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Geburtenraten im Ländervergleich: Darum haben Amerikaner mehr Kinder als Deutsche

1,4 Kinder bekommen Italiener im Schnitt - die Dänen 1,8. In Frankreich und den USA ist die Geburtenrate am höchsten. Doch woran liegt es, ob in einem Land viel oder wenig Kinder geboren werden?

Von Doris Schneyink

Die Liebe der Italiener zu ihren Bambini ist legendär - und doch weist das Land mit 1,4 Kindern pro Frau eine der niedrigsten Geburtenraten in Europa auf. Die kühlen Skandinavier hingegen gelten als längst nicht so vernarrt in ihren Nachwuchs - und doch bekommen zum Beispiel die Dänen deutlich mehr Kinder als ihre südeuropäischen Nachbarn: 1,8 pro Frau.

Ob man in einem Land also selten oder häufig Kinder lachen, schreien, toben hört, ist nicht allein eine Frage des Herzens, sondern auch eine von Geld, Macht und Mentalitäten. Die OECD hat Tausende von Daten zusammengetragen über den Zusammenhang zwischen Geburtenraten, staatlichen Ausgaben für Familien, Arbeitsmarktchancen von Frauen. Das überraschende Ergebnis: Je widersprüchlicher die Rollenerwartungen an Frauen sind, desto weniger Kinder bekommen sie.

Im konservativen Italien und in Deutschland etwa gelten berufstätige Frauen oft noch als Rabenmütter, gleichzeitig werden sie im Job häufig diskriminiert und in schlecht bezahlte Teilzeitjobs gedrängt. Folge: Gerade Frauen mit einer guten Ausbildung zögern die Antwort auf die Frage "Will ich ein Kind?" immer länger hinaus. Das erste Baby bekommen sie dann häufig erst mit Mitte 30 - oder gar nicht mehr. So stagnieren die Geburtenraten in Italien, aber auch in Deutschland auf niedrigem Niveau.

Je moderner und klarer das Frauenbild dagegen ist, desto höher sind die Geburtenraten, und zwar unabhängig davon, ob der Staat viel oder wenig Geld in Familien investiert. Frankreich etwa unterstützt junge Paare mit Kindern massiv, im marktliberalen Amerika dagegen fallen die staatlichen Leistungen für Familien eher mager aus. Dennoch haben beide Länder mit 2,0 Kindern pro Frau die höchsten Geburtenraten innerhalb der 34 OECDStaaten.

Was wünschen sich die Kinder?

Was die Amerikaner mit den Franzosen verbindet, ist eine wohlwollendere Betrachtung von "working moms". Kinderbetreuung außerhalb der Familie gilt nicht automatisch als Ausdruck mangelnder Liebe und Zuwendung. Dennoch sind gerade die USA bei Weitem kein Kinderparadies: Der Anteil armer Kinder ist wesentlich höher als in anderen Ländern. Und die Kehrseite der Emanzipation bedeutet für Frauen, dass sie sich den Erfordernissen des Marktes unterordnen müssen. Die Arbeitgeber in den USA nehmen wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse von Familien.

Am konsequentesten versuchen die skandinavischen Länder die Sehnsucht nach Kindern mit den Erfordernissen einer modernen Arbeitswelt in Einklang zu bringen. Im Zentrum staatlichen Handelns steht immer die Frage: Was tut Kindern gut? Bildung und Erziehung gelten nicht als reine Privatangelegenheit, sondern als gesellschaftliche Aufgabe. So investiert Dänemark acht Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in Bildung, ein Spitzenwert. Entsprechend großzügig fallen die Leistungen aus. Die Elternzeit beträgt ein Jahr, das Elterngeld bis zu 2200 Euro im Monat. Die Krippen sind gut ausgestattet und lange geöffnet. Studenten erhalten eine Förderung von bis zu 730 Euro monatlich.

Sicher: Geld allein macht keine Kinder. Doch in Kombination mit einer undogmatischen Familienpolitik wirkt es Wunder.

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