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MÜNCHEN: Münchner Studenten uneinig

Ist eine Kriegserklärung die richtige Reaktion auf terroristische Akte?

Ist eine Kriegserklärung die richtige Reaktion auf terroristische Akte?

Ein wunderschöner Montag. Sie liegen auf der Wiese vor dem LMU-Hauptgebäude, schmökern in einem Roman, blinzeln in die Sonne - und erfüllen das Klischee vom faulen Studenten. In dieser Laune denkt sicher keiner von ihnen an Krieg, Terror und Tote. Außer ein bösartiger Uni-Reporter zwingt sie dazu.

Bomben für den Frieden

Björn, der im 7. Semester Jura an der LMU studiert, unterstützt die Amerikaner zwar grundsätzlich, glaubt aber nicht, dass der Krieg das Ende aller terroristischen Operationen bedeutet: »Es ist doch egal, ob sie Bin Laden kriegen. Es gibt genug gut ausgebildete Terroristen, die in seinem Sinn weitermachen«. Für die Amerikaner sei ein Angriff auf Afghanistan jedoch die einzige Handlungsoption gewesen, ist er überzeugt. Generell meint er, solle Amerika seine Rolle in der Weltpolitik, vor allem in arabischen Ländern mal überdenken. »Sich auf der ganzen Welt als Beschützer aufzuspielen, bringt's auch nicht«, so sein Fazit.

Krieg ohne Sieg?

Ganz anders sieht das Anne, die im 2. Semester Volkswirtschaftslehre studiert: »Ich bin nicht der Meinung, dass es sinnvoll war, Afghanistan zu bombardieren. Da kommen nur wieder Tausende von Zivilisten ums Leben, die eigentlich nichts dazu können.« Angst vor Terroranschlägen in Deutschland hat sie nicht. Nur aufs Oktoberfest ging sie in diesem Jahr mit einem »mulmigen Gefühl«.

Auch Thomas, ein Jurastudent im 7. Semester, glaubt nicht, dass die Amerikaner den richtigen Weg beschreiten: »Den Angriff verurteile ich zwar nicht moralisch, aber ich denke, er nützt nichts. Durch Bomben lässt sich das Netzwerk Bin Ladens bestimmt nicht zerstören«. Deshalb sei er dafür, den Terroristen, soweit es geht, den Geldhahn abzudrehen.

Katharina dagegen, die Englisch und Französisch für die Realschule studiert, hält die Angriffe für sinnlos. Besonders ärgert sie sich über die Panikmache in den Medien: »Im Moment reagiert jeder über«.

Sie räkeln sich in der Sonne, unterhalten sich - und vielleicht denkt der eine oder andere von ihnen an einen Krieg, der noch lange dauern wird. (ns)

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