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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: Beim Sex an den Ex denken? Gar kein Problem

Mit dem Partner schlafen und gleichzeitig an Sex mit dem Ex, der Kollegin oder einem heißen Promi denken? Das ist kein Verbrechen – findet zumindest Henriette Hell

Paar im Bett

"Schatz, an was denkst du gerade?": eine gefährliche Frage, nicht nur beim Sex ...

Kennen Sie das? Man ist gerade so richtig bei der Sache, tut alles, um seinem Partner einen fulminanten Höhepunkt zu bescheren, merkt aber plötzlich, dass er/sie zwar stöhnt, aber irgendwie nicht so richtig bei einem ist. Unwillkürlich fragt man sich: An was zur Hölle denkt er/sie eigentlich gerade? Oder besser: An WEN?!

Im Fall meiner Freundin Carla ist das seit einigen Wochen der superheiße Hauptdarsteller aus "Daredevil". Charlie Cox spielt darin einen blinden Anwalt mit übernatürlich scharfen Sinnen, der in einem roten, knallengen Anzug gegen das Verbrechen kämpft. Seit Carla die US-Serie auf Netflix guckt, hat sie (O-Ton) "Den besten Sex meines Lebens!" – und zwar sowohl mit sich selbst als auch mit ihrem Verlobten. Warum? Na, weil der Typ in ihrem Körper eine dermaßen "brachiale Geilheit" (erneuter O-Ton) entfacht hat, dass sie nicht anders kann, als sich rund um die Uhr die abgefahrensten Praktiken mit besagtem Mr. Cox auszumalen – und diese (wichtig!) später auch mit ihrem Mann auszuleben. Ich fasse zusammen: Carla hat nicht nur mehr Lust auf Sex. Sie traut sich auch, Sachen mit ihrem Partner auszuprobieren, die sie sich vorher nie getraut hätte – ist allerdings immer mit den Gedanken bei einem fremden Schauspieler.

Bloß nicht die Namen verwechseln

Das ist zugegebenermaßen ein bisschen psycho, aber keineswegs moralisch verwerflich, wie ich finde. Immerhin profitiert Carlas Mann ja von ihrem geheimen Kopf-Pornokino. "Ich stelle mir zuerst versaute Sachen mit 'Daredevil' vor und probiere sie später mit meinem Schatz aus", erklärte mir Carla. "Da ist doch nichts dabei! Ich muss bloß aufpassen, dass ich nicht versehentlich den falschen Namen stöhne ..."

Ich finde Carla beneidenswert. In mir hat bisher noch kein Seriendarsteller solche heftigen Gefühle ausgelöst. Dafür reagiere ich stark auf die Musik von bestimmten Künstlern. Ganz vorne mit dabei: Marilyn Manson. Auf den fickt man einfach anders. Heftiger, enthemmter, besser.

Und Sie? Wenn Sie einen Penis haben, zählen Sie vermutlich zu den 71 Prozent (!) der deutschen Männer, die beim Sex an die Ex denken. Auch erotische Fantasien mit Kolleginnen und Promis wie Helene Fischer (uff ...), Barbara Schöneberger (yeah!), Simone Thomalla (puh ...) oder Sonja Zietlow (hä?) stehen laut Umfragen hierzulande hoch im Kurs.

Betrug – ja oder nein?

Ob nun Zietlow im Kopf oder Manson auf den Ohren, die Frage, die man sich jetzt stellt, lautet: Affäre ohne Sex, Betrug im Kopf – ist das schon Untreue? Ein böser Verrat an dem Menschen, den man liebt? Emotional Cheating (gefühlsmäßiger Betrug) ist in den USA bereits ein fester Begriff, der allerdings hauptsächlich verwendet wird, wenn auch ein direkter Kontakt zum Objekt der Begierde besteht, etwa durch heiße Chats oder zweideutige SMS. In sowas sind wir ja wohl alle schon mal reingerutscht. Dann sollte man sich ein Zitat von Schwerenöter Hank Moody aus "Californication" ins Bewusstsein rufen:

"Es kann manchmal besser sein, sich nach etwas zu sehnen, als es wirklich zu haben, denn es heißt ja, dass die Befriedigung der Tod der Begierde ist."

Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, denn Hank Moody (alias David Duchovny) hat soeben mein Kopfkino betreten und ich muss mich jetzt eine Weile hinlegen.

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