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IGLU: Deutsche Grundschule ist besser als ihr Ruf

In der Internationalen Grundschul-Leseuntersuchung (IGLU) wurden die Leistungen der Viertklässler aus 35 Ländern verglichen. Die Deutschen nahmen den elften Platz ein.

Die deutschen Grundschulen sind besser als ihr Ruf: Bei der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) kamen die deutschen Grundschülerinnen und -schüler der vierten Klasse unter 35 Staaten auf Platz elf. Damit schafften es die Zehnjährigen ins obere Drittel. Demnach müssen die Ursachen für das extrem schlechte Abschneiden der deutschen 15jährigen in der internationalen PISA-Studie in der Sekundarstufe I - Hauptschule, Realschule und Gymnasium - gesucht werden, so die Länder-Kultusminister.

An der IGLU-Studie waren insgesamt 146.490 Schülerinnen und Schüler in 35 Staaten beteiligt. In Deutschland nahmen rund 10.000 Pennäler in 246 Schulen aus allen Bundesländern teil. Die Kosten des deutschen Teils von 1,4 Millionen Euro haben sich Bund und Länder geteilt.

Leseverständnis über dem Mittelwert

Die deutschen Viertklässler erreichen im Leseverständnis 539 Punkte und liegen damit 39 Punkte über dem internationalen Mittelwert. Damit bewegen sie sich auf der Höhe der teilnehmenden EU-Länder. Die Spitzengruppe bilden Schweden mit 561, Niederlande mit 554 und England mit 553 Punkten. Schlusslicht ist Belize mit 327 Punkten.

Das relativ hohe Niveau der deutschen Viertklässler wird von einem verhältnismäßig großen Teil der Schülerschaft erreicht. 61,1 Prozent erreichen mit der dritten von vier Kompetenzstufen ein Leseniveau, das zwar weiter förderungsbedürftig ist, aber schon die Basis für selbstständiges Weiterlernen schafft. International trifft dies auf weniger als die Hälfte zu. Allerdings erreicht Schweden hier 73,1 Prozent, Holland 70,4 Prozent.

18,1 Prozent erreichen in Deutschland die höchste Kompetenzstufe mit der Fähigkeit, mehrere Textpassagen sinnvoll miteinander in Beziehung zu setzen. Bei etwa einem Drittel eines Jahrgangs gehen die Fähigkeiten nicht über die Kompetenzstufe II - angegebene Sachverhalte aus einer Textpassage erschließen - hinaus. Diese Schüler werden ohne weitere Förderung in der Sekundarstufe I erhebliche Schwierigkeiten haben. Ein schlechtes Licht werfen die Ergebnisse auf die Notengebung sowie auf die Empfehlungen für weiterführende Schulen: Kinder derselben Kompetenzstufe erhalten sowohl unterschiedliche Deutsch-Noten wie auch unterschiedliche Empfehlungen für die weitere Schullaufbahn.

Rechtschreibtest unbefriedigend

Unbefriedigend war der auf Deutschland begrenzte Rechtschreib-Test. Von 45 diktierten Wörtern wurden im Durchschnitt nur 25,6 richtig geschrieben. Alle 45 Wörter konnten nur drei Kinder korrekt schreiben. Die schwächsten fünf Prozent machten beim Schreiben der 45 Wörter sogar mehr als 63 Fehler.

Beim naturwissenschaftlichen Verständnis erreichten die deutschen Viertklässler mit 560 Punkten einen um 36 Punkte über dem internationalen Durchschnitt liegenden Mittelwert. Auch bei den mathematischen Kompetenzen lagen sie mit 545 Punkten um 16 Punkte über dem Mittel. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn und die Kultusministerkonferenz (KMK) sahen in den Ergebnissen unter anderen einen weiteren Beleg für die Notwendigkeit schulformübergreifender einheitlicher Bildungsstandards auf der Basis von Kompetenzmodellen. Bulmahn sah sich auch in der Forderung nach besseren Lernkonzepten für vorschulischen Einrichtungen bestärkt. Auch zeige die Studie, dass für mehr als ein Drittel des Jahrgangs schon während der Grundschulzeit eine intensivere Förderung der Lesekompetenz vonnöten gewesen wäre.

Die KMK nannte die Verbesserung des Unterrichts in den weiterführenden Schulen die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre. Die Studie zeige, dass die Grundschulen hier wertvolle Anregungen geben könnten.

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