HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: Meghan Markle & Prinz Harry: Dieses perfekte Traumpaar ruiniert mein Liebesleben!

Das Verlobungsinterview von Meghan Markle und Prinz Harry bringt "Normalos" wie mich in die Bredouille: Angesichts des schwer verliebten Traumpaares erscheint so manch einem das eigene Liebesleben plötzlich erschreckend öde. Zu Recht?

So süssss! Das tut doch weh!

So süssss! Das tut doch weh!

"Er ist vor ihr auf die Knie gefallen. Für ihr drittes Date hat er sie nach Botswana einfliegen lassen, um mit ihm unterm Sternenhimmel zu zelten. Und zur Verlobung hat er ihr einen Ring aus den Juwelen von Lady Di designt!" Atemlos versorgte mich meine Nachbarin am Montag mit den wichtigsten Details aus dem Verlobungsinterview von Meghan Markle und Prinz Harry. Kreisch!

"Und was macht Kai?!" Kai ist ihr Freund. Die beiden sind seit acht Jahren zusammen. Und eigentlich ganz glücklich. Bis meine Nachbarin gehört hat, was seine Hoheit so alles für seine Angebetete macht. "Der Höhepunkt unseres letzten Wochenendes war, dass mich Kai zum ,All you can eat‘-Buffet beim Mongolen am Hauptbahnhof für 7,99 Euro eingeladen hat", meckerte meine Nachbarin. "Wenn zwischen den gebratenen Hühnerkrallen wenigstens ein Ring versteckt gewesen wäre ... Aber darauf kann ich ja lange warten! Ich arme Wurst, ich."

Was meine Nachbarin so kirre machte, war die Tatsache, dass Harry Meghan schon nach anderthalb Jahren einen Antrag gemacht hatte. Es sei "Liebe auf den ersten Blick" gewesen. Ich finde das ganz erfrischend. Die "Generation: beziehungsfähig" hält sich ja aktuell lieber mehrere halbvolle Töpfe gleichzeitig warm und köchelt solange herum, bis am Ende alles versalzen ist. Anstatt einfach mal zu sagen: "Boah, ey, Topf eins hier ist ja lecker, das esse ich jetzt!"

"Wahrscheinlich hofft Kai insgeheim noch auf jemand Besseren als mich", jammerte meine Nachbarin. Ich versuchte sie zu beruhigen: "Du liegst doch noch gut im Schnitt. Gerade habe ich gelesen, dass 15 Prozent der Deutschen erst nach 9 bis 12 Jahren heiraten. Ein Großteil lässt sich angeblich 5 bis 7 Jahre Zeit. Nur ganz wenige trauen sich schon nach so kurzer Zeit. Das ist doch auch bekloppt. Ich wette die Queen hat Harry gezwungen jetzt endlich mal Butter bei die Fische zu machen."

Tatsächlich aber empfand auch ich angesichts des perfekten Glücks ein leichtes Ziehen in der Magengegend. War es Neid? Nein, eher dieses Gefühl, das man auch verspürt, wenn man gerade einen romantischen Liebesfilm gesehen hat und sich fragt, warum einem selbst noch nie jemand am Flughafen hinterhergerannt ist, um einem noch schnell, ehe man in den Flieger steigt, seine Liebe zu gestehen. In Filmen machen die Leute das ja ständig. Da fängt man dann an zu glauben, dass sich das so gehört. Und findet den eigenen Freund plötzlich unfassbar unkreativ.

Ein Beschützer, schmacht!

Und dieser Prinz Harry, der kann ja noch viel mehr! Nachdem sich die Presse nach dem Bekanntwerden der Beziehung auf Meghan Markle stürzte wie Hyänen auf frisches As, verfasste (Dirty) Harry erstmal wutentbrannt eine Pressemitteilung – nach dem Motto "Noch son Spruch, Knochenbruch!" Mit Erfolg.

Auch das Thema Fernbeziehung stellte für das royale Traumpaar angeblich kein Problem dar. Obwohl die beiden jedes Mal, wenn sie sich in den letzten anderthalb Jahren sehen wollten, einen Langstreckenflug (Kanada - England) mit nerviger Zeitverschiebung auf sich nehmen musste. Im Interview erzählte Harry, dass Meghan teilweise gar nicht wusste, in welcher Zeitzone sie sich gerade befand. "Du bist für vier oder fünf Tage nach London geflogen, dann wieder zurück nach Kanada, um dort am nächsten Tag zu drehen, um vier Uhr morgens aufgestanden und direkt zum Set gefahren. Zwei verschiedene Zeitzonen und fünf Stunden Zeitverschiebung sind durchaus eine Herausforderung. Aber wir haben es hingekriegt und jetzt sitzen wir hier und sind überglücklich."

Seufz.

Das muss den beiden erstmal einer nachmachen! Ganz ehrlich: Ich kenne Leute, die würden für ein bisschen Kuschelsex nichtmal ihren Stadtteil verlassen - geschweige denn sich in einen ICE oder Billigflieger setzen. "Zu teuer, zu stressig." Insofern: Vielleicht handelt es sich ja bei Meghan und Harry WIRKLICH um eine ganz außergewöhnliche Liebe?!

Andererseits, um es mit den Worten meiner Nachbarin zusagen: "Naja, lass die erstmal acht Jahren zusammen sein. Dann hauen die sich im Kensington Palace auch gegenseitig ihre Kronjuwelen um die Ohren." Und in den Genuss eines "All you can eat"-Buffets beim Mongolen am Hauptbahnhof werden die beiden Turteltauben wohl auch nie wieder kommen. Die armen Würste, die.  

Wissenscommunity