Windkanal. Die Nasa verließ sie nach 34 Jahren als Rentnerin. In ihren letzten Jahren war sie noch in der Personalabteilung der Raumfahrtbehörde tätig.

Es war ihre gute Bildung, die Mary Jackson unter schwierigsten Bedingungen in die Lage versetzte, sich zu entwickeln. Dies zu vermitteln, war der zweifachen Mutter auch nach ihrer Zeit als Lehrerin ein Anliegen. Daher betrieb sie neben ihrer Arbeit bei der Nasa einen Wissenschaftsclub für schwarze Jugendliche. Sie wirkte dabei am Bau eines Windkanals mit, um durch Experimente bei den jungen Menschen das Interesse an der Luftfahrt zu wecken. 

Nasa-Chef: "Nation wacht endlich auf"

Eine besondere Würdigung durch die Nasa, wie sie nun durch die Umbenennung des Hauptsitzes der Raumfahrtagentur geschieht, erlebte Mary W. Jackson zu ihren Lebzeiten nicht. Trotzdem hat sie versucht, ihre zunächst sehr kleine Chance zu nutzen. Jackson starb 2005 im Alter von 85 Jahren in ihrer Geburtsstadt. Die Nation wache nun endlich auf und würde "die ganze Vielfalt der Menschen ehren, die geholfen haben, unserer großen Nation den Weg zu ebnen", erklärte Nasa-Chef Bridenstine mit dem gewohnten Pathos der US-Raumfahrer. Es ist die zweite große Anerkennung des Lebenswerkes von Mary Jackson. Schon im vergangenen Jahr war sie posthum mit der Goldmedaille des Kongresses ausgezeichnet worden - aufgrund des "Hidden Figures Congressional Gold Medal Act", unterzeichnet von Präsident Donald Trump. 

Quellen: Nasa, "Ebony", Nachrichtenagentur AFP, Langley Research Center


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