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MÜNCHEN: Professor Ungeliebt

Ruf des Passauer Politikwissenschaftlers Heinrich Oberreuter erregt massiven Studentenprotest

Ruf des Passauer Politikwissenschaftlers Heinrich Oberreuter erregt massiven Studentenprotest

Seit Oktober 1999 war eine Professur am Lehrstuhl für politische Systeme unbesetzt. Nun endlich soll ein neuer Professor seinen Dienst antreten. Doch im Vorfeld der Nominierung entbrannte ein erbitterter Streit, wer die Stelle bekommen soll. Auf der Wunschliste des Senats stand eine junge Professorin ganz oben. Als diese die Stelle jedoch ablehnte, berief Wissenschaftsminister Hans Zehetmair den konservativen 60-jährigen Politikprofessor Heinrich Oberreuter, für den zwei Professoren des Instituts ein Sondervotum abgegeben hatten. Verhalten äußert Unirektor Andreas Heldrich Kritik am ungewöhnlichen Vorgehen des Ministeriums: »Für die Stelle hätten wir lieber einen jüngeren Bewerber von der Liste genommen.«

Der Freizeitprof?

Mit allen Mitteln versucht die Fachschaft der Politologen, Oberreuter am Thron zu sägen. »Schon das Verfahren war eine Frechheit. Die Entscheidung war parteitaktisch motiviert«, sagte Dunia Hathout, Sprecherin der Fachschaft, bei der Vollversammlung des Instituts. Hat Zehetmair seinem Parteifreund einen lukrativen Posten zugeschanzt?

Auch wenn sich der Verdacht durchaus aufdrängt, erhärten lässt er sich wohl nicht. »Wir haben Herrn Oberreuter allein wegen seiner Qualifikationen berufen«, tönt es vom Ministerium und der LMU wie aus einem Mund. Doch gegen Oberreuter sprechen aus Sicht der Studenten noch andere, weit wichtigere Gründe: Er ist hauptberuflich Leiter der Politischen Akademie in Tutzing und könnte dementsprechend nur ein paar Stunden in der Woche lehren. »Er könnte höchstens ein oder zwei Tage die Woche am Institut sein«, schimpfte auch Fachschaftler Alexander König, »für die Studenten wäre er also selten ansprechbar«. Zudem ärgern sich die Studenten darüber, dass schon wieder ein relativ alter Professor berufen werden soll. Eigentlich möchte das Institut die Lehre in Zukunft verjüngen. Oberreuter wäre also ein Schritt zurück. Nun wollen die Studenten Unterschriften sammeln und den Professor mit einem offenen Brief dazu bringen, die Stelle abzulehnen.

Die Würfel sind gefallen

Doch das Ministerium denkt offenbar nicht daran, seine Entscheidung zu widerrufen. »Es ist alles rechtmäßig abgelaufen und der Ruf wurde bereits erteilt«, sagt eine Pressesprecherin. Nun hängt es also nur noch von Oberreuter selbst ab, ob er annehmen will. Sollte er die Stelle antreten, wird es auf jeden Fall schwierig für ihn, sich bei der Studentenschaft beliebt zu machen. Diese droht jetzt schon mit einem Boykott seiner Seminare. Wie er auch ausgehen mag, der Fall Oberreuter hat Präzedenzcharakter. In den nächsten Jahren werden am Institut drei Lehrstühle frei. Die Studenten haben ihre Stimme erhoben, vielleicht wird sie bald gehört. (ns)

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