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Atomkonflikt Nordkorea nennt Trump-Tweet "Kriegserklärung" - Weißes Haus: "Absurd"

Atomkonflikt: Kim Jong Un und Donald Trump: Nordkorea versteht Äußerungen von Trump als Kriegserklärung
Seit Monaten tobt zwischen Nordkorea und den USA ein Krieg der Worte – vor allem dank der zwei schwer berechenbaren Staatsoberhäupter an der Macht.
 
Eine Chronologie des Schlagabtauschs:
 
Bevor Trump überhaupt US-Präsident wurde, hat er sich gegen das Regime geäußert.
 
24. Oktober 1999
In einem TV-Interview bezeichnet der Immobilienmagnat den autoritären Staat als "durchgedreht" und warnt vor dessen Entwicklung und Einsatz von Atomwaffen.
 
7. April 2013
Trump rät dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama in einem Tweet, wachsam wegen  des "Spinners in Nordkorea" zu sein.
 
16. September 2015
Während des Wahlkampfs greift der Republikaner Kim noch mal an. Diesmal nennt Trump den Machthaber einen "Verrückten".
 
10. Februar 2016
Vor laufender Kamera sagt Trump, dass er Kim verschwinden lassen würde. Auf die Nachfrage, ob das auch Ermordung einschließt, zuckt er mit den Schultern. "Ich habe Schlimmeres gehört."
 
Kurz nach seiner Amtseinführung geht der US-Präsident auf Nordkorea los. Und er bekommt letztendlich eine Antwort.
 
5. Juli 2017
Am 4. Juli hat Nordkorea eine Interkontinentalrakete erfolgreich getestet. Kim Jong Un brüstet sich mit dem Fortschritt und bezeichnet die Rakete als ein "Geschenk für die amerikanischen Schweinehunde" an deren Unabhängigkeitstag. 
 
In den letzten Monaten verschärft sich die Rhetorik deutlich.
 
8. August 2017
"Feuer und Zorn" verspricht der US-Präsident nach neuen Entwicklungen in Nordkoreas Atomwaffentechnik. Für Nordkorea wäre es besser, den USA nicht weiter zu drohen, erklärte Trump vor Journalisten in Bedminster im US-Bundesstaat New Jersey.
 
19. September 2017
Vor den Vereinten Nationen nennt Trump den Nordkoreaner "Rocket Man" und bedroht das Land "total zu zerstören."
 
22. September 2017
Kim schlägt wieder zu: "Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen", zitierte ihn die nordkoreanische Staatsagentur KCNA.
 
Trump reagiert in seiner Art: mit einem Tweet.
 
"Kim Jong Un, ganz klar ein Geisteskranker, der nichts dagegen hat, sein eigenes Volk verhungern zu lassen und zu töten, wird auf die Probe gestellt!"
 
23. September 2017
 
US-Bomber fliegen über internationale Gewässer an der östlichen Küste Nordkoreas. Sie sollen laut Verteidigungsministerium demonstrieren, dass der US-Präsident "viele militärische Optionen" habe.
Stunden später erklärt Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho vor den Vereinten Nationen: Das US-Festland als Ziel nordkoreanischer Raketen sei "unausweichlich".
 
Trumps spätabendliche Antwort via Twitter: 
"Habe gerade Nordkoreas Außenminister vor den UN gehört. Wenn er die Gedanken des kleinen Rocket Man wiedergibt, werden sie nicht mehr lange hier sein!"
 
25. September 2017
 
Ri droht bei einer Pressekonferenz mit dem Abschuss amerikanischer Bomber – selbst, wenn diese nicht in den nordkoreanischen Luftraum eindringen würden. Da die USA den Krieg erklärt hätten, "werden wir uns von jetzt an das Recht der Selbstverteidigung vorbehalten, einschließlich des Rechts, sie (die Bomber) abzuschießen".
 
Er erläutert auch, woher er die Kriegserklärung nimmt: aus Trumps Tweet. "Das ist ganz klar eine Kriegserklärung, wenn solche Worte von einem amtierenden amerikanischen Präsidenten kommen".
  
Das Weiße Haus stellt daraufhin klar, dass es keine Kriegserklärung gegen Nordkorea gebe. Entsprechende Andeutungen aus Pjöngjang seien "absurd".


11. Nov 2017
 
Im November twittert Trump eine indirekte Beleidigung nach Nordkorea.
 
"Warum beleidigt mich Kim Jong Un und nennt mich 'alt', wenn ich NIEMALS auf die Idee käme, ihn 'klein und dick' zu nennen. Ich versuche so sehr, sein Freund zu sein - und vielleicht wird das ja eines Tages passieren."
 
2. Januar 2018


Kim hält eine Neujahrsrede und prahlt mit der Atombombenkapazität seines Landes. Daraufhin schlägt Trump wieder zu:
 
"Der nordkoreanische Führer Kim Jong Un sagte gerade, 'Der Nuklear-Knopf ist auf immer auf seinem Schreibtisch'. Kann ihm jemand von seinem verarmten und hungernden Regime bitte sagen, dass ich auch einen Nuklear-Knopf habe, nur meiner viel größer und stärker ist als seiner, und dass mein Knopf funktioniert."
 
9. Feb 2018


Kim Jong Uns Schwester, Kim Yo Jong, besucht die Olympischen Spiele in Südkorea. Dabei kommt sie in unangenehme Nähe mit US-Vizepräsidenten Mike Pence.
 
6. März 2018
 
Nord- und Südkorea führen gemeinsam Gespräche – zum ersten Mal seit Kim Jong Un an der Macht ist. Trump erkennt die Kooperation als einen wichtigen Schritt in Richtung einer Lösung an.
 
