Lebensmittelmesse Anuga Der Trend heißt "Wellfood"


Brennnesseln gegen Stress, Drinks mit Lachsöl, Tee aus Olivenblättern - auf der diesjährigen Lebensmittelmesse Anuga gibt es einen Boom bei gesunden Lebensmitteln. Doch nur gesund reicht nicht: Gekauft wird nur, was auch schmeckt.

Gegen Stress helfen Brennnesseln. Das behauptet jedenfalls der Hersteller eines neuen natürlichen Softdrinks aus Brennnesseln, der ab Samstag (13. Oktober) auf der weltgrößten Ernährungsmesse Anuga in Köln vorgestellt wird. Der etwas gewöhnungsbedürftige Pflanzencocktail steht stellvertretend für eines der zentralen Themen der Anuga, den Trend zum sogenannten "Wellfood" - zu Lebensmitteln, die ihren Käufern gesundheitliche Vorteile versprechen.

Die Ausgaben für dieses Marktsegment sind in Deutschland von 2002 bis 2006 um 23 Prozent gestiegen, wie eine kürzlich in Köln vorgestellte Marktstudie im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) ergab. Laut der Studie entscheiden sich vor allem Konsumenten im Rentenalter für gesunde, ausgewogene, kalorienreduzierte und fettarme Kost. In dieser Altergruppe ermögliche eine gute finanzielle Ausstattung die Investition in hochwertige Lebensmittel, heißt es.

Käufer mit Kindern oder Berufstätige bevorzugen hingegen Nahrungsmittel, die sich möglichst schnell und unkompliziert zubereiten lassen. Die deutsche Lebensmittelindustrie sieht in dem Segment Wellfood weiter starke Wachstumspotenziale, allerdings warnt BVE-Geschäftsführerin Sabine Eichner Lisboa in Köln auch vor überzogenen Erwartungen: "Lebensmittel müssen in erster Linie schmecken. Nur dann sind sie gut, nur dann werden sie gekauft."

Hohe Preise trüben Einkaufsfreude

Allerdings trüben in Deutschland teilweise drastische Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln die Freude der Verbraucher an Speisen und Getränken. Ursache sei die weltweit wachsende Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln, erklärt Eichner Lisboa. Für die Verbraucher in Deutschland sind bis August Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent teurer geworden. Noch nicht berücksichtigt sind Sonderentwicklungen wie die deutlich angezogenen Preise für Milch und Milchprodukte.

Dabei boomt die deutsche Ernährungsindustrie. Im ersten Halbjahr 2007 erhöhten sich die Umsätze der Hersteller auf 70,9 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung von nominal 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Handel gingen im vergangenen Jahr in Deutschland Lebensmittel im Wert von 128,5 Milliarden Euro über die Ladentheken, ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wellness-Säfte zum Entschlacken

Für die kommenden Monate haben sich die Hersteller einiges einfallen lassen: So wird auf der Anuga Sonderschau Taste_07 ein Getränk präsentiert, das seine gesunden Omega-3-Fettsäuren aus dem Öl der norwegischen Lachse gewinnt. Neu im Handel ist auch eine "Wellness-Woche" zum Trinken, deren natürliche Frucht- und Gemüse-Säfte beim Entschlacken helfen. Ein bislang in Deutschland nicht erhältlicher Tee aus Olivenblättern soll ein angeschlagenes Immunsystem aufmöbeln können.

Eher etwas für Genießer ist eine neuartige Salami, die aus dem Fleisch der Kudu-Antilope hergestellt wird. Neu auf dem Markt sind auch Salami aus Kaninchenfleisch oder mit Fruchtstücken und einem Überzug aus Aprikosen, Papaya, Birne und Ananas.

Käse mit Bierreifung

Ein Novum im Tiefkühlfach ist geeistes Fruchtkonfekt, umhüllt von belgischer Schokolade. Deutlich deftiger geht es bei einem österreichischen Käse zu, der bei seiner Herstellung drei Tage in Bier reifen durfte. Speziell an Kinder richtet sich ein Hersteller aus Castrop-Rauxel, der Comic-Helden wie Bob der Baumeister oder Spiderman als Pasta anbietet.

Markus Peters/DDP DDP

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