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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: Du bist, mit wem du schläfst?!

Unser Sex definiert uns nicht. Aber wenn alle deine Ex-Freunde Idioten sind, solltest du vielleicht mal über dich nachdenken. Findet zumindest Henriette Hell ...

Du bist, mit wem du schläfst

Nur jeder elfte Partner ist gut im Bett - so eine überhaupt nicht repräsentative Umfrage

"Es definiert uns nicht, wie oder mit wem wir Sex haben", hat die US-Schauspielerin Eva Amurri neulich mal gesagt. Stimmt! Sex ist nur ein kleiner Teil unseres Lebens. Ein paar Minuten in der Woche, im Monat oder (schlimmstenfalls) im Jahr.

Viel wichtiger als ein erfülltes Sexleben ist wohl eher, mit wem wir befreundet sind, dass wir eine Familie haben, die wir lieben und einen Job, der uns Spaß macht, dass wir gesund sind und all diese verrückten kleinen Dinge tun können, die wir so gerne mögen. Grillen im Park mit Freunden. Netflix-Marathons mit Chips auf dem Sofa. Backpacking durch Indien … Ähm, halt mal. Also wenn ich’s mir recht überlege, ist guter Sex mindestens genauso wichtig wie das alles. Weil er dafür sorgt, dass wir uns lebendig, begehrenswert, verrucht und vollkommen und/oder verkommen vorkommen.

Klar, die Qualität ist entscheidend. Sie steht und fällt mit dem "richtigen" Partner. Einem Menschen, der Spaß daran hat, unser individuelles, ja mitunter hochkompliziertes und hypersensibles Orgasmusverhalten zu erforschen und hingebungsvoll darauf einzugehen. So jemanden findet man nicht mal eben so bei, äh, Tinder. Eine nicht repräsentative Umfrage in meinem Bekanntenkreis hat kürzlich ergeben, dass nur jeder elfte Sexpartner ein Treffer ist. "Gut im Bett", wenn man so will, ist immer nur der, der einem etwas Besonderes, etwas noch nie Dagewesenes bieten kann und will. Ein Partner, der das nicht kann, bringt einem auf Dauer nicht viel. 

Fieseste Beleidigung ever

Natürlich kann man als Paar auch lernen, gut miteinander zu werden. Stellt sich nur die Frage, ob man soviel Zeit hat … Oder sich lieber nach jemand anderem umschaut. Natürlich nicht unbedingt mit der Begründung: "Du bist mir im Bett einfach zu öde, Süße/r!" – so widerfuhr es kürzlich meiner Freundin Karla, die sich selbst eigentlich immer für eine (O-Ton) "Sexgranate" gehalten hatte. Sie hat dann erstmal drei Tage lang geheult. Ihr Ego war quasi tot. "Wenn er mir gesagt hätte, ich wäre hässlich oder dumm oder beides – das wäre ja für mich noch … verkraftbar gewesen. Aber schlecht im Bett?! Sowas Gemeines hat noch nie jemand zu mir gesagt", schluchzte sie. Deshalb ließ es sich Karla auch nicht nehmen, ihrem Ex noch vor den Latz zu knallen, dass sie vor einem halben Jahr mal versehentlich mit seinem besten Freund in der Kiste gelandet war und der sowieso viel besser im Bett sei als er. Damit geht sie jetzt ebenfalls als Ar*****ch aus dieser Beziehung hervor und hat meiner Ansicht nach auch das Recht eingebüßt, ihren Ex ständig als Ar*****ch zu bezeichnen.
 

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