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H. Hell: Was ich über Sex gelernt habe: (Kein) Weihnachts-Sex im Kinderzimmer

Wer die Festtage im Elternhaus seines Partners verbringt, wird zwangsläufig auf verstörende Reliquien aus dessen Jugend stoßen. Stichwort: "Southpark"-Bettwäsche. Wie blendet man solche Abtörner aus?

Umgeben von Southpark-Reliquien nützt auch die schönste Weihnachtswäsche wenig.

Umgeben von Southpark-Reliquien nützt auch die schönste Weihnachtswäsche wenig.

Die Familie deines Freundes wohnt am anderen Ende des Landes und du hast "Schatzi" versprochen, dass ihr in diesem Jahr die Festtage bei seinen Eltern verbringen werdet? Okay. Nett von dir. Aber eins lass’ dir gesagt sein: Es wird sicherlich kein Zuckerschlecken, sein altes Kinderzimmer zu Gesicht zu bekommen. Denn genau dort wird euch seine Mutter unterbringen. Viel Spaß beim Trip in die (traurige) Jugend eines 15-jährigen Computernerds, (Möchtegern-) Punks oder dauerbekifften Hobbyskaters.

Schlafkomfort? Fehlanzeige. Da dein Liebster als Teenager leider keinen Grund hatte, sich ein Doppelbett zuzulegen – er wurde erst mit 22 entjungfert –, wird es so aussehen, dass einer von euch auf einer aufblasbaren Matratze neben seinem alten Einzelbett (zugepflastert mit Aufklebern von Skaterlabels) pennen muss.

Im Schrein der Pubertät

Um euch herum: die verstörenden Reliquien seiner Pubertät. Zum Beispiel sein altes "Slipknot"-Poster, welches immer noch an den Dachschrägen über seinem Sofa hängt. Mit grinsenden Horrorclowns darauf, die nur darauf warten, euch beim Sex in seiner alten "Southpark"-Bettwäsche zu beobachten. Übrigens nicht die einzigen Spanner rund um euren Schlafplatz. Auf dem Nachttisch stehen kleinen Plastikfiguren von Kyle, Stan, Cartman und Kenny und grinsen euch an.

Dein Freund schnipst gegen Kenny und gluckst: "Oh, mein Gott! Sie haben Kenny getötet, diese Schweine!" Das Kultzitat aus der Trickfilmserie. Er lacht wie ein kleiner Junge. Du auch. Aber mehr so aus Verzweiflung.

stern-Stimme Henriette Hell

stern-Stimme Henriette Hell

Wirklich entzückend, dass seine Mutter nichts aus seinen Jugendtagen weggeworfen hat. Dabei wird "Schatzi" dieses Jahr 34! Und eigentlich findest du ihn auch ziemlich männlich und sexy und cool. Nur heute eher nicht so ...

Kaum zu fassen: Sogar seine alte Bong steht noch im Regal! Allerdings mit einem Strauß getrockneter Kornblumen darin. "Mutter denkt immer noch, das ist ‘ne Vase", freut sich dein Freund.

Dein Blick bleibt am Bücherregal hängen. Darin stehen jene Klassiker, die fast alle Jungs besitzen, die Anfang der 2000er ihr Abi gemacht haben: "Fear and Loathing in Las Vegas", "Trainspotting", "The Big Lebowski" – und ganz hinten: "Gina Wild" – Teil 1 bis 6.

Daneben steht, praktisch, eine Box Kleenex. Außerdem liegen da haufenweise Feuerzeuge, ein kaputter Vaporizer und ein Grinder mit psychedelischen Verzierungen. Herrlich! Da verliebt man sich direkt nochmal neu in den eigenen Verlobten.

Hier scheitert auch die Entschlossene

So, und nun versucht mal HIER Sex zu haben. Immerhin werdet ihr eine ganze Woche bei seinen Eltern verweilen. Frischverliebt wie ihr (noch) seid, müsst ihr es ja irgendwann tun.  Nur soviel: Leicht wird es nicht. Da hilft auch die "romantische" LED-Beleuchtung von "Schatzis" altem Terrarium nichts. Geschweige denn, dass darin zwei Schlangen namens Harold und Kumar auf der Lauer liegen.

"Gleich bringt Mama die Mäuse für die Fütterung", teilt dir dein Freund aufgeregt mit. "Wenn du willst, kannst du auch eine reinwerfen!" Ähm, ja. Nein. Bloß nicht!

Du willst lieber erstmal duschen. Dein Freund reicht dir ein Badehandtuch, auf dem Goofy abgebildet ist. Süß. 

Immerhin: Nach dem Duschen kuschelt ihr ein wenig auf dem schmalen Kinderbett und kommt überraschend gut in Fahrt. Bis sich dir etwas in den Rücken bohrt. Du tastest danach – und hältst plötzlich einen abgegriffenen, muffigen kleinen ... Hund? Hasen? Bieber? Keine Ahnung! – in den Händen. In jedem Fall fällt deine Erregungskurve bei seinem Anblick fast so tief wie "Naddel". Und er dann so: "Oh, du hast Schnuffel gefunden!" Das war’s dann erstmal. No sex anymore. Macht aber auch nichts, weil seiner Mutter plötzlich ohne Anzuklopfen in der Tür steht – mit "Happi" für Harold und Kumar.

Nächster Alptraum: Mädchenzimmer

Immerhin, wenigstens die bekommen heute noch etwas zum Vernaschen. 

Und während die erste Maus im Maul von Harold verschwindet, denkst du: Naja, immer noch besser, als wenn dein Freund DEIN Kinderzimmer zu Gesicht bekommen hätte. Welcher Mann würde schon freiwillig mit zwei Dutzend Diddlmäusen das Bett teilen?! Ganz zu schweigen von deiner "Die Schöne und das Biest"-Bettwäsche und den kahlrasierten Barbies ... 

Nein, denkst du, das kannst du ihm frühestens in zwei bis drei Jahren zumuten. 

Entspannt schmeißt du nun doch noch eine Maus ins Terrarium. 

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