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Karriere: Von "Professor" Bohlen den Erfolg lernen

Musikproduzent Dieter Bohlen, in den vergangenen Monaten vom negativen Schlagzeilenkönig zum Sympathieträger avanciert, genießt offenbar auch unter Akademikern Anerkennung: Die Hochschule für Musik und Theater aus Hamburg will ihn für Vorlesungen gewinnen.

Der prominente Pop-Musiker, der mit der Veröffentlichung seiner Autobiografie und danach als "Übervater" der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" einen kompletten Imagewandel vollzogen hat, wird möglicherweise bald Studenten in Hamburg seine Weisheiten vermitteln. Die Hochschule für Musik und Theater aus Hamburg will den 49-jährigen Medienstar für Vorlesungen gewinnen - und Bohlen hat Interesse.

Ein Gespräch zwischen dem Modern-Talking-Chef aus Tötensen bei Hamburg und dem Direktor der Hochschule, Prof. Hermann Rauhe, hat es schon gegeben. "Wir haben uns einmal zufällig getroffen, da kam die Idee auf. Mehr möchte ich dazu noch nicht sagen", sagt Rauhe. Auch sein neuer Wunsch-Dozent bestätigte bereits die Anfrage der Hochschule. "Man hat mir zwar gerade wieder eine Halbprofessur an der Musikhochschule angeboten, ich soll dort Vorlesungen halten und so, aber meine Zeit ist begrenzt. Ich will mein Wissen weitergeben, das auf jeden Fall", sagte Deutschlands erfolgreichster Musikproduzent vor kurzem in der ARD-Talkshow "Beckmann".

Hat Bohlen das Zeug zum Professor?

Bohlen, den nach eigenen Angaben zwei Hochschulen gern in ihr Vorlesungsverzeichnis aufnehmen würden, liebäugelt mit dem Hamburger Angebot. Dann müsse er schließlich nicht so weit fahren, meinte der 49-Jährige, der über seinen plötzlichen Imagewandel selbst noch etwas erstaunt zu sein scheint. "Ich habe mich überhaupt nicht verändert", sagte er in der TV-Sendung. "Nur früher haben mich die Leute über die Schlagzeilen definiert und kannten mich überhaupt nicht. Und ich habe viele Fettnäpfchen nicht ausgelassen." Letztlich habe die häufige Präsenz im Fernsehen bei der "Superstar"-Show geholfen, "dass mich die Leute besser kennen".

Bohlen sorgt in Hochschulkreisen für Aufsehen

Einen weiteren Trumpf sieht Bohlen selbst in seiner Offenheit: "Ich glaube, die Leute rechnen es mir hoch an, dass ich so ehrlich bin", meinte der Musiker, der sich als Jury-Mitglied bei "Deutschland sucht den Superstar" mit vernichtenden Urteilen über manche Kandidaten nicht zurückhielt und auch dadurch der Show zu mehr Aufmerksamkeit verhalf. Mit seiner "Ehrlichkeit" hatte Bohlen bereits im Herbst vergangenen Jahres für Wirbel gesorgt: Unter dem Titel "Nichts als die Wahrheit" war damals seine schlagzeilenträchtige Biografie erschienen und hatte binnen kürzester Zeit die Bestseller-Listen gestürmt.

Schon damals hatte Bohlen in Hochschulkreisen für Aufsehen gesorgt: An der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg lasen Studenten Kapitel aus dem Werk des Musikproduzenten und analysierten die Texte in Klausuren. Der Soziologie-Professor Erik von Grawert-May hatte das Projekt initiiert und damit Unruhe an seiner Hochschule ausgelöst. Kollegen warfen ihm Selbstdarstellung vor und fürchteten um den Ruf der Einrichtung. Doch der Gescholtene hat Bohlen sogar seine Hilfe bei einer eventuellen Promotion angeboten.

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