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Pisa-Studie Deutsche Schüler holen auf


Erstmals schneiden die deutschen Schüler beim Pisa-Test in allen Bereichen überdurchschnittlich ab, liegen in Mathe sogar gleichauf mit den Finnen. Ausruhen dürfen sie sich trotzdem nicht.
Von Catrin Boldebuck

Bestanden! Zum ersten Mal liegen die deutschen Schüler beim internationalen Pisa-Test in allen Bereichen über dem OECD-Durchschnitt. In Mathematik sind sie inzwischen sogar so gut wie die Finnen. Und die waren bisher immer Klassen-Beste.

Auch wenn die Deutschen inzwischen beim Rechnen ein halbes Schuljahr (entspricht 20 Pisa-Punkten) aufgeholt haben, die Deutschen dürfen sich jetzt nicht auf diesem guten Zeugnis ausruhen. Denn beim näheren Hinsehen zeigen sich die Schwächen des Bildungssystems: 18 Prozent aller Schüler können lediglich Basis-Aufgaben lösen; Jungen lernen im Mathe-Unterricht mehr und besser als Mädchen. Seit 2003, als zum ersten Mal Mathematik im Zentrum der Studie stand, hat sich dieser Abstand sogar noch ausgeweitet. Beim Lesen ist es genau umgekehrt: Die Mädchen sind besser als die Jungen. Hier werden immer noch viel zu viele Potenziale verschenkt.

Zu den Besten gehören die deutschen Jungen und Mädchen längst noch nicht: Ihre Altersgenossen in Ostasien sind ihnen beim Lesen, in den Naturwissenschaften und in Mathe etwa zwei Schuljahre voraus. Ganz vorn sind Schanghai, Singapur, Hongkong (China), aber auch die Niederlande, Schweiz, Finnland, Kanada und Polen stehen im Ranking immer noch besser da als Deutschland.

Die erfolgreichen Pisa-Länder haben mehrere Gemeinsamkeiten: Die Schüler werden nicht so früh wie in Deutschland auf verschiedene Schulformen verteilt. Und sie legen großen Wert auf die Auswahl und Ausbildung der Lehrer. Die Klassengröße spielt eher eine untergeordnete Rolle.

Schule kann nicht alles leisten

Seit dem Schock nach der ersten Pisa-Studie vor 13 Jahren hat sich im deutschen Bildungssystem vieles zum Positiven verändert: So wurden bundesweit einheitliche Bildungsstandards eingeführt, in den Kitas wird nicht nur gespielt, sondern auch gefördert, immer mehr Lehrer schneiden ihren Unterricht individuell auf die Stärken und Schwächen ihrer Schüler zu, die Kultusminister arbeiten an einem Zentralabitur. Bis all diese Reformen Wirkung zeigen, dauert es aber noch Jahre. Denn bei der Pisa-Studie werden nur die 15-Jährigen getestet.

Dabei kann die Schule nicht alles leisten - das macht die Untersuchung auch deutlich: Schüler, deren Eltern hohe Erwartungen in sie setzen, schneiden besser ab als die Söhne und Töchter weniger ehrgeiziger Eltern. Sie sind motivierter und auch selbstbewusster, weil sie glauben, dass Erfolg auf Anstrengung und Erfolg basiert und nicht auf angeborener Intelligenz oder Status. Das scheint der Schlüssel zum Erfolg der asiatischen Pisa-Siegerländer zu sein.

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