"Möglicher Fortschritt bei den Gesprächen mit Nordkorea. Zum ersten Mal seit Jahren bemühen sich alle Beteiligten. Die Welt schaut zu und wartet darauf. Es könnten falsche Hoffnungen sein, aber die USA ist bereit, sich beide Lösungen durchzuziehen."
 
8. März 2018
 
Kurz nach den Gesprächen überraschen die zwei Staatschefs die Welt: Trump und Kim wollen sich treffen. Dieses Treffen soll bis Mai stattfinden, der Ort ist noch unbekannt.
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Der Krieg der Worte zwischen Nordkorea und den USA kann kaum noch schärfer werden. Das Regime von Kim Jong Un deutet einen Tweet von US-Präsident Donald Trump als "Kriegserklärung". Das Weiße Haus weist das zurück.

Der Atomstreit zwischen Nordkorea und den USA spitzt sich weiter zu: Nordkorea fasse die jüngsten Kommentare von US-Präsident Donald Trump als "Kriegserklärung" auf, sagte Außenminister Ri Yong Ho laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Montag in New York. "Das ist ganz klar eine Kriegserklärung, weil solche Worte von einem amtierenden amerikanischen Präsidenten kommen", äußerte der Chef-Diplomat des autoritär regierten Landes bei einem kurzfristig einberufenen Presseauftritt vor einem Hotel in der US-Metropole. 

Inzwischen reagierte das Weiße Haus und stellte fest, dass es keine Kriegserklärung gegen Nordkorea gebe. Entsprechende Andeutungen aus Pjöngjang seien "absurd". Gleichwohl hatte das US-Verteidigungsministerium zuvor klar gestellt, man wolle sich von Nordkorea nicht unbegrenzt herausfordern lassen. "Wenn Nordkorea seine Provokationen nicht einstellt, werden wir dem Präsidenten Optionen anbieten, um mit Nordkorea umzugehen", sagte Pentagon-Sprecher Robert Manning am Montag in Washington. Welche Möglichkeiten Trump unterbreitet würden, sagte er nicht.

Der Präsident hatte am Samstag getwittert, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und seine Regierung würden "nicht mehr lange hier sein". Am selben Tag schickten die USA mehrere Langstreckenbomber aus Guam und Kampfjets in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea, um im Streit um das Atomprogramm Nordkoreas Stärke zu demonstrieren.

Minister kündigt Abschuss von US-Bombern an

Ri drohte zudem mit dem Abschuss strategischer Bomber der USA - selbst, wenn diese nicht in den nordkoreanischen Luftraum eindringen würden. Solange die USA den Krieg erklärten, "werden wir uns von jetzt an das Recht der Selbstverteidigung vorbehalten, einschließlich des Rechts, sie (die Bomber) abzuschießen", sagte Ri. Man werde sehen, wer länger durchhalte. Die Charta der Vereinten Nationen gestehe allen Mitgliedstaaten das Recht der Selbstverteidigung zu.

Zuvor hatte das diplomatisch isolierte Nordkorea mit offenen Briefen an ausländische Parlamente und Parteien um Verbündete gegen die USA geworben. In ihren Schreiben verurteilten der außenpolitische Ausschuss der Obersten Volksversammlung - das nordkoreanische Parlament - und das Zentralkomitee der herrschenden Arbeiterpartei Trump. Sie warfen der US-Regierung zugleich vor, die ganze Welt in eine "nukleare Katastrophe" zu führen, wie die Staatsmedien am Montag berichteten. Zudem plädieren beide Gremien für ein gemeinsames Vorgehen gegen Washington. Aus den Berichten wurde nicht klar, an welche Staaten die am Sonntag versandten Schreiben gerichtet waren.

Trump-Äußerungen "unerträgliche Beleidigung"

In seinem Brief bezeichnete der Ausschuss Trumps Drohung einer Zerstörung Nordkoreas demnach als "unerträgliche Beleidigung". Zugleich verteidigt er das Atomprogramm Nordkoreas. "Falls Trump denkt, er könne die Volksrepublik, eine Atommacht, durch Atomkriegsdrohungen in die Knie zwingen, ist das eine Fehlkalkulation und Ignoranz."

Die Arbeiterpartei appelliert an Parteien im Ausland, die Politik der USA zu vereiteln und die Welt so vor einem nuklearen Desaster zu bewahren.

Beschimpfungen und Drohungen seit Monaten

Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA über die Raketen- und Atomtests von Pjöngjang hatte sich zuletzt bei der UN-Vollversammlung in der vergangenen Woche weiter zugespitzt. Trump hatte am vergangenen Dienstag in New York gedroht, Nordkorea bei einem Angriff "total zu zerstören". Das Atomprogramm des Landes sei eine Gefahr für die ganze Welt.

Nordkoreas Machthaber hatte daraufhin in einer Erklärung Trump als "geisteskranken" Greis beschimpft und damit gedroht, ihn "auf jeden Fall mit Feuer zu bändigen". Am Sonntag hatte Trump neue Einreisebeschränkungen für Menschen aus Nordkorea und sieben weiteren Ländern verkündet. Damit wolle er die Terrorbedrohung für die USA verringern, betonte das Weiße Haus.      

Der Atomstreit mit Nordkorea schaukelt sich seit Monaten hoch. Der UN-Sicherheitsrat hatte zuletzt die Sanktionen gegen Pjöngjang wegen des neuen Atomtests vom 3. September deutlich verschärft. Nach eigenen Angaben hatte Nordkorea bei dem Test eine Wasserstoffbombe gezündet. Mit dem Test hatte Nordkorea gegen mehrere UN-Resolutionen verstoßen.

Atomkonflikt: Nordkorea nennt Trump-Tweet "Kriegserklärung" - Weißes Haus: "Absurd"
dho dpa

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