VG-Wort Pixel

Welt-Down-Syndrom-Tag Inklusion beginnt im Kindesalter: Eine Ärztin bietet Puppen mit Down-Syndrom an

Victoria Sömer mit ihren Puppen mit Down-Syndrom
Victoria Sömer bietet Puppen mit Down-Syndrom an, um Kinderzimmer vielfältiger zu gestalten
© Privat
Diverses und inkludierendes Kinderspielzeug: Victoria Sömer betreibt den Online-Shop Tolimoli für Puppen mit Down-Syndrom. Die zweifache Mutter möchte ihren Beitrag zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen leisten.

Am 21. März wird der Welt-Down-Syndrom-Tag gefeiert. Warum an diesem Datum, fragt sich mancher womöglich. Der Tag ist keinesfalls zufällig gewählt. Denn die Zahlen 21 und 3 sind beim Down-Syndrom relevant. Menschen mit Down-Syndrom haben in jeder Zelle 47 Chromosomen statt der üblichen 46. Das Besondere: Chromosom Nummer 21ist dreifach in jeder Zelle vorhanden – und nicht zweimal. Somit ist das Down-Syndrom eine genetisch bedingte, nicht veränderbare Veranlagung und keine Krankheit. 

"Viele Familien und Freunde von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Down-Syndrom können es bestätigen: Sie sind so oft die perfekten Mut-Macher*innen und das sollte die Welt erfahren", schreibt das Deutsche Down-Syndrom Infocenter. Am Welt-Down-Syndrom-Tag soll genau darauf aufmerksam gemacht werden: Vielfalt und Inklusion bereichern unsere Gesellschaft. Etwa sieben Millionen Menschen mit Down-Syndrom gibt es auf der Welt, 30.000 bis 50.000 leben in Deutschland.

Tolimoli bietet Puppen mit Down-Syndrom an

Victoria Sömer aus Olpe im Sauerland möchte ihren Teil zur Inklusion von Menschen mit Down-Syndrom beitragen. Die 40-Jährige lebt gemeinsam mit ihren beiden Kindern in Spanien, in der autonomen Region Valencia. Sie ist Ärztin und über kleine Zufälle im Leben zu dem gekommen, was sie heute macht: Sie führt den Online-Shop Tolimoli für Puppen mit Down-Syndrom.

Die Puppen werden von einem Familienunternehmen in der Nähe von Valencia hergestellt. Vor einigen Jahren machte eine Freundin Sömer darauf aufmerksam. Doch der Hersteller führte keinen Online-Shop. Da beschloss Sömer, ihren eigenen Online-Shop für die Puppen bereitzustellen. Früher bot sie dort selbst designte Stoffe an. Heute tragen sie die Puppen auf Tolimoli. Sie werden in Deutschland in Bio-Qualität hergestellt. Bald wird es auch Puppen mit verschiedenen Hauttönen geben – sowohl mit als auch ohne Down-Syndrom. Sie sind schon designt und werden im Moment auf ihre Sicherheit getestet. "Ich möchte allen Menschen die Möglichkeit geben, noch mehr diverse Puppen zu bekommen", sagt Sömer. In der Notaufnahme arbeitet Sömer nicht mehr. So kann sie sich voll und ganz auf ihr Herzensprojekt konzentrieren.

Im stern-Interview spricht Victoria Sömer über ihre besonderen Puppen. 

 

Frau Sömer, wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Puppen in Ihren Online-Shop aufzunehmen?
Ich war sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Mich begeistert die Idee, Kindern die Möglichkeit zu geben, mit Puppen mit Down-Syndrom zu spielen. Nicht nur Kindern, die selbst Down-Syndrom haben, sondern allen Kindern, um mehr Vielfalt in ihr Spielen zu bringen. Ich finde den Gedanken schön, dass ich einen kleinen Funken zur Inklusion beitragen darf.

Welches Feedback erhalten Sie von Familien, die Ihre Puppen gekauft haben?
Ich erhalte unzählige Nachrichten von Familien, aber auch von Kitas oder Arztpraxen. Oft bekomme ich auch Bilder von den Kindern mit ihren Puppen. Die Freude ist immer riesengroß. Eltern, die Kinder mit Down-Syndrom haben, sind glücklich, dass ihr Kind eine Puppe hat, die ihm ähnlich sieht. Die, die eine Puppe kaufen, ohne ein Kind mit Down-Syndrom zu haben, sind daran interessiert, dass ihre Kinder mit vielfältigem Spielzeug aufwachsen. Und das ist mindestens genauso schön. 

Sie leben in Spanien, kommen aber aus Deutschland. Gibt es Unterschiede in der Inklusion von Menschen mit Behinderung zwischen den Ländern?
Ich stehe in engem Kontakt mit Familien, die Kinder mit Down-Syndrom haben. In Deutschland fehlt es oft an sogenannten I-Kräften und der Prozess der Beantragung bringt bürokratischen Mehraufwand mit sich. Das ist in Spanien anders. Hier verbringen alle Kinder neun Jahre gemeinsam: von der Vorschule bis zur sechsten Klasse. Danach wird weitergeschaut. Es gibt auch Förderschulen, es wird aber versucht, so viele Kinder wie möglich an der Regelschule teilhaben zu lassen. 

Am 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Welche Entwicklungen wünschen Sie sich von der Gesellschaft?
Menschen mit Down-Syndrom sollten ganz selbstverständlich in den Medien repräsentiert werden. Vor allem in Filmen, Serien und der Werbung. Natürlich ist es wichtig, dass es Dokumentarfilme gibt, in denen gezeigt wird, wie Menschen mit Down-Syndrom ihr Leben gestalten. Es ist aber auch wichtig, dass sie das Recht bekommen, eine Rolle zu übernehmen, wie andere Schauspieler auch. Es sollte dabei nicht immer ausschließlich um das Down-Syndrom gehen. Ein gelungenes Beispiel für inklusivere Werbung war vor etwa zwei Jahren ein Ikea-Katalog. Darin war eine Familie mit einem Kind mit Down-Syndrom abgebildet. Nicht im Kontext der Behinderung, sondern im Kontext der Familie. So wird die Realität sichtbarer gemacht. 

TIktok @worthyandkal

Warum ist es für alle Kinder wichtig, Inklusion schon im frühen Alter zu lernen?
Bei Kindern findet die Sozialisierung viel über das Spielen statt. Wenn sie von vorneherein mit verschiedenen Puppen spielen, wird es für diese Kinder ganz normal, dass nicht alle Menschen gleich aussehen. Wenn Eltern aufmerksam sind und ihre Kinder mit diversem Spielzeug und Büchern aufwachsen lassen, geben sie ihnen die Möglichkeit, offen zu sein für Menschen, die nicht so aussehen wie sie selbst und sie so ganz natürlich anzunehmen.

Kann daraus eine neue Generation erwachsen, die gesellschaftliche Stigmen überwindet?
Das wäre die Idealvorstellung einer Gesellschaft. In einer idealen Gesellschaft, die hoffentlich irgendwann existiert, wäre es nicht mehr notwendig, Menschen mit Down-Syndrom auf eine bestimmte Art abzubilden. Es wäre für alle selbstverständlich, dass jede und jeder dazugehört. Dort wäre Inklusion als Begriff hinfällig, weil sie gelebt würde.

Quellen: TolimoliInstagramDeutsches Down-Syndrom Infocenter


Mehr zum Thema



Newsticker