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Nach Flüchtlings-Hetze Ex-Schüler rechnen mit Lehrer Mannke ab


Nachdem das Vorwort einer Zeitschrift für Lehrer in Sachsen-Anhalt wegen Hetze in der Kritik stand, haben nun ehemalige Schüler einen offenen Brief an den Verfasser, ihren früheren Lehrer, geschrieben. Sie sind "enttäuscht und traurig".

Die rechte Wortwahl des Geschichtslehrers, der das Editorial der Zeitschrift des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt verfasst hat, sowie seine inhaltlichen Unterstellungen sorgen seit Tagen für Aufregung: Dr. Jürgen Mannke hatte gemeinsam mit der Vize-Chefin des Philologenverbandes unter der Überschrift "Flüchtlingsdebatte: Anpassung an unserer Grundwerte erforderlich" einen Text verfasst, der vor Muslimen warnt, unter anderem mit Sätzen wie diesen: "... es gibt viele Frauen, die als Mütter heranwachsender Töchter die nahezu ungehemmten Einwanderungsströme mit sehr vielen Sorgen betrachten. Schon jetzt hört man aus vielen Orten in Gesprächen mit Bekannten, das es zu sexuellen Belästigungen im täglichen Leben, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten, kommt".

Online ist das Dokument inzwischen gelöscht.

Seinen Exschülern, Abiturienten aus den Jahrgängen von 1995 bis 2009, blieb es jedoch nicht verborgen – und sie haben reagiert. Und zwar "mit großer Bestürzung".

Dem "Offenen Brief von ehemaligen Schülerinnen und Schülern des Domgymnasiums Merseburg" ist anzumerken, dass sie einmal große Stücke auf ihren Lehrer Dr. Mannke gehalten haben. Sein Deutsch- und Geschichtsunterricht habe sie geprägt und gelehrt, wohin Propaganda und Demagogie führen, schreiben sie darin. Ebenso habe er ihnen vermittelt, "Migration als ein Grundbestandteil der Geschichte Europas und der Welt zu begreifen". Und diente dabei selbst als Vorbild: "nicht zuletzt auf Grundlage Ihrer eigenen Biografie als Nachfahre der Hugenotten", heißt es. Mannke scheint ein guter Lehrer gewesen zu sein. Um so weniger Verständnis haben seine ehemaligen Zöglinge heute.

"Eines Pädagogen unwürdig"

Detailliert nehmen die Verfasser Mannkes Text auseinander und weisen ihm – wie sie es wahrscheinlich von ihm selbst gelernt haben – seine rechtskonservative Ausdrucksweise sowie seine Vorurteile gegenüber Muslimen nach. "Wir alle empfanden die gleiche Bestürzung über Ihre Argumentationen und Begrifflichkeiten, die wir sonst nur von den wöchentlichen Aufmärschen der *Gidas in Dresden, Leipzig oder Erfurt kennen", schreiben sie.

Nachdem der Lehrerverband sich für den Text und die "unglückliche Wortwahl" entschuldigt hat, gehen die Schüler mit dem Dokument deutlich schärfer ins Gericht. Zu Recht, wie man bei einem Autoren mit Mannkes Hintergrund sagen muss. Denn wer zwischen gelehrter Wahrheit und gelebter Wahrheit derart differenziert, verliert jede Glaubwürdigkeit.

Nichtsdestotrotz geben die Schüler Mannke eine Chance, indem sie "hoffen", ihn "für diese notwendige Debatte zu gewinnen". Doch danach, dass sie die selbst mit ihm führen möchten, klingen ihre Abschiedsworte nicht: "Ihren Unterstellungen und Ihrem kulturell basierten Rassismus widersprechen wir deutlich. Wir sind enttäuscht und traurig."


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